So erkennen Berater, wann Fonds zu groß werden - Fondsnews


06.11.19 12:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Überschütten Investoren herausragende Portfoliomanager mit Geld, laufen diese Gefahr, ihrem eigenen Erfolg zum Opfer zu fallen, so die Experten von "FONDS professionell".

Einige Alarmsignale würden Hinweise geben, wann Fonds eine kritisches Volumen erreichen würden.

Kaum ein Mensch möchte möglichst viel Gewicht auf die Waage bringen. Fondsmanager würden das anders sehen. Denn ein Maß des Erfolgs sei das Volumen des von ihnen gelenkten Portfolios. Je besser die Wertentwicklung und je mehr Geld Anleger in den Fonds schaufeln würden, desto mehr würden auch Prestige und Einnahmen des dahinterstehenden Asset Managers steigen. Doch Strategien könnten an Übergewicht erkranken und an der Geldflut allzu begeisterter Investoren ersticken.

Doch wann sei ein Fonds zu groß? Mit welchen Beeinträchtigungen müssten Anleger rechnen, wenn ein Erfolgsportfolio zu rasch an Größe gewinne? Eine generelle Faustformel gebe es nicht, denn Masse allein müsse einem Fonds noch keine Probleme bereiten. Die Analysten der Ratinggesellschaft Morningstar hätten daher Warnsignale und Anzeichen ausfindig gemacht, die auf eine ungesunde Gewichtszunahme hindeuten würden.

"Eine fixe Grenze lässt sich nicht ziehen", halte Tom Whitelaw vom Aktien- und globalen Managerresearch bei Morningstar zunächst fest. "Wann eine kritische Größe erreicht ist, hängt immer von der konkreten Strategie und dem Markt ab, in dem sich die Manager bewegen." Zudem sei kein Faktor allein ausschlaggebend. Je mehr Signale auf Rot stünden, desto eher sollten Fondsanleger jedoch Vorsicht walten lassen - und das Vorgehen erfolgsverwöhnter Manager kritisch hinterfragen.

Als ersten Schritt würden die Morningstar-Analysten daher abklopfen, ob die Portfoliolenker selbst intern eine Grenze gezogen hätten, ab der sie ihr Kapazitätsmaximum erreicht sehen würden und die Mittelzuflüsse eindämmen wollten. "Dabei geht es uns nicht unbedingt um die konkrete Zahl", erläutere Whitelaw, "sondern darum, wie die Manager zu dieser Zahl gelangt sind."

Ein zentraler Aspekt sei die Liquidität. Ein offener Publikumsfonds müsse stets Anteilsrückgaben der Anleger bedienen. Entsprechend sollten die enthaltenen Papiere gut handelbar sein. Hinzu komme: Halte ein Fonds viele Anteile eines einzigen Titels, dominiere er unter Umständen den Markt - und könne im Krisenfall das Investment nicht oder nur mit erheblichen Abschlägen verkaufen.

Die Morningstar-Analysten würden solche Positionsgrößen selbst nachrechnen. Bei der Kalkulation würden sie nicht nur das Engagement des jeweiligen Portfolios, sondern auch die Bestände entsprechender Spezialfonds und Mandate sowie ähnlich gelagerter Fonds eines Anbieters einbeziehen. Vertreibe ein Haus etwa neben einem China- auch einen Asienfonds, würden die Rating-Experten prüfen, ob sich in diesen identische Titel finden würden. Wie hoch genau die Limits dabei liegen dürften, variiere je nach Anlageklasse, aber auch nach Investmentstil und Marktphase, betone Whitelaw.

Um mögliche Engpässe zu vermeiden, würden Fondsmanager manchmal den Weg wählen, bei wachsendem Volumen andere Felder zu bestellen. So könnte etwa ein Nebenwertefonds auch in Aktien mittlerer Marktkapitalisierung investieren. Damit würde er die Grenzen dieser Nische überwinden und die Mittelströme bewältigen. Solange die Manager auch Erfahrung in dem erweiterten Universum mitbringen und hier überzeugend agieren könnten, stelle das per se kein Problem dar, meine Whitelaw. Wichtig sei auch, dass in der Portfoliosteuerung die Strukturen mitwachsen würden, um die Zuflüsse in Investments umsetzen zu können.

Um einen Ansturm der Anleger abzuwehren, hätten Manager mehrere Möglichkeiten. Sie würden vom Vermarktungsstopp bis hin zu "Strafgebühren" für Neuanlagen reichen. Die Morningstar-Analysten würden es dabei gern sehen, wenn Manager eher zu früh als zu spät zu solchen Maßnahmen greifen würden. "Dann bleibt noch genug Rollstrecke auf der Landebahn übrig", meine Whitelaw. (06.11.2019/fc/n/s)