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Nachhaltiger und asiatischer: So wünscht sich Asoka Wöhrmann die DWS - Fondsnews


06.06.19 13:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - DWS-Chef Asoka Wöhrmann hat auf der Hauptversammlung des Fondsanbieters in Frankfurt am Mittwoch (5. Juni) einige "Eckpfeiler" der künftigen Unternehmensstrategie vorgestellt, so die Experten von "FONDS professionell".

Manche Punkte habe schon sein im Oktober vergangenen Jahres geschasster Vorgänger Nicolas Moreau so formuliert, an einigen Stellen hätten Wöhrmann und sein teils neues Team in der Geschäftsführung aber selbst Hand angelegt.

Deutlicher als bisher solle das verantwortungsvolle Investieren im Vordergrund stehen. "Das Thema nachhaltige Geldanlage können wir gar nicht überbewerten. In diesem Bereich erleben wir gerade einen gesellschaftlichen Ruck, der seinesgleichen sucht", habe Wöhrmann gesagt. "Die DWS wird Nachhaltigkeit zum Kernbestandteil ihres treuhänderischen Handelns machen." Dieses Thema werde schon in wenigen Jahren die "treibende Kraft einer erfolgreichen Vermögensverwaltung" sein. Von einigen Aktionären sei dieses Bekenntnis zur Nachhaltigkeit allerdings kritisch hinterfragt worden.

Mit Blick auf die Regionen wittere die DWS vor allem in Asien Chancen - das dortige Geschäft solle deutlich ausgebaut werden. "Das ist aufgrund der Verschiebungen in der globalen Vermögensverteilung enorm wichtig", habe Wöhrmann betont. Er sehe sein Haus dafür gut aufgestellt, zum einen dank der breiten Produktpalette, zum anderen dank der strategischen Partnerschaft mit dem japanischen Lebensversicherer Nippon Life und des Joint-Ventures mit dem chinesischen Asset Manager Harvest.

Wöhrmann habe das mittelfristige Ziel bestätigt, eine bereinigte Aufwand-Ertrags-Relation (Cost-Income-Ratio, CIR) von unter 65 Prozent zu erreichen. "Das wird künftig höchste Priorität haben, denn es ist der wichtigste Gradmesser für eine erfolgreiche und profitable Unternehmensführung", habe der Firmenchef betont. Für dieses Jahr erwarte die Geschäftsführung eine CIR von rund 70 Prozent. Der Zielwert von 65 Prozent solle 2021 erreicht sein - ein "stabiles Marktumfeld" vorausgesetzt.

Mit ihren Programmen zur Kostensenkung komme die DWS offensichtlich gut voran. "Wir sind auf dem besten Weg, unsere mittelfristig angestrebten Einsparziele bereits am Ende dieses Jahres vorzeitig zu erreichen", habe Wöhrmann gesagt. Kostendisziplin sei für sein Haus "weiterhin von zentraler Bedeutung".

Eine weitere wichtige Kenngröße bleibe das Nettomittelaufkommen. "Allerdings kann das volatile Marktumfeld die Mittelzuflüsse in einzelnen Jahren stark beeinflussen", so Wöhrmann. "Das berücksichtigen wir nun. Zukünftig streben wir daher mittelfristig ein Nettomittelaufkommen von durchschnittlich drei bis fünf Prozent (des verwalteten Vermögens, Anm. d. Red.) an." Das Wörtchen "durchschnittlich" habe in den Präsentationen rund um den Börsengang noch gefehlt.

Ambitioniert bleibe die Vorgabe dennoch: Aktuell verwalte die DWS gut 700 Milliarden Euro, sie möchte im Schnitt also 20 bis 35 Milliarden Euro pro Jahr einwerben. Im ersten Quartal dieses Jahres habe das Nettomittelaufkommen bei 2,5 Milliarden Euro, also deutlich unter dem Zielwert gelegen. Und zur Erinnerung: 2018 hätten Anleger noch stolze 22,3 Milliarden Euro aus DWS-Fonds und -Mandaten abgezogen.

Unverändert bleibe das Ziel, 65 bis 75 Prozent des Gewinns an die Aktionäre auszuschütten. Für das Geschäftsjahr 2018 liege die Dividende bei 1,37 Euro je Aktie, das entspreche 70 Prozent des Nachsteuergewinns. Auch an der breiten Aufstellung mit den drei Säulen, "Aktiv", "Passiv" und "Alternative Anlagen" solle sich nichts ändern. Wöhrmann habe explizit betont, die "Leistungskultur" wiederbeleben zu wollen, "für die die DWS immer bekannt war".

Den Börsengang im März 2018 bezeichne Wöhrmann rückblickend als "unglaublich wichtigen Schritt": "Wir haben uns von einem Geschäftsbereich der Deutschen Bank zu einem börsennotierten Vermögensverwalter entwickelt und emanzipiert."

An einer Stelle während Wöhrmanns Rede habe seine vergangene Rolle als Chefanlagestratege der DWS aufgeblitzt. Mit Blick auf die aktuelle Marktlage habe er gesagt, das Negativzinsumfeld im Euroraum bleibe wohl länger erhalten, als viele das bislang vermutet hätten. "Gleichzeitig sind die Aktienmärkte heiß gelaufen. Der Marktzyklus ist inzwischen in eine späte Phase eingetreten. Damit ist aus meiner Sicht die Wahrscheinlichkeit für ein Japan-Szenario in Europa deutlich angestiegen." Stefan Kreuzkamp, der aktuelle Chefanlagestratege, habe die Aussagen seines Chefs später teilweise wieder eingefangen: Er habe das Marktumfeld als "durchaus konstruktiv" bezeichnet. (06.06.2019/fc/n/s)