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Morningstar enträtselt Mischfonds-Meisterstück - Fondsnews


15.09.17 11:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Global investierenden Mischfonds ist im laufenden Jahr etwas Erstaunliches geglückt: Sie haben in allen wichtigen Kategorien aus Sicht von Euro-Anlegern ihre Benchmarks übertroffen - "teilweise sogar deutlich", fügt Morningstar-Analyst Ali Masarwah hinzu, so die Experten von "FONDS professionell".

Aus gleich zwei Gründen sei das bemerkenswert: Zum einen würden derart große Fondsgruppen wegen der Verwaltungskosten für gewöhnlich hinter den Vergleichsindices zurückbleiben. Darüber hinaus hätten sich Fonds, die in Aktien und Renten anlegen würden, in den vergangenen Jahren regelmäßig schlechter entwickelt als der breite Markt. Die jüngste Outperformance sei deshalb in mehrfacher Hinsicht ein wahres Meisterstück.

Sowohl defensive als auch ausgewogene, flexible und aggressive Mischfonds hätten seit Jahresbeginn ihre Benchmarks geschlagen, zeige eine Auswertung von Morningstar. Dabei hätten Produkte mit starkem Aktien-Fokus am besten abgeschnitten. Die generell gute Entwicklung von Mischfonds sei umso beeindruckender, weil die Produkte im Vorjahr gegenüber ihren Benchmarks völlig versagt hätten. Beispiel aggressive Mischfonds: Im Jahr 2016 hätten sie im Schnitt gerade einmal 3,7 Prozent Plus erzielt und seien damit um mehr als 600 Basispunkte hinter der Benchmark zurückgeblieben, wie die Morningstar-Auswertung zeige.

Für die Trendwende zum Besseren gebe es allerdings eine simple Erklärung: Und das sei der jüngste Höhenflug des Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung habe in den vergangenen Monaten gegenüber dem US-Dollar deutlich zugelegt - derart deutlich, dass Fonds mit Fokus auf europäischen Wertpapieren daraus ein veritabler Vorteil entstanden sei.

"In gängigen Benchmarks wie dem MSCI World haben US-Aktien ein Gewicht von rund 60 Prozent. Wer Europa übergewichtete, konnte sich also durch Kurs- und Währungsgewinne von den Indices absetzen", erkläre Masarwah Die Morningstar-Auswertung zeige: Je stärker Fondsmanager europäische Assets gewichtet hätten, desto besser sei die Performance ausgefallen.

Europäische Aktien seien in globalen Mischfonds deutlich überrepräsentiert. In Produkten mit "ausgewogenem" respektive "flexiblem" Zuschnitt würden sie jeweils sogar rund 15 Prozent ausmachen. Das seien immerhin 13 Prozentpunkte mehr als in den typischen globalen Aktien-Benchmarks. Viele Fondsmanager würden zudem Schwellenländeraktien beimischen, die in den gängigen Vergleichsindices gar nicht vertreten seien. "Auch das hat zuletzt die Performance beeinflusst", sage Masarwah.

Europa-zentrierte Mischfonds hätten dank des starken Euro noch besser abgeschnitten als ihre global anlegenden Pendants. Naturgemäß würden dort europäische Titel dominieren. "Der Vorsprung der Europa-Fonds hätte allerdings noch größer ausfallen können, wenn die Manager nicht in signifikanter Menge US-Papiere beigemischt hätten", präzisiere Masarwah.

In den Benchmarks europäisch anlegender Mischfonds seien US-Titel überhaupt nicht enthalten. Eine Beimischung von durchschnittlich zwei Prozent bei defensiven Euro-Mischfonds und zehn Prozent bei aggressiven Euro-Mischfonds sei also beachtlich - und sei im laufenden Jahr keine gute Idee gewesen. (15.09.2017/fc/n/s)