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Stabilisierung des Rentensystems durch kreditfinanzierten Staatsfonds


02.04.19 12:00
Scope Analysis

Berlin (www.fondscheck.de) - Deutschlands alternde Gesellschaft bringt das umlagefinanzierte Rentensystem an seine Grenzen, so die Experten von Scope Analysis.

Ein kreditfinanzierter Staatsfonds könne dazu beitragen, die Renten für junge Generationen zu stabilisieren - ohne die Kreditwürdigkeit des Landes zu gefährden.

Die Kluft zwischen Leistungsempfängern und Beitragszahlern vergrößere sich weiter - dies zeige aktuelle Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung. Um die künftigen Ansprüche der Rentner zu erfüllen, würden sich in den kommenden 20 Jahren die Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt auf bis zu 120 Mrd. Euro jährlich erhöhen.

"Das gegenwärtige System begünstigt Beitragszahler, die das Rentenalter in Kürze erreichen", sage Bernhard Bartels, verantwortlicher Analyst für das Deutschland-Rating von Scope. "Die Einführung eines kreditfinanzierten Staatsfonds könnte jüngeren Generationen als Ausgleich für ihre aktuellen Belastungen dienen."

Während die stetig steigenden Bundeszuschüsse zur Rentenkasse das Kreditrating der Bundesrepublik in der Tendenz belasten würden, könnte ein kreditfinanzierter Pensionsfonds aus Sicht von Scope Deutschlands AAA-Rating aus drei Gründen stärken: Geringere zukünftige Verbindlichkeiten aus dem Umlageverfahren; geringere Unsicherheit der jungen Generation hinsichtlich des künftigen Rentenniveaus; höhere Liquidität von Bundesanleihen und Sicherung des Benchmark-Status.

Ein Teil der Finanzierung könnte durch zusätzliche Schuldverschreibungen finanziert werden. Bundesanleihen würden sich großer Investorennachfrage erfreuen. Derzeit begebe der deutsche Staat 30-jährige Anleihen mit einer Rendite von unter 2% p.a. "Der Fonds könnte sich auf diese Weise günstig finanzieren und den Kapitalstock innerhalb von 20 Jahren auf mehr als eine Billion Euro heben", sage Bartels.

Eine Möglichkeit, die die hohe Kreditwürdigkeit Deutschlands trotz höherer Schulden unberührt ließe, wäre die kombinierte Finanzierung zu gleichen Anteilen aus Steuern und neuen Schulden. Das von Scope berechnete Szenario verwende eine durchschnittliche jährliche Rendite von 4%, die dem langfristigen Mittel global diversifizierter Fonds entspreche und damit deutlich oberhalb der Refinanzierungskosten liege.

Scope kalkuliere mit einer jährlichen Einzahlung von 1% des BIP pro Jahr, wobei 50% kreditfinanziert würden und 50% aus Steuermitteln in den Fonds fließen würden. Die eingezahlte Summe entspräche 34 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Der Steuerzuschuss für das Umlageverfahren im Jahr 2018 habe bei 94 Mrd. Euro gelegen.

Zusätzlich könnten Bürger durch private Beiträge die Rentenauszahlung erhöhen. Der Fonds würde Kleinanlegern mit gering ausgeprägtem Interesse an Finanzprodukten eine Alternative neben den privaten Fondslösungen bieten.

Der staatliche Pensionsfonds dürfte nicht zur Finanzierung heutiger Leistungen herangezogen werden, sondern ausschließlich zur Bedienung zukünftiger Ansprüche der jüngeren Generationen. Dafür bedürfe es aus der Sicht von Scope einiger gesetzlicher Beschränkungen: Auszahlungen dürften erst nach einer mindestens 20-jährigen Ansparzeit erfolgen, die Begünstigten müssten mindestens 67 Jahre alt sein, die Auszahlungen dürften den Kapitalstock nicht verringern und es müsste klare und transparente Auszahlungskriterien geben.

Der Fonds würde ähnlich der Schuldenverwaltung privat gemanagt, aber unter parlamentarische Kontrolle gestellt. So würde verhindert, dass die Investitionen des Fonds von politischen Interessen geleitet würden, gleichzeitig aber staatlichen Rahmenbedingungen unterlägen. Als institutionelles Vorbild könne der Staatliche Pensionsfonds Norwegens dienen. (02.04.2019/fc/n/s)