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Schroders Global Investor Study: Millennials sind am ehesten bereit, Überzeugungen zu opfern, wenn die Rendite stimmt


13.10.20 12:30
Schroders

London (www.fondscheck.de) - Millennials sind eher bereit, bei ihren persönlichen Überzeugungen Kompromisse einzugehen - vorausgesetzt, sie werden dafür mit höheren Renditeaussichten entlohnt. Das ist ein Ergebnis der Schroders Global Investor Study 2020, so die Experten von Schroders.

Millennials - auch als Generation Y bezeichnet - würden gemeinhin als besonders nachhaltigkeitsorientiert gelten. Doch die Zahlen würden ein anderes Bild zeichnen: Global würde jeder vierte Millennial bei seinen persönlichen Überzeugungen Kompromisse machen, wenn die Rendite hoch genug sei. Für keine andere Altersgruppe sei dieser Wert so hoch.

Was die Altersstruktur betreffe, würden 16 Prozent der über 71-Jährigen, 20 Prozent der Babyboomer und 24 Prozent der Angehörigen der Generation X ihre persönlichen Überzeugungen gegen höhere Renditen eintauschen. Somit zeige sich: Je älter die Personen seien, desto gefestigter seien ihre Überzeugungen auch gegenüber monetären Anreizen.

Bezogen auf Deutschland ergebe sich ein entgegengesetztes Bild: Hier würden 19 Prozent der Millennials, 20 Prozent der Angehörigen der Generation X und 25 Prozent der Babyboomer für höhere Renditen auch entgegen ihren Überzeugungen investieren. Unter jüngeren Anlegern in Österreich sei die Kompromissbereitschaft mit 21 Prozent bei Millennials nahezu ebenso wenig ausgeprägt - im Gegensatz zu den Mitgliedern der Generation X mit 31 Prozent. Für die Babyboomer sei ein Wert von 20 Prozent ermittelt worden.

Interessant: Fast ein Drittel (29 Prozent) derjenigen Investoren, die sich in Bezug auf ihre Kapitalanlagekenntnisse als "fortgeschritten" oder "sachkundig" einschätzen würden, wären deutlich eher bereit, ihre persönlichen Überzeugungen gegen höhere Renditen zu wechseln als Anleger, die ihre Kenntnisse als "anfänglich" oder "rudimentär" beurteilen würden. Dieser Zusammenhang zeige sich auch in Deutschland und - in noch stärkerem Maße - in Österreich. So seien in Deutschland 27 Prozent und in Österreich sogar 38 Prozent der sich selber als vergleichsweise kompetent einstufenden Anleger dazu bereit, ihre Überzeugungen gegen mehr Rendite zu "verkaufen".

Beruhigend sei allerdings, dass global über alle Altersgrenzen hinweg 77 Prozent, in Deutschland 79 Prozent und in Österreich 77 Prozent der Anleger bei der Geldanlage nicht gegen ihre persönlichen Überzeugungen handeln würden. Und für diejenigen weltweiten Anleger, die dazu bereit seien, müsste die durchschnittliche Rendite auf ihre Kapitalanlagen zum Ausgleich etwaiger Schuldgefühle 21 Prozent betragen - ein beachtlicher Wert.

Insgesamt würden 42 Prozent der weltweiten Anleger es für wahrscheinlich halten, dass nachhaltige Kapitalanlagen zu höheren Renditen führen würden. In Deutschland und Österreich sei diese Ansicht weniger weit verbreitet: Hier seien dies lediglich 37 Prozent beziehungsweise 38 Prozent. Die Hauptmotivation scheinen dagegen die positiven gesellschaftlichen Effekte der Anlagen zu sein: Rund 47 Prozent global, 51 Prozent in Deutschland und sogar 60 Prozent in Österreich hätten angegeben, dass nachhaltiges Investieren wegen seiner generellen Auswirkungen auf die Umwelt für sie interessant sei.

Sachkundige oder fortgeschrittene Anleger weltweit würden nachhaltigen Kapitalanlagen das größte Potenzial für höhere Renditen (44 Prozent) attestieren. Auch hier seien sowohl für Deutschland (36 Prozent) als auch Österreich (42 Prozent) etwas geringere Werte gemessen worden. Gleichzeitig würden diese erfahreneren Anlegerschichten weniger damit rechnen, dass entsprechende Kapitalanlagen sie letztlich enttäuschen würden (9 Prozent global, 13 Prozent in Deutschland und 23 Prozent in Österreich).

Carolina Minio-Paluello, Global Head of Product, Solutions & Quant bei Schroders:

"Es ist ausgesprochen erfreulich zu sehen, dass viele Anleger heute überzeugt sind, dass nachhaltiges Investieren nicht zulasten der Wertentwicklung gehen muss. Viele Menschen wünschen, dass die Art und Weise, wie sie investieren, ihre Wertvorstellungen widerspiegelt.

Unserer Überzeugung zufolge sollten sich Investment-Performance und nachhaltige Renditen nicht gegenseitig ausschließen. Es gibt zunehmend klare Belege dafür, dass nachhaltiges Investieren zu besseren langfristigen Ergebnissen führen kann. Die Kommunikation ist deshalb entscheidend: Anleger müssen verstehen, was nachhaltiges Investieren wirklich bedeutet und beinhaltet. Deshalb liegt für uns bei Schroders ein klarer Schwerpunkt auf der engen Zusammenarbeit mit unseren Kunden. So können wir sicherstellen, dass sie sowohl ihre nachhaltigen Anlageerfordernisse als auch ihre Investment-Ziele erreichen."

Tatsächlich sei die Kommunikation entscheidend: 93 Prozent der weltweit Befragten sowie 89 Prozent der deutschen und 87 Prozent der österreichischen Investoren würden sich mehr Informationen wünschen, um sicherzugehen, dass ihre Kapitalanlagen wirklich nachhaltig seien.

Darüber, woher diese Informationen kommen sollten, würden die Meinungen der Anleger allerdings auseinandergehen. Weltweit würden 34 Prozent, in Deutschland 33 Prozent und in Österreich 43 Prozent der Umfrageteilnehmer dies als Aufgabe unabhängiger Dritter ansehen. 26 Prozent global, 19 Prozent in Deutschland und 20 Prozent in Österreich würden dagegen erwarten, dass die Anbieter von Kapitalanlagen selbst für Klarheit sorgen würden.

Überraschenderweise hätten lediglich 44 Prozent der europäischen Umfrageteilnehmer angegeben, dass sie Kapital in nachhaltigen Investmentfonds anlegen würden - der Rest investiere in Fonds, bei denen Nachhaltigkeitsfaktoren nicht berücksichtigt würden. Dieser Prozentsatz liege unter dem von Anlegern in Nord- und Südamerika (52 Prozent) sowie Asien (49 Prozent) und stehe im Gegensatz zu der allgemeinen Auffassung, die Bereitschaft, nachhaltig zu investieren, sei bei europäischen Anlegern am größten.

Unter deutschen Anlegern investiere ein Anteil von 49 Prozent und unter österreichischen Anlegern von 33 Prozent immer oder häufig in nachhaltige Fonds. Weitere 32 Prozent in Deutschland und 40 Prozent in Österreich würden dies zumindest gelegentlich tun. Selten oder nie würden lediglich 19 Prozent in Deutschland und 27 Prozent ihr Österreich ihr Kapital in Nachhaltigkeitsstrategien anlegen.

Achim Küssner, Leiter der Schroder Investment Management (Europe) S.A., German Branch:

"Unsere Studie zeigt: Nachhaltiges Investieren ist auf dem Vormarsch - sowohl global als auch in Deutschland und Österreich. Dennoch gibt es hierzulande noch ein Aufholpotenzial gegenüber anderen Märkten. Wir bei Schroders beurteilen Nachhaltigkeit als überaus wichtigen Aspekt unserer Arbeit, der Ausdruck unserer gesellschaftlichen Verantwortung ist. Daher haben wir die Themen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (Environment, Social and Corporate Governance; ESG) bereits im vergangenen Jahr in sämtliche unserer Anlagestrategien fest integriert.

Darüber hinaus sehen wir in ESG jedoch auch eine Möglichkeit, noch stärkere Renditen für unsere Anleger zu erzielen. Denn: Diejenigen Unternehmen, die nachhaltig agieren, werden langfristig zu den größten Gewinnern zählen - und bieten aus Investorensicht die interessantesten Wertsteigerungsmöglichkeiten. Aus diesem Grund ist es für uns ein ebenso wichtiges Anliegen, Investoren über die vielfältigen Möglichkeiten nachhaltigen Investierens aufzuklären und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die ihren Wünschen und Bedürfnissen entsprechen."

Auseinander würden die Meinungen auch darüber gehen, wie Asset Manager diejenigen Herausforderungen angehen sollten, die im Zusammenhang mit fossilen Energieträgern stünden. Nur etwas mehr als ein Drittel der globalen Anleger (36 Prozent) sei der Meinung, dass Asset Manager zugehörige Gelder abziehen sollten, um dem Wachstum dieser Branche entgegenzuwirken. In Deutschland sowie in Österreich seien hierzu mit jeweils 41 Prozent höhere Werte gemessen worden. Mehr als ein Viertel (27 Prozent) weltweit sei jedoch der Überzeugung, dass solche Investments beibehalten werden sollten, um in Form der Miteigentümerschaft Veränderungen zugunsten gesteigerter Nachhaltigkeit aktiv herbeizuführen. In Deutschland würden 24 Prozent und in Österreich 26 Prozent diese Ansicht vertreten.

Als die drei wichtigsten Faktoren hätten die Investoren weltweit gesellschaftlich verantwortungsvolles Handeln, die Beachtung von Umweltschutzaspekten und den Umgang mit den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern genannt. Darauf sollten sich die Unternehmen ihnen zufolge am stärksten konzentrieren. Diese Meinung würden auch die Anleger in Deutschland und Österreich teilen. (13.10.2020/fc/n/s)