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Pauschbetrag clever nutzen: So zahlen Fondsanleger weniger Steuern - Fondsnews


27.07.20 11:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die Märkte haben sich von denen weltweiten Einbrüchen infolge der Coronakrise erholt, so die Experten von "FONDS professionell".

Anleger, die ihre Fonds tapfer gehalten hätten, dürften nun wieder mit Erträgen rechnen. Damit das Finanzamt davon nicht zu viel abbekomme, lohne es sich, den Sparerpauschbetrag richtig einzusetzen.

Die Schrecken dieses Frühjahrs lägen noch nicht weit zurück, doch inzwischen seien die Börsen erneut im Aufwind. Da Anleger - sofern sie im Corona-Crash Fondsanteile nicht panisch verkauft hätten - wieder das eine oder andere Plus im Depot erwarte, lohne sich ein Blick auf die steuerliche Seite. Wer seinen Sparerpauschbetrag optimal nutze, könne die Abgaben an den Fiskus deutlich reduzieren. Vermittler, die wissen würden, wie es gehe, könnten bei ihren Kunden punkten. Und so schwierig sei die Sache nicht.

Zunächst einmal gelte: Jedem Anleger stehe pro Jahr ein Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 Euro zur Verfügung, für Ehepaare liege die Summe bei 1.602 Euro. Einkünfte aus Kapitalvermögen, also Zinsen, Dividenden oder Gewinne aus der Veräußerung von Einzeltiteln oder Fondsanteilen, seien bis zu diesen Beträgen steuerfrei. Um den Sparerpauschbetrag in Anspruch zu nehmen, müsse - möglichst gleich bei Depoteröffnung und unbefristet - ein Freistellungsauftrag eingereicht werden. Freistellungsaufträge würden sich im Laufe eines Jahres jederzeit verringern oder erhöhen lassen. Würden während eines Jahres Erträge realisiert, bevor ein Freistellungsauftrag gestellt worden sei, erstatte die depotführende Stelle zu viel gezahlte Steuer automatisch wieder zurück.

Ehepartner könnten ihren Sparerpauschbetrag jeweils getrennt für sich oder auch zusammen nutzen. Für eine Nutzung zu zweit müsse lediglich ein gemeinsamer Freistellungsauftrag eingereicht werden. Werde der Pauschbetrag gemeinschaftlich eingesetzt und hätten die Eheleute Depots bei derselben Bank, so verrechne das Institut Verluste und Erträge automatisch.

Bestünden Depots bei verschiedenen Instituten, könnten die Partner ihre Pauschbeträge nach Belieben verteilen, also etwa zu 80 Prozent für die von der Ehefrau erzielten Kapitalerträge nutzen und nur zu 20 Prozent für die des Gatten. Zu viel gezahlte Steuern könnten sich die Eheleute getrennt oder auch über eine gemeinsame Einkommensteuererklärung zurückholen. Achtung: Würden Eltern für ihre minderjährigen Kinder Vermögen auf gesonderten Depots verwalten, so stehe auch jedem Sprössling ein Sparerpauschbetrag von 801 Euro zu.

Zinsen auf Sparguthaben oder aus Anleihen sowie Dividenden aus Einzelaktien seien in voller Höhe steuerpflichtig. Anders als bei den laufenden Erträgen aus Aktien- und Mischfonds seien hier keine steuerlichen Teilfreistellungen vorgesehen. Dasselbe gelte auch für die laufenden Erträge von Rentenfonds. Daher könne es sich lohnen, für diese Einkünfte aus Kapitalvermögen einen größeren Teil des Sparerpauschbetrags zu nutzen, sofern mit hohen Erträgen zu rechnen sei.

Bei thesaurierenden und teilausschüttenden Fonds ermittele die depotführende Stelle jeweils am ersten Werktag eines neuen Jahres die Vorabpauschale und führe darauf automatisch die Kapitalertragsteuer plus Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer ab. Daher sei es sinnvoll, zumindest einen Teil des Freibetrags für entsprechende Erträge zu nutzen, damit das Giro- oder Verrechnungskonto zum Stichtag nicht etwa ins Minus rutsche, weil möglicherweise nicht ausreichend Liquidität zur Verfügung stehe.

Würden die laufenden Erträge aus Misch- oder Aktienfonds den Pauschbetrag in einem Jahr voraussichtlich nicht erreichen, so könne ein eventuell bestehender Freistellungsauftrag geändert und der Sparerpauschbetrag besser genutzt werden. Andernfalls würden die steuerlichen Teilfreistellungen ins Leere gehen. Die laufenden Fondserträge seien nach Abzug der Teilfreistellung dann zwar zu versteuern, im Gegenzug könne der Anleger aber Anteile an Misch- oder Aktienfonds veräußern, mit denen sich Veräußerungsgewinne realisieren lassen würden.

Vom Veräußerungsgewinn würden die entsprechende Teilfreistellungen und der Sparerpauschbetrag abgezogen. Abgeltungsteuer falle nur auf die verbleibende Summe an. Mit dem Veräußerungsgewinn nach Steuern sei im Optimalfall die Steuer auf die laufenden Fondserträge mehr als ausgeglichen. So nutze der Anleger sowohl die Teilfreistellungen als auch den Pauschbetrag richtig aus. Möchte er den Fonds auch künftig im Depot haben, könne er die Anteile wenige Tage nach der Veräußerung wieder neu erwerben.

Zum Jahresende sollten Anleger prüfen, ob sie eventuell Gewinne realisiert hätten, denen keine aktuellen oder vorgetragenen Verluste gegenüberstünden und die den Sparerpauschbetrag übersteigen würden. Sei dies der Fall, so wäre es eine Überlegung wert, andere Wertpapiere zu verkaufen, die im Minus notieren würden. Diese Verluste könnten dann noch mit Gewinnen verrechnet werden. (News vom 24.07.2020) (27.07.2020/fc/n/s)