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Rücknahmestopp: Deutlich mehr Geld in eingefrorenen Fonds gefangen - Fondsnews


13.10.20 12:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Bei 120 europäischen Publikumsfonds ist derzeit die Rücknahme von Anteilen ausgesetzt, so die Experten von "FONDS professionell".

Dies sei ein deutlicher Sprung gegenüber dem März, als "nur" 76 Fonds eingefroren gewesen seien, wie Zahlen der Ratinggesellschaft Fitch zeigen würden, die FONDS professionell ONLINE vorlägen. Demnach habe per Ende September ein Vermögen in Höhe von 64 Milliarden US-Dollar in gesperrten Fonds gelegen. In der heißen Phase des Kursverfalls an den Börsen wegen der Covid-19-Pandemie im Frühjahr sei der damaligen Fitch-Auswertung zufolge Anlegervermögen in Höhe von 40 Milliarden Dollar in eingefrorenen Fonds "gefangen" gewesen.

Im Zuge des Corona-Crashs hätten Anleger massiv Mittel aus Publikumsfonds abgezogen. Diese Abflüsse seien aber nicht der Hauptgrund für die verhängten Rücknahmestopps gewesen. "Die Ursache liegt diesmal bei der Bewertung der in den Portfolios enthaltenen Vermögenswerte", sage Fitch-Analyst Alastair Sewell gegenüber FONDS professionell ONLINE. Der rapide Kursverfall im Zuge des Corona-Crashs habe die Preisfindung für zahlreiche Wertpapiere erschwert oder unmöglich gemacht. "In der Vergangenheit waren hingegen meist Mittelabzüge Auslöser von Rücknahmebeschränkungen", erläutere Sewell.

Der Kursverfall auf dem Börsenparkett habe sich zwar in eine Aufholjagd gewendet. Dennoch würden offenbar immer noch einige Portfoliomanager mit den Folgen des rapiden Kurssturzes ringen. Ein prominentes Beispiel sei die Gesellschaft H2O Asset Management. Die Boutique von Starmanager Bruno Crastes habe massiv in teils illiquide Papiere investiert, die dem Umfeld des schillernden deutschen Investors Lars Windhorst zuzurechnen seien. Nach einem massiven Kurssturz im März habe H2O Ende August die Ausgabe und Rücknahme von Anteilen vorübergehend ausgesetzt.

Die Gesellschaft übertrage das in liquide Wertpapiere investierte Vermögen in neue Vehikel. Die illiquiden Vermögenswerte sollten hingegen in den alten Fonds abgesondert und schrittweise liquidiert werden. Bei dem Verfahren nutze H2O ein neu von den Regulierern eingeführtes Werkzeug für die Liquiditätssteuerung, das sogenannte "Sidepocketing". Dabei könnten die Fondslenker kritische Investments in "Seitentaschen" von Fonds parken.

Grundsätzlich würden die Analysten von Fitch in den Fondsschließungen keinen Grund zur Sorge sehen. Trotz des deutlichen Anstiegs sei nur ein sehr geringer Anteil des in Publikumsfonds verwalteten Vermögens in den betroffenen Vehikeln gefangen. Dennoch hätten die Experten im Frühjahr bereits davor gewarnt, dass es zu einem Anstieg an Schließungen kommen könne. Besonders anfällig seien Fonds, die auf weniger liquide Investments setzen würden. Denn hier bestehe ein Spannungsverhältnis zwischen den Papieren im Portfolio und der vom Fonds gebotenen, täglichen Handelbarkeit. (13.10.2020/fc/n/s)