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Universal-Investment übernimmt Capinside - Fondsnews


21.07.20 12:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die Universal-Investment-Gruppe hat die Mehrheit an dem Hamburger Fintech Capinside übernommen, so die Experten von "FONDS professionell".

Mit dem Kauf erweitere die Service-Kapitalverwaltungsgesellschaft aus Frankfurt ihr Vertriebs- und Marketingangebot für die Asset Manager, die ihre Fonds bei Universal-Investment aufgelegt hätten. Ziel sei es, mit dem neuen Mehrheitseigner im Rücken "Europas führende Online-Plattform für Investmentprodukte" aufzubauen, so Capinside-Geschäftsführer Philipp Schröder im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE.

Capinside sei vor knapp zwei Jahren aus dem Vertriebsunternehmen Salesheads hervorgegangen. Das Portal ermögliche Finanzberatern unabhängige Fondsvergleiche und aggregiere Nachrichten aus der Investmentwelt, die von einem selbstlernenden Algorithmus individuell nach den Vorlieben der Nutzer ausgewählt würden. Asset Manager, die mit Capinside kooperieren würden, könnten zudem ihre Inhalte über die Plattform präsentieren. Künftig dürfte die Zahl der Investmenthäuser, die Videos und Markteinschätzungen via Capinside ausspielen und so neue Kunden gewinnen möchten, deutlich steigen - Universal-Investment administriere nach eigenen Angaben Fonds von fast 300 Initiatoren.

"Im Zuge unserer Wachstumsstrategie haben wir uns zwei große Themen auf die Fahnen geschrieben: Digitalisierung und Internationalisierung", berichte Universal-Investment-Chef Michael Reinhard im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. "Wer versucht, diese Stichwörter mit Vertriebs- und Marketingunterstützung zusammenzubringen, landet fast zwangsläufig bei Capinside. Wir sind überzeugt von dieser Plattform und möchten sie nutzen, um unser Angebot für Fondsinitiatoren auszubauen."

Capinside sei nicht nur für kleine Boutiquen ohne eigene Vertriebseinheit geeignet, sondern auch für internationale Asset Manager, die kein Team vor Ort hätten, meine Reinhard. "Wir haben natürlich im Vorfeld der Akquisition mit Asset Managern gesprochen. Die Initiatoren begrüßen unser Vorhaben, weil es ihnen neue Möglichkeiten im Vertrieb und Marketing eröffnet."

Das Geld, das Universal-Investment in die Gesellschaft stecke, solle in das weitere Wachstum fließen. Aktuell sei Capinside nur in der DACH-Region tätig. "Geplant ist eine Expansion in die Benelux- und die nordeuropäischen Länder, auch ein Markteintritt in Großbritannien und in Irland ist denkbar", sage Schröder.

"Zudem soll die Zielgruppe der Plattform erweitert werden", ergänze Reinhard. Aktuell richte sich Capinside vor allem an Intermediäre wie Finanzberater, Dachfondsmanager und Family Offices. Künftig solle es auch ein Angebot für institutionelle Investoren geben. "Mittelfristig ist auch ein Endkundenportal vorstellbar, doch das hat aktuell keine besondere Priorität", sage Reinhard. Pläne für eine solche Plattform für Privatanleger hege Capinside schon länger - in die Tat umgesetzt worden seien sie bislang nicht. Das Fintech habe eher Innovationen wie die Tokenisierung vorangetrieben.

Schröder möchte auch das Produktangebot erweitern, etwa um alternative Investments. Bislang konzentriere sich die Plattform auf offene Publikumsfonds. Perspektivisch solle Capinside zudem weitere Teile der Wertschöpfungskette im Finanzvertrieb abdecken, also etwa Orders ermöglichen. "Unsere Idee ist ein One-Stop-Shop für Investmentprodukte", sage Schröder.

Doch könne das funktionieren, wenn Capinside künftig nicht mehr unabhängig sei, sondern eine Tochtergesellschaft eines Fondsanbieters? Komme da nicht schnell der Verdacht auf, dass die Universal-Investment-Produkte eine Sonderbehandlung genießen würden? Reinhard und Schröder würden vehement widersprechen. "Capinside bleibt eine für alle Asset Manager offene Plattform", betone Schröder. "Selbstverständlich werden alle Produktvergleiche so unabhängig erfolgen wie bislang." Auch in den Algorithmen, die die Nachrichtenauswahl steuern würden, werde es keine Schlechter- oder Besserstellung einzelner Anbieter geben.

"Universal-Investment und Capinside eint die Plattformidee", meine Reinhard. Sein Haus biete selbst kein aktives Management an, sondern konzentriere sich auf die Verwaltung und Administration. "Daher passen beide Unternehmen von der Philosophie her sehr gut zusammen." Im Sinne der Plattform-Ökonomie gelte Reinhard zufolge: "Je breiter und vielfältiger das Angebot auf Capinside, desto attraktiver wird die Plattform für alle Beteiligten."

Bislang hätten die Capinside-Gründer und -Geschäftsführer Schröder und Achim Denkel die Mehrheit der GmbH-Anteile gehalten. Investiert hätten zudem Business Angels und Venture-Capital-Geldgeber wie Ex-Allianz-Capital-Partners-Chef Thomas Pütter oder Finanzcheck.de-Mitgründer Andreas Kupke. Sie hätten ihre Anteile nun an Universal-Investment veräußert. Schröder und Denkel würden dagegen engagiert bleiben. "Alle Anteile der Gründer-Holding wurden in die neue Struktur eingebracht", betone Schröder.

Weil Universal-Investment zusätzlich frisches Kapital einbringe, halte der Fondsanbieter künftig die Mehrheit. Dazu, wie die Anteile am Unternehmen aktuell verteilt seien, möchte sich Reinhard aktuell nicht äußern. Auch über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden.

Schröder und Denkel würden das Unternehmen, das aktuell rund 40 Mitarbeiter beschäftige, weiterhin leiten. Auch der dritte Capinside-Geschäftsführer Micha Grüber bleibe an Bord. Ergänzt werde das Gremium um Jürgen Sehnert, Head of Strategy and Product Governance von Universal-Investment. (21.07.2020/fc/n/s)