Vorsicht bleibt oberstes Gebot


09.10.19 11:15
Edmond de Rothschild Asset Management

Paris (www.fondscheck.de) - Das wirtschaftliche und politische Klima ist bereits stark eingetrübt - und die Lage verschlechtert sich weiter, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management.

"Obwohl wir für die nähere Zukunft zwar keine Rezession erwarten, können wir dennoch keinen Faktor erkennen, der die Entwicklung jetzt umdrehen könnte", sage Benjamin Melman, Global Chief Investment Officer bei Edmond de Rothschild Asset Management.

Betrachte man die historischen Wirtschaftsdaten für die USA, so stelle man fest: Die Verlangsamung der Konjunkturentwicklung habe im Frühjahr 2018 begonnen, bevor der Handelsdisput mit China eskaliert sei, vermutlich ausgelöst von zunehmendem Druck auf die Unternehmensmargen. "Unstrittig ist jedoch, dass der Handelskrieg und die damit verbundene steigende Unsicherheit die Investitionen der Unternehmen drastisch reduziert und die produzierende Industrie in Richtung einer Rezession getrieben hat", so Melman.

Die wichtigste Erkenntnis nach Ansicht des Experten sei jedoch: Die zuständigen staatlichen Einrichtungen hätten diesmal keine Zeit verschenkt, sondern sofort zum Gegenangriff geblasen. Sowohl die US-Notenbank FED als auch die Europäische Zentralbank hätten sehr schnell ihre Geldpolitik gelockert. Zudem seien auf beiden Seiten des Atlantiks bereits Möglichkeiten für fiskalpolitische Stimuli diskutiert worden. "Dies sind erfreuliche Nachrichten - doch sie sind nicht konkret genug, um die Prognosen herumzudrehen", so Melman.

Zunehmende politische Risiken in ganz Europa hätten die französische Fondsgesellschaft bereits Anfang August dazu veranlasst, die Aktienquote zu reduzieren. "Seitdem haben das von der Lega Nord forcierte Scheitern der italienischen Regierungskoalition sowie zahlreiche Fehler des britischen Premierministers Boris Johnson die Risiken eines schwierigen europäischen Herbstes weiter verlängert. Deshalb haben wir unsere zugehörige Portfoliogewichtung auf ein noch geringeres Risiko zurückgefahren", erläutere der Experte.

An den Rentenmärkten habe Edmond de Rothschild Asset Management im September von der Entwicklung der langfristigen Zinsen profitiert. Sie sei dazu genutzt worden, das Engagement in Staatsanleihen leicht zu erhöhen. "Obwohl Staatsanleihen nur äußerst geringe Renditen abwerfen, bleiben wir angesichts des sich verschlechternden wirtschaftlichen Umfelds in dieser Anlageklasse investiert", erkläre Melman.

Darüber hinaus bevorzuge der französische Asset Manager nachrangige Finanzanleihen. "Diese Titel überzeugen durch vergleichsweise starke Renditen und verbesserte Fundamentaldaten aufgrund des Anstiegs der harten Kernkapitalquoten (Tier 1) ihrer Emittenten", so der Experte. "Zudem denken wir, dass in Hartwährung denominierte Schwellenländeranleihen von Kapitalzuflüssen aus Europa profitieren könnten. Denn nach der erneuten quantitativen Lockerung bieten diese Papiere höhere Renditen." (09.10.2019/fc/n/s)