Nachgerechnet: Bei diesen Fonds haben Anleger mit Zitronen gehandelt - Fondsnews


11.11.20 12:45
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Dass nicht alle der 10.000 zum Vertrieb zugelassenen Fonds Herausragendes leisten, liegt schon aus logischen Gründen auf der Hand, so die Experten von "FONDS professionell".

Die Analysten von Morningstar hätten aber drei Produkte ausgewählt, mit denen Investoren schon seit 2010 keine Freude gehabt hätten.

Viele Investmentfonds würden für Anleger ordentliche Renditen erwirtschaften. Die hochbezahlten Manager seien ihr Geld wert und würden ihren Job gut machen - zumindest über einen längeren Zeitraum. Über ein oder zwei Jahre könnten aktive wie passive Portfolios auch einmal hinterherhinken. Erfahrene Anleger würden das wissen, derartige Formschwächen tolerieren und am Ball bleiben. Es gebe aber auch Produkte, die Investoren regelmäßig die Lust am Geldanlegen vermiesen würden. Sei es, weil die Fonds absolut gesehen eine Negativperformance geliefert hätten oder zumindest ihren Benchmarks nicht ebenbürtig gewesen seien.

Morningstar-Deutschland-Chefredakteur Ali Masarwah sei auf die Suche nach solchen Produkten gegangen - und habe drei Beispiele gefunden, "die leider keine Einzelfälle sind, sondern nur prominente Beispiele für das, was Anlegern am Fondsmarkt in Europa begegnen kann."

Diese Portfolios sollten nach Beobachtung von Morningstar Anlegern sauer aufstoßen:

"Anleger, die ihr Erspartes auf Sparkonten oder in Geldmarktfonds parken, verlieren jeden Tag Geld. So niedrig die Inflationsrate auch sein mag: Waren, Güter und Dienstleistungen werden immer teurer, auch in der Eurozone", schreibe Morningstar-Experte Ali Masarwah. Daher würden Sparer real Geld verlieren. Das halte manche Fondsanbieter indes nicht davon ab, Geldmarktfonds, die den Marktzins widerspiegeln würden, mit üppigen Gebühren auszustatten. Ein Beispiel sei Masarwah zufolge der Fidelity Euro Cash A (ISIN LU0064964074 / WKN 986373). Für diesen müssten Anleger pro Jahr über 0,6 Prozent an Gebühren aufwenden.

"Auch wenn der Fonds seit 2010 pro Jahr um vordergründig nur geringe 0,3 Prozentpunkte hinter der Euro-Geldmarkt-Benchmark zurückblieb, ist das angesichts von Zinssätzen von minus 0,5 Prozent (Einlagefazilität) beziehungsweise 0,00 Prozent (Hauptrefinanzierungssatz) nicht wenig." FONDS professionell ONLINE habe bei Fidelity International nachgehakt. "Derzeit evaluieren wir die Gebührenstruktur dieses Fonds. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir Ihre Anfragen nicht weiter kommentieren", so die Antwort des Asset Managers.

Als zweiten "Zitronen-Fonds" habe Morningstar den in eine Vielzahl anderer Weltaktienportfolios investierenden All-In-One ausgemacht, der 2002 von Universal-Investment aufgelegt worden sei und von Pegasus Vermögensmanagement beraten werde. Masarwah zufolge habe das immerhin knapp 200 Millionen Euro schwere Portfolio in den vergangenen zehn Jahren seine Vergleichsgruppe in keinem einzigen Zwölf-Monats-Intervall schlagen können. "Die beste Bilanz wies er im Jahr 2012 aus, als er im 54. Perzentil seiner Kategorie landete, also knapp zur schwächeren Hälfte der Fonds zählte, die sich zumeist den MSCI World oder den MSCI World ACWI als Messlatte geben", schreibe der Morningstar-Experte. Hierzu sei zu wissen: Geld hätten Anleger mit dem Portfolio auf Sicht von zehn Jahren nicht verloren, das Plus betrage knapp 50 Prozent.

"Es ist richtig, dass der All-In-One den MSCI World TR nicht schlägt. Dies ist aber auch nicht Ziel der Anlagestrategie. Zum einen werden nur 60 bis 70 Prozent des Anlagevermögens am MSCI World 'orientiert' investiert. Zum anderen werden 30 bis 40 Prozent in taktische Anlagen investiert, die unabhängig vom MSCI World verlaufen. Die taktischen Komponenten dienen in Extremphasen der Risikoreduzierung. Zum Dritten ist noch ein Risiko-Overlay implementiert, welches eine 20-prozentige permanente Optionsabsicherung beinhaltet plus zeitweiser taktischer Futures-Absicherungen", erläutere Pegasus auf Anfrage.

Ein anderer Fonds, den Morningstar als Megaflop chrakterisiere und in seiner Original-Kritik als extrem teuren ETF brandmarke, sei der UniExtra EURO STOXX 50 (ISIN LU0186860234 / WKN A0B823) von Union Investment. Für einen Indexfonds, der kein Geld für teure Manager oder Research ausgeben müsse, seien Gebühren von über 1,6 Prozent doch recht happig, habe Morningstar zunächst argumentiert. Der unmittelbare Vergleich mit den kostengünstigen Rivalen aus dem ETF-Lager sei auf Hinweis von "FONDS professionell" inzwischen fallengelassen worden. Dennoch bleibe Morningstar bei seinem Kernargument, wonach der UniExtra EURO STOXX 50 gemäß Prospekt "an der Entwicklung der europäischen Aktienmärkte partizipieren" solle.

Zu diesem Zweck investiere der Fonds in Aktien aus dem Aktienindex EURO STOXX 50. Ein Blick auf die Performance, die über drei und fünf Jahre per annum gerechnet negativ sei, werfe aber die Frage auf, was der Anbieter unter dem Wort "Partizipation" genau verstehe. Kumuliert ergebe sich Masarwah zufolge für die Zeit zwischen 2010 und heute beim UniExtra EURO STOXX 50 eine Underperformance von sage und schreibe 33 Prozentpunkten gegenüber dem Index. "Die Partizipationsrate lag also bei 67 Prozent. Verwendet man den deutlich breiter gefassten MSCI EMU als Messlatte, läge die Partizipationsrate des Fonds in zehn Jahren bei nur knapp 53 Prozent", so der Morningstar-Deutschland-Chefredakteur.

Diese Kritik könne der genossenschaftliche Fondsanbieter nicht nachvollziehen, wie er auf Anfrage der Redaktion mitteile. "Der vorangestellte Begriff 'UniExtra' soll zeigen, dass der Fonds keinen Index nachbildet, sondern eine spezielle Anlagestrategie verfolgt. Diese beinhaltet 'Aktien long' und 'Short calls' und damit eine Discountstrategie. Im Vergleich zu einem regulären Aktienfonds wird er daher bei steigenden Aktienmärkten konzeptionell bedingt hinter dem Index liegen. Bei stagnierenden, fallenden oder seitwärtslaufenden Märkten ist jedoch eine Outperformance gegenüber dem Aktienmarkt möglich." (11.11.2020/fc/n/s)





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