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Quantitative Easing schwächt bAV-Einrichtungen finanziell - Liquiditätsmanagement ist gefragt


02.12.19 11:00
Amundi

Paris (www.fondscheck.de) - Als Maßnahme in Krisenzeiten war das Quantitative Easing (QE) erfolgreich, so die Experten von Amundi.

Doch die unerwünschten Nebenwirkungen würden die finanzielle Tragfähigkeit der Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) schwächen, so ein aktueller Bericht von CREATE-Research und Amundi, dem größten europäischen Asset Manager.

Dem Bericht liege eine Befragung von 153 bAV-Einrichtungen mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt 1,88 Billionen Euro und von 38 Pensionsfondsberatern mit einem betreuten Vermögen von insgesamt 1,4 Billionen Euro zugrunde. Er zeige auf, wie sich QE-Programme bislang auf bAV-Einrichtungen ausgewirkt hätten, und wie sie ihre Strategien neu ausrichten möchten, wenn die Lockerungsmaßnahmen der Zentralbanken in die nächste Runde gehen würden.

Die akkomodative Geldpolitik habe aus Sicht der Umfrageteilnehmer eine Phase anhaltend niedriger Renditen, stark gestiegener Vermögenspreise und nicht tragbarer Defizite geschaffen. Die bAV-Einrichtungen würden sich diesem radikal neuen finanziellen Umfeld anpassen und ihre Anlagestrategien und Geschäftsmodelle ändern.

Es bestehe kein Zweifel, dass die akkomodative Geldpolitik viel erreicht habe. Zwei Drittel, nämlich 67 Prozent, der Befragten würden übereinstimmen, dass die Maßnahmen die Finanzmärkte nach dem Lehman-Zusammenbruch stabilisiert hätten. 58 Prozent würden angeben, sie habe dazu beigetragen, die Renditen riskanter Anlagen zu steigern. Mittlerweile gebe es jedoch deutliche Bedenken, dass die Maßnahmen in allen Regionen, in denen sie seit der Krise eingesetzt würden, an Wirkung einbüßen würden. Mit den Worten eines Umfrageteilnehmers: "Die Probleme in Europa und Japan sind struktureller Natur. QE kann sie nicht lösen. Es ist lediglich eine Betäubung vor der Operation."

Die überwiegende Mehrheit der Befragten - fast 80 Prozent - sei der Meinung, die quantitative Lockerung habe die globale Verschuldung kontinuierlich weiter in die Höhe getrieben und den Boden für die nächste Krise bereitet. Zwei Drittel der Befragten seien sich einig, dass QE durch Nullzinsen die Erfüllung von Pensionsverbindlichkeiten erschwere. Die Hälfte der Befragten gebe zudem an, dass Regierungen die Zentralbankmaßnahmen als Vorwand nutzen würden, um wachstumsfreundliche fiskalpolitische Reformen auszusetzen oder aufzuschieben.

Die bAV-Einrichtungen würden fürchten, die nächste Rezession mit einer schwächeren finanziellen Aufstellung als je zuvor meistern zu müssen. Derzeit habe gerade einmal ein Drittel von ihnen einen positiven Cashflow, während 40 Prozent einen negativen Cashflow aufweisen würden. Dementsprechend sinke die Risikobereitschaft und Kapitalerhalt stehe ganz oben auf der Agenda.

Die bAV-Einrichtungen sähen drei Optionen, einen größeren Verlust ihrer Portfolios in fallenden Märkten zu vermeiden. Fast neun von zehn Befragten möchten ihre Asset Allocation und das Fälligkeitsprofil ihrer Pensionsverpflichtungen besser aufeinander abstimmen. 62 Prozent würden auf Liquiditätsmanagement und 37 Prozent auf Durationsmanagement setzen, wobei der Schwerpunkt auf unterbewerteten Vermögenswerten entlang der Zinskurve liege.

Mit 58 Prozent setze die Mehrheit der Befragten auf Aktien, solange die lockere Zinspolitik fortgesetzt werde. Während sich bAV-Einrichtungen infolge der Altersstruktur ihrer Mitglieder immer weiter in Richtung negativer Cashflows bewegen würden, würden Aktien eine defensive Geldanlage mit guten Dividenden und immer noch vernünftiger Gesamtrendite bieten. Ganz oben in der Gunst stünden globale Aktien, US- und europäische Aktien sowie Aktien aus Schwellenländern.

Bei der periodischen Neuausrichtung der Portfolios stünden nicht-börsengehandelte Assets im Vordergrund, die nicht korrelierte absolute Returns liefern sollten. An der Spitze stünden Infrastrukturinvestments mit 51 Prozent, Immobilien mit 46 Prozent, alternative Credits mit 44 Prozent und Private Equity mit 42 Prozent. Dabei seien die überdurchschnittlichen Renditen in jüngster Zeit allerdings nur ein Faktor. Der andere sei, dass ihre Bewertungen vom Marktgeschehen abgekoppelt seien, was die Portfolios vor Volatilität schütze.

Ein Umfrageteilnehmer dazu: "Infrastruktur und Immobilien sind ein guter Ersatz für Anleihen." Das Risiko-Rendite-Verhältnis festverzinslicher Anlagen wird angesichts der zusammengelaufenen Kreditkurve und der engeren Spreads allgemein als zu riskant empfunden.

bAV-Einrichtungen würden auf Schwellenländer setzen, um von deren langfristiger Wachstumsdynamik zu profitieren. Innerhalb dieser Anlageklasse würden Aktien mit 38 Prozent bevorzugt, gefolgt von Staatsanleihen mit 36 Prozent und Investment Grade Unternehmensanleihen mit 33 Prozent.

Während die Märkte verzerrt bleiben würden, würden bAV-Einrichtungen die notwendigen Schritte unternehmen, um vergangene Fehler bei Gestaltung und Umsetzung ihrer Portfolios zu begradigen, die erst im Nachhinein erkennbar würden. Zwei Drittel der Befragten würden Kostenreduktion als eine der wichtigsten Quellen für Outperformance einstufen. Sie würden den Anteil passiver Fonds in ihrem Kernportfolio erhöhen und mit aktiven Fonds niedrigere Gebühren verhandeln.

Nachdem die quantitative Lockerung einen großen Teil bisher geltender Kapitalmarktzusammenhänge ausgehebelt habe, müssten die Gremien der Vorsorgeeinrichtungen weitreichende Entscheidungen ohne ihren traditionellen Kompass treffen. Daher würden 59 Prozent der Befragten davon ausgehen, dass die Portfoliorendite maßgeblich von einer starken Investment-Expertise in den Gremien der bAV-Einrichtungen beeinflusst werde, 53 Prozent von Güte und Größe des Fachkräfte-Talent-Pools und 44 Prozent von einer wirksamen Governance-Struktur. (02.12.2019/fc/n/s)