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Morningstar testet Fonds und Anbieter jetzt auf "ESG-Ehrlichkeit" - Fondsnews


18.11.20 13:15
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Das Analysehaus Morningstar hat ein neues qualitatives Rating gestartet, mit dem es das Engagement von Fondsanbietern in Sachen Nachhaltigkeit bewertet, so die Experten von "FONDS professionell".

Dieses "ESG Commitment Level" werde auf zwei Ebenen vergeben: Zum einen für den Asset Manager, zum anderen für einzelne Fonds.

Schon im März 2016 habe das Analysehaus das "Morningstar Sustainability Rating" eingeführt - ein quantitatives Modell, für das aus den Nachhaltigkeits-Ratings der Einzeltitel im Portfolio eine ESG-Risikokennzahl für den gesamten Fonds berechnet werde. Mit dem neuen Tool trete Morningstar nun in den Markt der qualitativen ESG-Fondsratings ein, trete also in Wettbewerb zu Labeln wie dem FNG-Siegel oder dem Österreichischen Umweltzeichen.

"Wir verleihen mit dem 'ESG Commitment Level' unserer Überzeugung Ausdruck, inwiefern Asset Manager ESG-Strategien operativ und strategisch in ihre Organisation und in die Investmentprozesse integrieren", erläutere Morningstar-Analyst Christopher Traulsen. Die Skala reiche von "Leader" (führend) über "Advanced" (fortgeschritten) und "Basic" (Grundstufe) bis hin zu "Low" (niedrig).

Zum Start möchte Morningstar das neue Research-Maß auf gut 100 Fonds von 40 Asset Managern anwenden, die von Analysten in Nordamerika, der EMEA-Region, Hongkong und Australien untersucht würden. Weitere Portfolios und Anbieter sollten folgen. Dabei orientiere sich die Morningstar-Mitarbeiter an den Fonds, die sie ohnehin für das "Analyst-Rating" unter die Lupe nehmen würden.

Traulsen betone, dass das "Analyst Rating" und das "ESG Commitment Level" unabhängig voneinander erstellt würden. "Das 'Analyst Rating' drückt die Erwartung unserer Analysten aus, ob ein Fonds in der Lage sein wird, seine Kategorie-Benchmark im Laufe der Zeit auf risikoadjustierter Basis zu übertreffen. Das 'ESG Commitment Level' enthält dagegen keine Meinung zur erwarteten Performance eines Fonds."

Für das "ESG Commitment Level" auf Asset-Manager-Ebene bilde sich Morningstar zu drei Aspekten eine Meinung: "Philosophie & Prozess" würden 40 Prozent der Endnote ausmachen, die "Ressourcen" und die "aktive Eigentümerschaft" jeweils 30 Prozent. Mit Ressourcen seien unter anderem die ESG-Daten gemeint, die das Unternehmen seinen Research-Teams zur Verfügung stelle. Auch die Erfahrung der Nachhaltigkeitsspezialisten spiele eine Rolle. Beim Punkt "Active Ownership" gehe es zum Beispiel um ESG-relevante Richtlinien zum Abstimmungsverhalten auf Hauptversammlungen.

Die Note für den Asset Manager fließe mit 20 Prozent auch in das "Commitment Level" auf Fondsebene ein. Dort komme eine Beurteilung des Investmentprozesses (45 Prozent) und der fondsspezifischen Ressourcen (35 Prozent) hinzu. Erste konkrete Benotungen dürfte Morningstar in den kommenden Wochen veröffentlichen. (18.11.2020/fc/n/s)