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Volastrategien: Zeitgemäßer als je zuvor!


08.07.20 11:00
Wallrich Asset Management

Frankfurt am Main (www.fondscheck.de) - Schlechter hätte es für Short-Volastrategien nicht kommen können, so Stefan Wallrich, Vorstand Wallrich Asset Management AG.

Zunächst habe die Corona-Pandemie für einen der schnellsten und heftigsten Börsencrashs aller Zeiten gesorgt, und von der anschließenden Erholung hätten sie aufgrund des zwischenzeitlich eingetretenen Verfallstermins dann nur unterproportional profitiert. Praktisch alle auf Leerverkäufe von Put-Optionen spezialisierte Investmentansätze hätten in den vergangenen Monaten per Saldo deshalb deutliche Verluste erlitten.

Die Überlegungen, die hinter dem Eingehen ungedeckter Stillhalterpositionen stünden, sowie der Nutzen dieser Vorgehensweise seien damit jedoch keineswegs hinfällig geworden. Ganz im Gegenteil hätten sich die Perspektiven von Short-Volastrategien, die im Fachjargon auch als PutWrite-Strategien bezeichnet würden, durch die deutlich gestiegenen impliziten Volatilitäten erheblich verbessert. Diese Einschätzung gelte nicht nur auf kurze Sicht, sondern auch mittel- bis langfristig.

Um dabei nicht erneut einer Kapitalmarktsituationen wie im Rahmen der Corona-Krise "schutzlos" ausgesetzt zu sein, empfehle es sich allerdings, Short-Volastrategien um einen Mechanismus zu ergänzen, der eine Absicherung in Extremsituationen biete.

Bei der strukturierten Vermögensverwaltung müsse es darum gehen, möglichst viele voneinander weitestgehend unabhängige Performancequellen zu erschließen ("Rendite-Diversifizierung"). Als eigenständige Assetklasse erwirtschafte die implizite Volatilität in Form von Risikoprämien laufende Erträge. Diese würden zur Entwicklung der Aktien- und Rentenmärkte nur eine sehr geringe, häufig sogar negative Korrelation aufweisen, weshalb entsprechende Finanzprodukte gerade bei institutionellen Anlegern als ergänzender Portfoliobestandteil zunehmend an Bedeutung gewinnen würden.

Dabei sprächen insbesondere zwei Aspekte für eine risikoadjustierte Überrendite von PutWrite-Strategien (Verkauf ungedeckter Put-Optionen). Zum einen liege die implizite Volatilität, die für die Höhe von Optionsprämien maßgeblich mitverantwortlich sei, im langfristigen Mittel systematisch über der tatsächlich realisierten Volatilität. Und zum zweiten würden Puts im übertragenen Sinn "Versicherungsprodukte" darstellen, mit denen sich Marktteilnehmer gegen größere Rückschläge an den Aktienmärkten absichern könnten. Dafür seien Investoren dazu bereit, abhängig von der aktuellen Risikoeinschätzung und der eigenen Risikotragfähigkeit an den Stillhalter eine mehr oder weniger hohe Volatilitäts-Risikoprämie zu zahlen. Besonders für Out-of-the-money-Puts ("Versicherung mit Selbstbeteiligung") bestehe deshalb eine ausgeprägte Nachfrage, die sich in unruhigen Börsenphasen nochmals stark erhöhe. Beide Aspekte würden zu Optionsprämien führen, mit denen sich das ex post realisierte Aktienmarktrisiko langfristig überkompensieren lasse.

Mit dem Corona-Crash seien die Volatilitäts-Risikoprämien auf den höchsten Stand seit der Lehman-Pleite und der daraus resultierenden Weltfinanzkrise angestiegen. So sei der VSTOXX auf über 85 Punkten nach oben geschnellt. Der langjährige Durchschnitt liege dagegen bei Werten zwischen 15 und 20, Anfang 2020 sei es sogar noch etwas weniger gewesen.

Derzeit sei nicht abzusehen, wann die implizite Volatilität wieder auf dieses Niveau zurückfallen werde. Zum einen sei die Unsicherheit noch immer überaus groß. Niemand könne sicher sagen, wann die Weltwirtschaft wieder nachhaltig werde Fuß fassen können, wie sich die starke Überschuldung auswirken werde, und vor allem, ob es möglicherweise zu einer zweiten Welle komme. Erst mit einem wirkungsvollen Impfstoff sollte beim letzten Punkt eine gewisse Sicherheit entstehen.

Aber auch davon losgelöst würden Aktienmarktverwerfungen, wie sie in den vergangenen Monaten zu beobachten gewesen seien, hinsichtlich der impliziten Volatilität in der Regel noch lange nachwirken, was sich dann auch in erhöhten Optionsprämien widerspiegele. Zur Veranschaulichung lasse sich hier der Vergleich zum klassischen Versicherungsgeschäft ziehen. So würden große Schadensereignisse, wie Überschwemmungen oder eine starke Hurrikansaison in den USA regelmäßig zu einer verstärkten Nachfrage nach entsprechenden Versicherungen und zu längerfristig erhöhten Prämien führen. Die folgenden Geschäftsjahre würden für die jeweiligen Versicherungssparten dann nicht selten überdurchschnittlich gut ausfallen.

Dabei spiegeln sich höhere Optionsprämien praktisch eins zu eins im Renditepotenzial unserer Prämienstrategiefonds wider, was sich an einem realen Zahlenbeispiel leicht verdeutlichen lässt, so Stefan Wallrich, Vorstand Wallrich Asset Management AG. So habe Mitte Januar für den Verkauf von Put-Optionen auf den EURO STOXX 50 mit einer Restlaufzeit von vier Wochen (bis zum nächsten Verfallstermin) und einem Strikelevel von 95% eine Prämie von 8,30 Euro vereinnahmt werden können. Werde diese Prämie durch den Basispreis von 3.600 Punkten geteilt, ergebe sich bei seitwärts bzw. leicht fallenden Indexkursen (bis zu -5%) auf Monatssicht eine Rendite von 0,23%. Aufs Jahr umgerechnet entspreche dies ohne Berücksichtigung von Zins und Zinseszins einem Renditepotenzial von 2,76%.

Während des Corona-Crashs seien die Werte für die Seitwärtsrendite geradezu explodiert. Aber auch nach der zwischenzeitlichen Beruhigung lägen sie noch immer weit über den Werten von Mitte Januar. So sei am vergangenen Verfallstermin (18.06.2020) für einmonatige Verkaufsoptionen auf den EURO STOXX 50 mit einem Strikelevel 5% unterhalb des zu diesem Zeitpunkt aktuellen Indexstands eine Prämie von 50 Euro gezahlt worden. Daraus ermittle sich auf Monatssicht eine Rendite von 1,64% (50/3050) bzw. ein Jahreswert von 19,7%. Unveränderte Bedingungen vorausgesetzt, sei es genau diese Performance, die mit dem Schreiben entsprechender Put-Optionen in den kommenden zwölf Monaten realisiert werden könne. Dies gelte sogar dann noch, wenn der Markt sukzessive nach unten gehe, vorausgesetzt die Verluste würden während der meist vierwöchigen Restlaufzeit der einzelnen Put-Optionen niemals mehr als 5% betragen.

Die schlechte Entwicklung vieler Short-Volastrategien in den zurückliegenden Wochen sei insbesondere auf den extrem schnellen und heftigen Crash und damit eine Extremsituation zurückzuführen, wie sie in an den europäischen Börsen in dieser Ausprägung niemals zuvor zu beobachten gewesen sei. Dabei könne eine Wiederholung natürlich nicht ausgeschlossen werden. Es müsse deshalb darum gehen, in die entsprechenden Prämienstrategien einen Mechanismus zu implementieren, durch den die Folgen derartiger Tail-Risks, die zwar extrem selten auftreten würden, dann aber einen umso höheren Schaden verursachen könnten, stark abgemildert würden.

An dieser Stelle gibt uns das Setup unserer AI (Artificial Intelligence) Prämienstrategien, die in hohen Maße auf modernen Datenanalyse-Technologien und künstlicher Intelligenz beruhen, die Möglichkeit, verschiedene Absicherungsvarianten durchzuspielen und anschließend unter Einbeziehung der jüngsten Aktienmarktentwicklungen zu optimieren, so Stefan Wallrich, Vorstand Wallrich Asset Management AG, weiter.

In das Management des Wallrich AI Libero seien die entsprechenden Erkenntnisse bereits eingearbeitet worden. Übersteige die Abwärtsdynamik an den Märkten, ausgedrückt durch die Differenz der aktuell zu zahlenden Optionsprämien im Vergleich zu den Optionsprämien von vor fünf Börsentagen einen bestimmten Wert, würden die eingegangenen Short-Put-Positionen automatisch um Long-Put-Positionen mit einem niedrigeren Strikelevel ergänzt. Es werde somit ein so genannter Vertikaler Spread aufgebaut.

Dadurch büßen wir in den Absicherungsphasen zwar einen Teil unserer Prämieneinnahmen ein, in der langfristigen Rückbetrachtung (Backtesting) zeigt sich aber, dass auf diese Weise nicht nur der Fondspreisrückgang im Rahmen des Corona-Crashs hätte vermieden werden können, sondern es insgesamt zu einer deutlichen Outperformances des EURO STOXX 50 und per Saldo auch zu einem Renditeplus im Vergleich zu der bisher verfolgten Prämienstrategie des AI Libero gekommen wäre, so Stefan Wallrich, Vorstand Wallrich Asset Management AG. (08.07.2020/fc/n/s)