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Wie steht es um den österreichischen Fondsmarkt? VÖIG und VAIÖ klären auf - Fondsnews


12.04.18 14:30
e-fundresearch.com

Wien (www.fondscheck.de) - Nettomittelzuflüsse auf hohem Niveau, Fondswissen und Finanzbildung jedoch stark ausbaufähig: Einige Tage vor dem am 19. April stattfindenden Weltfondstag luden die österreichischen Fondsverbände VÖIG und VAIÖ zur traditionellen Jahrespressekonferenz, so die Experten von "e-fundresearch.com".

Das Fondsvolumen in Österreich sei im ersten Quartal 2018 im Vergleich zum Jahresultimo um 2,43 Milliarden Euro auf 173,01 Milliarden Euro leicht gesunken, bleibe aber auf hohem Niveau. Für die Konsolidierung an den Märkten seien hauptsächlich politische Faktoren ausschlaggebend gewesen, wie etwa die von Amerika ausgehenden Ankündigungen, den Marktzugang von wichtigen Handelspartnern mit der Einführung von Zöllen allenfalls einzuschränken. Dennoch sei es im ersten Quartal zu Nettomittelzuflüssen in der Gesamthöhe von 866 Millionen Euro gekommen, wovon in Anleihenfonds rund 174,7 Millionen Euro, in Aktienfonds rund 173,5 Millionen Euro und in gemischten Portfolios rund 544 Million Euro geflossen seien.

Die Niedrigzinsphase trage weiter dazu bei, dass die österreichischen Investoren tendenziell verstärkt in Aktienfonds und gemischte Portfolios investieren würden. "Gemischte Fonds verzeichnen mit Abstand das stärkste Wachstum und liegen im Volumen mittlerweile vor den Anleihenfonds", betone Heinz Bednar, Präsident der Vereinigung österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG).

Per Ende März 2018 habe der Anteil der gemischten Fonds bei 42,4% gelegen, jener der Rentenfonds bei 40,1%. Vor fünf Jahren habe der Anteil der Rentenfonds noch bei 45,2% gelegen. Auf einem kontinuierlichen Wachstumspfad würden sich auch Aktienfonds befinden, deren Anteil aktuell mit 16,5% ausgewiesen werde. "Die aktiv gemanagten gemischten Portfolios eignen sich besonders für Privatinvestoren, die aus dem Spareinlagenbereich herausgehen und den Schritt auf den Kapitalmarkt mit überschaubarem Risiko wagen", ergänze Bednar.

Immobilien seien als Anlageform für Herr und Frau Österreicher nach wie vor attraktiv. Davon würden auch die offenen Immobilienfonds profitieren, die im ersten Quartal 2018 einen Volumenzuwachs von rund 173 Millionen Euro erzielt hätten. Das Fondsvolumen habe einen neuen Rekordwert von aktuell 7,64 Milliarden Euro erreicht. "Die Immobilienfonds sind ein wichtiger Baustein der Risikostreuung im Veranlagungsprofil von Privatinvestoren", betone VÖIG-Präsident Bednar.

2017 sei für die Fondsindustrie ein sehr erfolgreiches Jahr gewesen. Und die Kauflaune der Investoren habe - nach dem erfreulichen Jahr 2016 - auch 2017 angehalten: "2017 gab es die größten Nettomittelzuflüsse, die jemals erzielt wurden", habe der Generalsekretär der VAIÖ (Vereinigung Ausländischer Investmentgesellschaften in Österreich), Berndt May, anlässlich des Weltfondstags am 19. April bekannt gegeben.

Fonds nach der Definition UCITS & AIF hätten zusammen weltweite Nettomittelzuflüsse in der Höhe von 2.500 Milliarden Euro und in Europa von 949 Milliarden Euro erreicht. Per Jahresende 2017 habe sich das weltweite in Fonds veranlagte Volumen auf 44,3 Billionen Euro erhöht (Stand Ende 2016: 41,48 Billionen Euro) und damit auch 2017 ein neues Allzeit-Hoch erreicht. Weltweit würden weiterhin Aktienfonds mit einem Marktanteil von 42% dominieren, in Europa betrage der Anteil der Aktienfonds 39%.

Die am Marktanteil gemessen zweitgrößte Anlageklasse seien Anleihenfonds (weltweit 21%, Europa 27%), gefolgt von Multi-Asset (gemischten/balanced) Investmentfonds mit einem Marktanteil von 18% (sowohl in Europa als auch weltweit). Das stärkste Wachstum hätten die Multi-Assetfonds mit einem Wachstum von 16% in 2017 verzeichnet. "Aufgrund der weiterhin tiefen Zinsen ist die Nachfrage nach Anleihenfonds etwas geringer, aber man spürt aufgrund der Erwartung steigender Zinsen erste Anzeichen einer Normalisierung", unterstreiche May.

Die beiden Fondsverbände hätten in einer repräsentativen Umfrage (Integral, n=500, 6.-13.3.2018, repräsentativ für die österreichische Bevölkerung 16-69 Jahre) die Beliebtheit und Nutzung verschiedener Anlageformen abgefragt. Die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst:

- An der Spitze der genutzten Anlageformen stünden bei den Österreichern und Österreicherinnen "sichere" Varianten.

- Jeder vierte Österreicher finde Fonds "attraktiv", mehr als ein Fünftel nütze Fonds für die persönliche Geldanlage. Jeden Zweiten würde eine steuerliche Besserstellung bei längerfristigen Veranlagungen zum Kauf eines Fonds motivieren.

- Von Fonds erwarte man sich vor allem "höhere Erträge als am Sparbuch oder beim Bausparen" (8 von 10) bzw. sei es den Befragten wichtig, "nicht gebunden" zu sein (78%). Die Hauptgründe dafür, warum nicht in Fonds angelegt werde, würden die Befragten vor allem im zu geringen Wissen (7 von 10) bzw. bei zu wenig Kapital (45%) sehen.

- Persönliche Beratung sei nach wie vor großgeschrieben: 50 Prozent würden sich in der Bankfiliale bzw. beim Berater über Fonds informieren, ein Drittel im Internet (Suchmaschinen, Foren etc.) bzw. 24% auf Bankenhomepages.

Der typische Fonds-Anleger sei ein Mann im Alter zwischen 30 und 49, habe Matura und ein höheres Einkommen. Die Ergebnisse der Umfrage würden belegen, dass jeder vierte Anleger Fonds für eine attraktive Anlageform halte. Die Daten würden aber einen erheblichen Aufholbedarf zeigen, was das Wissen um Wertpapiere und Fonds betreffe. Ebenso würde eine steuerliche Entlastung den Fondskauf stimulieren. "Hier sind die Fondsgesellschaften und die Bankinstitute gefordert, bei der Wissensvermittlung aktiv beizutragen, aber auch der Gesetzgeber, um die private Vorsorge zu attraktiveren", betone Bednar. Es gebe hier bereits einige sehr positive Initiativen. Nicht zuletzt diene der Weltfondstag am 19. April dazu, die Neugierde der Österreicherinnen und Österreicher für Fonds zu wecken.

Die neue Bundesregierung bringe Bewegung in Kapitalmarktfragen. Für eine Stärkung der privaten Pensionsvorsorge dürfe man sich Rückenwind im Zuge der angekündigten Einkommensteuerreform 2020 erwarten. Die VÖIG und VAIÖ seien in diesbezügliche Gespräche eingebunden und würden weiter die Idee des Vorsorgedepots verfolgen. Demnach sollten Kunden die Möglichkeit haben, unter Produkten wie Investmentfonds, Direktveranlagungen, Versicherungen, etc. frei zu wählen. Die ausgewählten Produkte sollten in der Ansparphase steuerbefreit werden. Bei einer nicht widmungsgemäßen Verwendung würde eine Nachversteuerung erfolgen. Zusätzlicher Vorteil für den Staat: "Das Vorsorgedepot würde keine staatliche Prämie benötigen und die erste Säule sinnvoll ergänzen", betone Bednar.

Am 19 April werde in der österreichischen Finanzbranche bereits zum sechsten Mal der Weltfondstag begangen. Dieser Tag sei dem Vater des Fondsgedankens, dem Niederländer Abraham van Ketwich gewidmet, der am 19. April 1744 geboren worden sei. Ketwich habe erkannt, dass mit Hilfe eines Fonds die Risiko-Streuung deutlich besser werde und gleichzeitig die Kosten für jeden Anteilsinhaber kleiner würden. Damit sei der Grundstein für den heutigen, modernen Investmentfonds gelegt worden.

Der Weltfondstag werde von verschiedenen Marketing- und Werbeschwerpunkten der Verbände und der Fondsgesellschaften getragen. Diese würden von Schwerpunkten in Bankfilialen und Kundenveranstaltungen zum Thema "Vorsorgen und Veranlagen mit Fonds" bis zur Bonifikation bei der Eröffnung von Fondssparplänen reichen. (News vom 11.04.2018) (12.04.2018/fc/n/s)