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Premiere: Erster Kryptowährungsfonds Europas ist startklar - Fondsnews


04.09.17 13:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - In den USA waren die Winkelvoss-Zwillinge öffentlichkeitswirksam mit der Zulassung ihres Bitcoin-ETF gescheitert, und in der Schweiz verzögert sich das vielbeachtete Vorhaben der Crypto Fund AG, so die Experten von "FONDS professionell".

Allen dürfte nun die unabhängige Anlage- und Vermögensverwaltungsgesellschaft Incrementum aus Liechtenstein mit einem Kryptowährungsfonds zuvorkommen. Das habe FONDS professionell ONLINE erfahren.

"Das ist korrekt. Der Fonds soll noch in diesem Jahr lanciert werden", habe Stefan Markus Kremeth, CEO von Incrementum, auf Anfrage bestätigt. Man habe eine Depotbank und einen Administrator gefunden und die Vorgaben des Liechtensteiner Regulators erfüllt: "Am 5. September ist die letzte Sitzung mit den beteiligten Akteuren geplant, in der die finalen Konditionen festgesetzt werden sollen. Dann kann der Prospekt eingereicht werden. Wir gehen davon aus, dass wir die Zulassung bis Jahresende erhalten", so Kremeth. Der Gestaltungsprozess sei sehr aufwändig gewesen, "da es noch nichts Gleiches gegeben hat".

Der Fonds werde voraussichtlich "mit einer knappen Handvoll Kryptowährungen" starten. Es gehe darum, "Kryptowährungen in einer Form zu bündeln, die es den Investoren möglich macht, eine bescheidene Diversifikation in dem Thema zu erzielen", sage Kremeth. Details würden später bekannt gegeben.

Kremeth bestätige, dass es in puncto Liquidität Regelungen geben werde. Das Problem sei ja, dass Kryptowährungen ein relativ illiquider Markt seien: Kaufe ein Investor große Positionen oder löse diese auf, gehe das kaum, ohne den Kurs stark zu bewegen. "Natürlich muss es da etwas geben. Sowohl bei Einstiegen als auch bei Rückzügen werden wir sagen müssen, dass sehr große Positionen nicht auf einmal bewältigt werden können. Das ist bei anderen illiquiden Assets nicht anders", sage Kremeth.

Der ausschlaggebende Punkt, um das Wohlwollen des Liechtensteiner Regulators FMA zu erhalten, sei das Finden einer Depotbank gewesen, die gewisse Sicherheitsauflagen erfülle. Die Depotbank - deren Namen noch nicht öffentlich bekannt sei - müsse unter anderem außerhalb ihrer eigenen "Wallets" noch ein "Cold Storage" der Kryptowährungen durchführen. Sie spiegele also das Vermögen zusätzlich in ihr eigenes Depot. Ähnlich würden es auch private Nutzer machen, die ein Offline-"Wallet" an einem geschützten Ort führen würden, das keine Online-Verbindung habe. "Wallets" seien digitale Geldbeutel, in denen die Kryptowährungs-Guthaben gespeichert würden.

Investoren seien bis jetzt nicht gezielt angesprochen worden. "Das halte ich für unseriös. Ich halte nichts davon, eine Zusage anzunehmen, wenn noch unklar ist, um welche Konditionen es geht und bevor die endgültige Genehmigung der regulierenden Behörde da ist", sage Kremeth. Über mangelndes Interesse könne man sich jedoch nicht beklagen.

Fest stehe, es werde kein Fonds für das Retail-Publikum werden. "Dafür bekommen Sie keine Lizenz. Der Fonds wird als alternativer Investmentfonds (AIF) geführt werden und ist für Profi- oder qualifizierte Anleger gedacht", so Kremeth.

In der Berichterstattung habe bisher die Schweizer Crypto Fund AG als wahrscheinlicher Anbieter des ersten europäischen Fonds aus der Digitalgeld-Ecke gegolten. Mit deren Start dürfte es aber vor 2018 nichts mehr werden, wie ein Vertreter des Unternehmens gegenüber FONDS professionell ONLINE gesagt habe. Dennoch gebe es hier - im Unterschied zu Incrementum - bereits Investorenzusagen. Auch Schweizer Pensionskassen würden dort zum Kreis der Interessierten zählen, habe FONDS professionell ONLINE erfahren.

Dass es nun ausgerechnet in Liechtenstein klappen solle, erkläre Kremeth so: "Sie brauchen einen Regulator, der offen genug ist. Die Schweizer Firma ist da relativ langsam. Die werden sich außerdem hüten, nach vorne zu preschen, sondern darauf warten, dass ein anderes Land den ersten Schritt macht", so der Incrementum-Chef.

Auch im Fürstentum Liechtenstein seien die Meetings mit der Aufsichtsbehörde zuerst eher negativ verlaufen, die Gespräche hätten sich aber im Laufe der Beschäftigung mit virtuellen Währungen sehr zum Positiven verändert. "Die Audits vor dem Regulator waren in letzter Zeit ausgezeichnet", so Kremeth.

Kritik an der Schweiz habe Kremeth auch bezüglich der Digitalisierungs-Offensive des Landes. Der steuergünstige Kanton Zug versuche sich seit kurzem als "Crypto-Valley" zu positionieren und locke Firmen aus der Blockchain-Branche an. Unter anderem habe Ethereum, eines der größten Blockchain-Projekte, dort den Hauptsitz. "Die Entscheidungswege in der Schweiz sind lang. Es ist besser, man macht es wie in Liechtenstein und schafft ein vom Regulator kontrolliertes sauberes Fondsprodukt, als man lässt in einer Region zahlreiche Firmen gewähren, die teilweise unter dem Radar der Aufsicht durchfliegen", moniere Kremeth, der selbst geborener Schweizer sei.

Zu Kryptowährungen zeige sich Kremeth optimistisch, aber dennoch vorsichtig. "Man muss sich des Risikos bewusst sein. Das gilt für alle Anlageklassen. Ich kann aufgrund der hohen Kurse nachvollziehen, wenn jemand sagt, Bitcoin sind eine Blase. Aber erstens zeigt die Geschichte, dass Blasen vor dem Platzen meistens viel länger laufen als man denkt. Und zweitens denke ich, es wird Kryptowährungen geben, die uns über Dekaden begleiten. Wenn man Digitalwährungen nicht als Geld, sondern als Technologie betrachtet, die langfristig besteht, dann ist der Einstiegszeitpunkt eigentlich nebensächlich", so Kremeth.

Es werde Skandale geben in dem Bereich, und die meisten Kryptowährungen würden verschwinden, sei sich Kremeth sicher. Bitcoin würden sich seiner Meinung nach aber durchsetzen, weil diese als günstiges Zahlungsmittel eine Berechtigung hätten. Eine Regulierung seitens der EU könne den Kryptowährungen außerdem den Rücken stärken.

Incrementum habe bis jetzt unter anderem einen Namen als Spezialist für Goldinvestments gehabt. Das Unternehmen werde künftig einen vierteljährlichen "Cryptocurrency Research Report" erstellen. Vor dem Fondsstart solle eine eigene Homepage eingerichtet werden, die ausschließlich Kryptowährungen abbilde. (04.09.2017/fc/n/s)