Morningstar mäkelt an Mischfonds herum - Fondsnews


05.09.19 12:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die Börsen waren in den vergangenen zwei Jahren von ständigen Aufs und Abs geprägt, so die Experten von "FONDS professionell".

Anleger stünden also erneut vor der Grundsatzfrage: Seien Aktienfonds besser oder Mischfonds, die bei Bedarf in wertstabilere Assets umschichten könnten? Die Experten von Morningstar hätten dazu eine klare Meinung.

Anleger und ihre Berater hätten bei der Entscheidung, in welchen Fonds sie investieren würden, die Qual der Wahl. In Deutschland seien rund 9.000 Portfolios für den Vertrieb an Retailkunden zugelassen. In den vergangenen Jahren habe es eine bestimmte Gruppe von Portfolios gegeben, für die sich Renditesucher besonders zahlreich hätten erwärmen können: Mischfonds, die mit auskömmlichen Wertzuwächsen bei gleichzeitigem (Mindest)-Schutz gegen Crashs werben würden. Nach Analyse von Morningstar aber seien nur die wenigsten Aktien-Renten-Portfolios ihr Geld - sprich: ihre Gebühren - wert gewesen.

Morningstar-Analystin Barbara Claus erneuere in einem aktuellen Beitrag die Kritik der Fondsexperten an den vermeintlichen "Alleskönnern" und unterlege ihre Argumente mit frischen Zahlen. Im Detail habe sich die Expertin die drei Fondskategorien "Flexible globale Mischfonds", "ausgewogene globale Mischfonds" sowie zum Vergleich "globale Large-Cap-Aktienfonds" und einen Referenzindex angeschaut, der jeweils hälftig aus dem Bloomberg Barclays Euro Aggregate Bond Index und dem FTSE World Index bestehe.

Das klare Resultat: "Während die gemischten Fonds langfristig ungefähr die Hälfte der Erträge eines reinen Aktienfonds erzielen konnten, fallen die kurzfristigen Ergebnisse über drei und fünf Jahre desaströs aus", so Claus. Beispielsweise hätten die Fonds in den letzten drei Jahren lediglich 2,86 Prozent (ausgewogen) oder 2,59 Prozent per annum abgeliefert (flexibel), während aktiv gesteuerte globale Aktienfonds Jahr für Jahr im Schnitt 8,05 Prozent erzielt hätten.

"Der durchschnittliche ausgewogene und flexible Mischfonds konnte also weder ansatzweise die Hälfte der Performance eines reinen Aktienportfolios erzielen noch mit seiner Kategorie-Benchmark mithalten", schreibe Claus. In den letzten Jahren habe sich die Wahlfreiheit der Mischfonds-Manager also ganz klar nicht ausgezahlt. Das gelte insbesondere für die flexiblen Fonds, was impliziere, dass der durchschnittliche Fondsverantwortliche die höhere Flexibilität nicht zum Vorteil der Anleger genutzt habe.

Morningstar kritisiere aber nicht einfach die Fondsmanager, sondern suche auch nach Erklärungen für die deutliche Underperformance. Claus zufolge sei nicht das Konzept das grundlegende Problem - die Manager könnten ja bis zu 100 Prozent in Aktien anlegen - sondern die Umsetzung.

Zunächst sei das typische Übergewicht der Fonds in Europa zu nennen. Der hiesige Aktienmarkt sei sowohl kurz- als auch langfristig hinter dem US-Markt zurückgeblieben, der in dem Vergleichsindex mit 60 Prozent hoch gewichtet sei. Während Europa in der Aktienbenchmark nur einen geringen Anteil von 14 Prozent aufweise, sei der typische flexible und ausgewogene Mischfonds mit 33 oder 32 Prozent seines Aktienportfolios in Europa investiert gewesen.

Besonders nachteilig habe sich dieser Effekt in den vergangenen zwölf Monaten bemerkbar gemacht, die sowohl fallende Märkte als auch eine Erholung beinhalten würden. Auf Euro-Basis gerechnet hätten sich europäische Aktien kaum vom Fleck bewegt, während sich US-Aktien mit 12,5 Prozent exzellent entwickelt hätten. "Dieser enorme Performanceunterschied schlägt sich natürlich auch negativ in den Fonds mit Europa-Übergewicht nieder", so Claus.

Ein weiterer Faktor sei die immer noch stark untergewichtete Duration im Anleihenbereich der Fonds. Während der Vergleichsmaßstab "Bloomberg Barclays Euro Aggregate Bond Index" aktuell eine Duration von 7,4 Jahren aufweise, liege die Kennzahl bei den flexiblen Mischfonds im Durchschnitt bei 3,3 und bei den ausgewogenen Mischfonds bei 3,9 Jahren. Während die Euro Aggregate Bond Benchmark in den letzten zwölf Monaten 7,3 Prozent habe erzielen können, seien die kürzeren Laufzeiten - beispielsweise die sehr kurz Variante des Index mit Papieren zwischen einem und drei Jahren Laufzeit - mit nur 0,9 Prozent deutlich zurückgeblieben.

Es gebe aber noch andere Faktoren, und für die seien sehr wohl die Manager selbst zur Verantwortung zu ziehen.

"Typischerweise trägt das flexible Management der Aktienquoten bei den meisten Fonds wohl weiterhin nicht positiv zum Gesamtergebnis bei. Vor allem in volatileren Märkten mit Trendbrüchen können sich die aktiven Manager zum Handeln verleitet fühlen, was aktive Performance für Anleger kosten kann", analysiere Claus.

Dieses Muster zeige sich abermals in den Aktienquoten, die in den performance-negativen Börsenmonaten wie Oktober und Dezember 2018 sowie Mai 2019 im Kategoriedurchschnitt prozyklisch reduziert worden seien, wodurch die Fonds Verluste realisiert hätten und unterproportional von den darauffolgenden Erholungen, insbesondere im Januar und Juli 2019, profitiert hätten. Besonders bei den flexiblen Mischfonds seien die Aktienquoten in diesen Börsen-Minusphasen deutlich reduziert worden, beispielsweise von September auf Oktober 2018 von 51 auf 47 Prozent.

"Fairerweise muss aber an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass sich das Europa-Übergewicht und die untergewichtete Duration nicht in allen Marktumfeldern negativ auswirken müssen, sondern sich der Trend hier durchaus auch umkehren kann", finde die Expertin aber auch ein paar ermutigende Worte. Aber: Das Argument mit dem Markttiming und die generelle Underperformance aktiver Manager gegenüber ihren Benchmarks nach Kosten bleibe im Zeitablauf bestehen. (News vom 04.09.2019) (05.09.2019/fc/n/s)