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Steigende Nachfrage nach Faktorstrategien für Zins- und Multi-Asset-Produkte führt zu zunehmenden Faktorallokationen


02.10.17 10:48
INVESCO

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die Faktorallokationen der Investoren werden in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich deutlich steigen, wobei die Anlegernachfrage nach Faktor- und Multi-Faktor-Strategien für Zins- und Multi-Asset-Produkte zunimmt, so die Experten von INVESCO.

So laute ein zentrales Ergebnis der zweiten jährlichen Invesco Global Factor Investing Study. Die Studie signalisiere einen Anstieg in der Verbreitung von Faktorprodukten und den Allokationen in derartige Produkte. Für die auf qualitativen und quantitativen Untersuchungen beruhende Studie seien 108 globale Pensionsfonds, Versicherer, Staatsfonds, Finanz- und Vermögensberater sowie Intermediäre in 19 Ländern mit einem verwalteten Vermögen von zusammen deutlich mehr als 7 Billionen US-Dollar befragt worden.

Sowohl die Verbreitung von Faktorprodukten als auch die Allokationen in derartige Produkte würden in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich weiter zunehmen, da mehr Investoren angeben würden, vermehrt auf derartige Strategien zu setzen. Der Studie zufolge würden die Faktorallokationen von Privatanlegern bis 2022 deutlich auf 17% steigen. Damit wären Privatanleger fast genauso stark in Faktor-Strategien engagiert wie institutionelle Investoren, bei denen im gleichen Zeitraum mit einem Anstieg der Allokationen auf 18% gerechnet werde.

Die Allokationen der Studienteilnehmer, die bereits im Vorjahr an der Befragung teilgenommen hätten, seien in den vergangenen zwölf Monaten von 12% auf 14% gestiegen. 2017 erreiche der Anteil von Faktoranlagen an den Portfolios der befragten institutionellen Investoren und Privatanleger insgesamt 17% bzw. 6%. Das vergleiche sich mit Allokationen von 15% bzw. 4% im Vorjahr.

Die Nachfrage nach faktorbasierten Strategien habe zwar weltweit zugenommen. Sowohl im institutionellen als auch im Privatanleger-Segment liege Nordamerika bezüglich der Durchsetzung des Factor Investing aber klar vorne. Nach 16% im Vorjahr hätten nordamerikanische Institutionen ihre Allokationen in Faktorstrategien 2017 auf 19% erhöht. Hinter dieser Entwicklung stünden vor allem Versicherungsgesellschaften und staatliche Pensionskassen.

Die Befragten aus dem institutionellen Segment hätten Risikovorteile als Hauptgrund für die höheren Allokationen genannt. Kurz dahinter folge ein potenziell höheres Alpha. Auch die Kosten würden ein wichtiger Aspekt bleiben. Unter den etablierten Faktorstrategien würden zwei Drittel der Befragten (66%) bevorzugt auf Smart-Beta-Produkte setzen, die mit Mitteln aus fundamentalen aktiven Strategien finanziert würden.

In Europa seien faktorbasierte Anlagestrategien ebenfalls unter institutionellen Investoren am weitesten verbreitet. Nach 17% im Jahr 2016 hätten in diesem Jahr 19% dieser Investoren in Faktor-Produkte investiert. In dieser Region seien Versicherer und Staatsfonds die größten Treiber hinter diesem Trend. Die Befragten würden hier ähnliche Risiko-Ertrags-Vorteile wie die Studienteilnehmer aus Nordamerika nennen, würden aber weniger Betonung auf Kostensenkungen legen. Anders als in Nordamerika würden 62% der Befragten in Europa quantitative Produkte gegenüber Smart-Beta-Produkten (38%) bevorzugen.

Mit Blick auf das Interesse der europäischen Versicherer an Faktorstrategien erkläre Ed Collinge, Head of UK Insurance bei INVESCO: "Versicherungsgesellschaften nutzen zunehmend faktorbasierte Anlagemethoden und wir rechnen mit einer weiteren Verbreitung der Strategien in diesem Sektor. Aus Sicht der Versicherungsgesellschaften besonders wichtig ist die Tatsache, dass ihnen faktorbasierte Strategien konsistenten Zugang zu Mehrerträgen bei gleichzeitiger Risikokontrolle und Kosteneffizienz bieten. Hinzu kommt der zunehmende Bedarf der Versicherer für eine größere Diversifikation über unterschiedliche Anlageklassen und Regionen hinweg - in diesem Zusammenhang ist die Diversifikation über unterschiedliche Faktoren eine natürliche Erweiterung für ihre Aktienportfolios."

Wie die Studie zeige, seien die Allokationen in Faktorstrategien im Vergleich zum Vorjahr in Asien am stärksten gestiegen - bislang seien institutionelle Investoren und Privatanleger aus Asien im globalen Vergleich am wenigsten in Faktorstrategien investiert. Im Zusammenhang mit der zunehmenden Verbreitung der faktorbasierten Anlage in Asien hätten die Befragten als wichtigsten Grund für derartige Anlagen das Potenzial für höhere Anlageerträge genannt, gefolgt von der Risikominderung.

Alle Anlegergruppen würden Faktoranlagen als zunehmend wichtige dritte Säule von Anlageportfolios neben fundamentalen aktiven und passiven Strategien schätzen. Sie würden faktorbasierte Strategien nutzen, um Herausforderungen wie Pricing, Makro- und geopolitische Risiken bei börsengehandelten Anlagen und Pricing, Marktzugang und Liquidität bei alternativen Anlagen und Sachanlagen zu adressieren.

Fast die Hälfte (49%) der Investoren, die bereits faktorbasierte Strategien nutzen würden, habe den Value-Faktor als den am einfachsten umsetzbaren der aktuell geläufigen Faktoren bezeichnet, gefolgt von Low Size und Low Volatility.

In der Umsetzung am schwierigsten sei für 42% der Investoren der Momentum-Faktor, wobei vor allem auf hohe Transaktionskosten, Volatilität und häufige Rebalancings verwiesen werde. Auch Low Volatility und Quality würden als schwierig in der Umsetzung bezeichnet.

Im Zusammenhang mit dem weltweiten Vormarsch der faktorbasierten Anlage signalisiere die Studie ein wachsendes Interesse an einer Anwendung auf Zins- und Multi-Asset-Strategien. Bislang würden sich die Anlagezuflüsse vorwiegend auf Einzel- und Multi-Faktor-Aktienstrategien konzentrieren. Die Studie zeige jedoch, dass das Interesse an neuen Faktorprodukten zunehme. Angesichts der Tatsache, dass die Mehrheit der Investoren (68%) nicht in den von ihnen bevorzugten Strategietypen investiert sei, werde es zunehmend wichtig, neue Wege der faktorbasierten Anlage aufzuzeigen.

Die Befragten hätten auch Interesse an Faktorstrategien im Anleihensegment geäußert. So würden zwei Drittel (68%) glauben, dass die Theorie auch auf die Zinsmärkte anwendbar sei. Nur ein Drittel (32%) aber nutze Faktorstrategien in ihren Anleihenportfolios. Auch im Multi-Asset-Bereich seien Faktorstrategien zunehmend gefragt. Das gelte insbesondere für Nordamerika und Europa, wo 52% bzw. 47% der Befragten Multi-Asset-Multi-Faktor-Lösungen als bevorzugte Struktur für Faktorprodukte genannt hätten.

Georg Elsässer, Senior Portfolio Manager, Quantitative Strategies bei INVESCO, habe gesagt: "Das Wachstum der faktorbasierten Anlage in den letzten zwölf Monaten verdeutlicht den potenziellen Mehrwert dieses Ansatzes für Anlageportfolios. Viele Anleger haben gerade erst begonnen, Faktorstrategien zu nutzen, aber unsere Befragten erwarten ganz klar, dass der Ansatz weiter an Bedeutung gewinnen wird."

"Angesichts der rekordtiefen Zinsen ist vielen Investoren inzwischen klar, dass ihre Portfoliodiversifikation nicht mehr so gut ist wie zuvor. Das könnte die Nachfrage nach faktorbasierten Zinsstrategien als Ansatz zur Minderung der Risiken und zur Verbesserung der Diversifikation und Performance ankurbeln. Neben faktorbasierten Anleihestrategien interessieren sich die Investoren zudem für faktorbasierte Multi-Asset-Strategien. Damit entsteht Bedarf für die Entwicklung neuer Produkte."

"Aktuell sind nur ein Drittel der Investoren in der Lage, in die von ihnen bevorzugten Faktorstrategien zu investieren. Daher betrachten wir diese Produkte als nächsten Entwicklungsschritt nach der Fokussierung auf Aktienstrategien. Investoren erhalten so mehr Wahlmöglichkeiten und die Rolle der faktorbasierten Anlage als dritter Säule neben fundamentalen aktiven und passiven Strategien wird gestärkt." (02.10.2017/fc/n/s)