Preisträgerin: Der Fondsfrauen Award zeigt Gesichter hinter den Zahlen - Fondsnews


14.07.20 11:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Sie war die Gewinnerin der Auszeichnung "Woman of the Year", einem von drei Awards, die das Karrierenetzwerk "Fondsfrauen" 2019 zum ersten Mal ausgelobt hat, so die Experten von "FONDS professionell".

Im Interview berichte Mechthild Upgang, warum sie sich auf die Finanzberatung für Frauen spezialisiert habe - und was ihr der Award bedeute.

Mechthild Upgang habe sich bereits im Jahr 1990 auf Finanzberatungen für Frauen spezialisiert, denn Frauen und Geld, so ihre Überzeugung, das sei schon ein besonderes Thema. Seit 2001 sei ihr Unternehmen mit Sitz in Bonn eine Aktiengesellschaft, 2009 habe sie zudem die Dr. Upgang Vermögensverwaltung gegründet. Vor zwei Jahren habe Upgang ihren ersten globalen Mischfonds, den Futurefolio 55, aufgelegt, im April 2020 sei der Futurefolio 77 gefolgt. Dass sie mit ihren noch jungen Vehikeln eine Chance auf einen Fondsfrauen Award hätte, sei Mechthild Upgang gar nicht in den Sinn gekommen - doch sie sei "Woman oft he Year" 2019 geworden. Im Interview mit FONDS professionell ONLINE berichte sie, warum Frauen andere Anlagestrategien brauchen würden als Männer - und weshalb ihr der Fondsfrauen Award wichtig sei.

Frau Upgang, Sie haben sich bereits 1990 mit einer Finanzberatung speziell für Frauen selbstständig gemacht, zu einer Zeit, als Begriffe wie Gender Diversity noch nicht einmal geboren waren. Was hat sich für Frauen in der Finanzbranche seitdem verändert?

Mechthild Upgang: Einerseits hat sich etwas getan, andererseits hat sich eigentlich nichts verändert. Die Frauenquote in der Investmentindustrie ist nach wie vor sehr niedrig, die Branche ist immer noch männerdominiert. Das ist etwa auf Veranstaltungen gut zu sehen: Dort sind auch heute noch kaum Frauen vertreten, die tatsächlich in der Finanzbranche ihr Geld verdienen. Oder ein anderes Beispiel: Ich bin Vorstand der Finanzfachfrauen, einem bundesweiten Zusammenschluss von Finanzberaterinnen. Auf einer Tagung, die beim Bankhaus Metzler stattfand, kam Friedrich von Metzler zu uns und sagte: "Endlich mal Finanzberaterinnen, das finde ich ja toll!" Daran merkt man schon, wie ungewöhnlich das für ihn war. Das merkt man auch, wenn wir bei Tagungen männliche Referenten haben. Für sie ist es absolut ungewohnt, nur vor Frauen zu referieren.

Was hat Sie denn Anfang der 1990er-Jahre dazu veranlasst, eine Finanzberatung für Frauen zu gründen?

Upgang: Ich habe als Trainee in der Finanzbranche angefangen und dabei bemerkt, dass Frauen, die Geld anlegen und ihre Altersvorsorge stabilisieren möchten, tatsächlich anders beraten wurden als Männer. Zwei Jahre später hat dann auch eine Untersuchung der Stiftung Warentest bestätigt, dass potenzielle Anlegerinnen bei deutschen Bankinstituten schlechter beraten werden als Anleger. Männern wurde in fast 100 von 200 Beratungsgesprächen zum Kauf von Aktien geraten und dies wurde mit überdurchschnittlichen Ertragschancen begründet. Gegenüber Anlegerinnen wurde nur halb so oft ein Aktieninvestment empfohlen. Die Berater erklärten, dafür seien nun einmal umfangreiche Kenntnisse und ständige Informationen über die Kapitalmärkte notwendig, daher komme diese Anlage für "Anfängerinnen" nicht in Frage.

Wie bitte?

Upgang: Warten Sie mal ab, es kommt noch besser. Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, Unterschiede in der Beratung seien besonders deutlich, wenn sich Anlegerinnen von männlichen Experten beraten ließen. Da fielen dann Sätze wie - Achtung, Zitat: "Sie sehen nicht so aus, als ob Sie risikofreudig wären." Fazit der Untersuchung war, dass Frauen bei Anlageberatern keine Chance hatten. Und das war wirklich so, das hat sich damals in meinen Seminaren für Frauen zum Thema Geldanlage auch gezeigt. All das hat mich absolut darin bestätigt, dass Frauen eine vernünftige Finanzberatung brauchen, dass man sie ernstnehmen muss. Es ist wichtig, auf Augenhöhe zu diskutieren, statt sich verklausuliert hinter irgendwelchen Fachbegriffen zu verstecken, was auch heute noch oft der Fall ist. Man muss Anlegerinnen die Dinge erklären und dann mit ihnen gemeinsam eine Strategie entwickeln, die zu ihnen passt.

Oft ist zu hören, Frauen bräuchten spezielle Anlageprodukte. Aber warum? Ticken sie in der Geldanlage denn derart anders als Männer?

Upgang: Nein, man braucht für Frauen keine anderen Anlageprodukte, sondern eine andere Art der Beratung. Das liegt nicht daran, dass sie ganz anders ticken als Männer, sondern vielmehr daran, dass Frauen immer noch weniger verdienen, eine geringere Altersvorsorge haben und Kindererziehungszeiten finanziell in der Regel zu ihren Lasten gehen. Daher ist die Finanzberatung für Frauen natürlich viel wichtiger, um finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen, als es bei einem gut verdienenden Mann der Fall ist. Frauen brauchen keine anderen Produkte, sondern passende Strategien, weil sie eine andere Erwerbsbiografie haben als Männer.

Bieten Sie mit Ihrer Finanzberatung nur Konzepte für Frauen an?

Upgang: Nein, natürlich dürfen auch Männer kommen, wir haben keine Konzepte exklusiv für Frauen. Aber wir bieten seit 2014 ausschließlich nachhaltige Geldanlage an und wir betreuen tatsächlich fast nur Anlegerinnen. Wir merken schon, dass die Frauen eine sehr hohe Affinität zum Thema Nachhaltigkeit haben. Ich glaube, dadurch, dass wir fast ausschließlich Frauen beraten, war es für uns sehr leicht, auf nachhaltige Geldanlage umzustellen.

Sie waren im vergangenen Jahr die Gewinnerin des Fondsfrauen Awards in der Kategorie "Woman of the Year". Die Awards hat das Karrierenetzwerk 2019 zum ersten Mal ausgelobt, sie werden nun jährlich vergeben. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Upgang: Das kam für mich völlig überraschend. Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, dass ich mit meinem kleinen, neu aufgelegten Fonds neben all diesen Managerinnen von Milliardenfonds überhaupt etwas gewinnen könnte. Ich habe mich sehr über den Preis gefreut und auch darüber, dass mit der Auszeichnung sozusagen indirekt auch die Arbeit der kleinen, tapferen Vermögensverwalter*innen honoriert wird. Ich sehe es so, dass ich den Award auch stellvertretend für diese Kollegen und Kolleginnen erhalten habe. Was mir am Fondsfrauen Award selbst so gut gefällt, ist, dass er die Gesichter hinter den Zahlen zeigt. Zwar weiß man, dass es in der Fondsbranche Frauen gibt und dass Fondsmanagerinnen vielleicht zehn Prozent ausmachen. Aber durch den Fondsfrauen Award werden sie sichtbar, ihre Geschichten werden erzählt. Das finde ich toll an diesem Award - ganz gleichgültig, wer ihn gewinnt.

Vielen Dank für das Gespräch. (14.07.2020/fc/n/s)






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