Morningstar erstellt "ETF-Mängelliste" - ETF-News


12.09.19 13:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Passive Papiere machen aktiven Fonds das Leben immer schwerer, so die Experten von "FONDS professionell".

Doch trotz niedrigerer Gebühren seien die "Index-Imitate" nicht immer die bessere Wahl. Eine Morningstar-Studie zeige, wo ETFs zuletzt enttäuscht hätten. Verfechter klassischer Portfolios sollten sich aber nicht zu früh freuen.

Der Eindruck, dass die Analysten von Morningstar große Sympathien für traditionelle Fonds hegen würden, dränge sich nicht auf. Dafür hätten die Marktbeobachter gerade in jüngerer Zeit zu oft herausgestellt, wie schlecht aktive Portfolios in vielen Kategorien im Langfrist-Vergleich zu ihren schlichter gestrickten ETF-Rivalen abschneiden würden - vor allem nach Abzug von Gebühren.

Die Fixierung auf den Kostenaspekt habe den Fonds-Gutachtern zuletzt massive Kritik von Beraterseite eingetragen. Umso erstaunlicher sei eine Kurzstudie aus der Feder von Morningstar-Chefredakteur Ali Masarwah. Demnach seien ETFs oft, aber nicht immer die bessere Alternative zu herkömmlichen Portfolios. Um zu diesem verblüffenden Ergebnis zu gelangen, sei die Rankingtabelle aus dem quartalsmäßig aktualisierten "Aktiv-Passiv-Barometer" vom Kopf auf die Füße gestellt worden.

Grundsätzlich würden die Morningstar-Experten hierbei untersuchen, in welchen Kategorien ETFs in den letzten drei bis fünf Jahren besonders gut abgeschnitten hätten - oder, wie im vorliegenden Fall, besonders miserabel. Soviel vorweg: Fans aktiver Fonds sollten die Champagnerflaschen besser im Kühlschrank lassen. Denn das Gros an ETF-Nieten tummele sich nicht in populären und damit vertriebsstarken Investmentkategorien, sondern bei eher bedeutungsarmen Exoten.

Vor allem in Nischen wie bei Aktien aus Vietnam, der Türkei, Brasilien oder Griechenland sowie Spezialsegmenten wie Schweizer Kurzläufer-Renten hätten aktive Fondsverantwortliche die passiven Herausforderer laut Morningstar-Recherche weit hinter sich gelassen. Am eklatantesten sei die Renditedifferenz bei chinesischen Aktien: Hier klaffe auf fünf Jahre gerechnet zwischen ETFs und Fonds eine Performancelücke von nicht weniger als 16,6 Prozentpunkten per annum zugunsten klassischer Kapitalsammelstellen!

Hauptgrund für das schlechte Abschneiden der ETFs in den Exoten-Segmenten sei laut Masarwah der dort noch erzielbare Informationsvorsprung, den aktive Fondsmanager zum Beispiel aus den Vier-Augen-Gesprächen mit Firmenlenkern oder der peniblen Datenanalyse hauseigener sowie zugekaufter Research-Spezialisten erlangen könnten. "In hocheffizienten Märkten ist es dagegen für sie schwierig, besser zu performen als der Markt."

Das scheinen die Produktverantwortlichen aufseiten der Anbieter längst erkannt zu haben, wie ein "Beifang" von Masarwahs Recherche belegt: Interessanterweise sind aktive Fonds in den Exoten-Segmenten typischerweise teurer als klassische Portfolios für Standardwerte aus den Industrieländern, so die Experten von "FONDS professionell".

Doch genau dort spiele aus Anbietersicht unverändert die Musik: Und ausgerechnet in etablierten Anlageklassen wie Aktien USA und Aktien Welt, aber auch bei Aktien Europa und Aktien Eurozone sowie in wichtigen Bond-Kategorien wie etwa Euro-Renten hätten ETFs eine gute Figur gemacht und seien nach Kosten im Konkurrenzvergleich zu traditionellen Fonds überwiegend im Vorteil gewesen. So habe die Überrendite passiver Papiere bei großkapitalisierten Aktien aus aller Herren Länder (Kategorie Global Large Cap Equity) auf fünf Jahre gerechnet bei stolzen 2,5 Prozentpunkten per annum gelegen.

"Verfechter des aktiven Managements mögen unsere ETF-Mängelliste mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen. Aber sie sollten auch zur Kenntnis nehmen, dass ETFs in erster Linie bei den 'Satelliten' Federn lassen müssen - überwiegend sehr überzeugend schneiden sie in den wichtigen Standardwertekategorien ab, in denen das meiste Anlegergeld steckt", bringe es Masarwah auf den Punkt. Seine Hoffnung: Dass die Fondsindustrie so motiviert werde, "die Kosten ihrer Produkte weiter zu senken, um den Anforderungen des Niedrigzinsumfelds gerecht zu werden". (12.09.2019/fc/n/e)