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Morningstar drischt erneut auf Rentenfondsmanager ein


06.06.18 14:20
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Vor wenigen Wochen erklärte Morningstar in einer vielbeachteten Analyse, dass viele Anleihefonds schon allein unter Kostengesichtspunkten renditemäßig "geborene Versager" seien. Nun hat das Unternehmen nachgelegt und Ursachenforschung betrieben, so die Experten von "FONDS professionell".

Das Ergebnis: "Es spricht einiges dafür, dass viele Vermögensverwalter seit dem Jahr 2009 zudem schwere gedankliche Fehler gemacht haben - mit negativen Folgen für die Anleger-Performance", so Morningstar-Chefredakteur Ali Masarwah.

Aktiv verwaltete Rentenfonds hätten in den vergangenen Jahren in großem Stil ihre Benchmarks verfehlt, heiße es in dem Bericht. Dafür gebe es verschiedene Gründe, so Masarwah. Da sei etwa das Problem, dass die Fonds an ihrem Index klebten und so de facto verkappte Indexfonds seien. "Sie müssen relativ hohe Transaktionskosten berappen, weil Bond-Indizes häufig neu berechnet werden", erkläre der Analyst.

Das Hauptproblem seien jedoch die Fondsmanager der Produkte selbst beziehungsweise die "Psychofallen", in die viele Bondprofis tappen würden. Ihre Fehleinschätzungen hätten dazu geführt, dass die von ihnen verwalteten Fonds derart unterirdisch abgeschnitten hätten.

Behavioral Finance erklärt das Problem

Insbesondere zwei Fehleinschätzungen hätten zum schlechten Abschneiden vieler Bond-Fonds geführt: Erstens die Annahme, das typische Marktportfolios angesichts des Niedrigzinsumfelds erhöhte Durationsrisiken aufweisen würden, weshalb es unverantwortlich sei, eine marktkonforme Fonds-Duration zu fahren. Und zweitens die Einschätzung, dass Euro-Peripherie-Bonds überdurchschnittliche Risiken aufgewiesen hätten, solange die Eurokrise nicht nachhaltig gelöst sei - weshalb insbesondere lukrativere südeuropäische Schuldentitel untergewichtet oder erst gar nicht gekauft worden seien.

"Never fight the ECB"

Vor allem sei die Rolle der EZB als "Anleihenstaubsauger" völlig fehleingeschätzt worden, mutmaße Masarwah. Dabei hätten gerade die Kaufprogramme der Notenbanken nach 2009 eine neue Ära am Bond-Markt eingeläutet. Viele, vor allem deutsche Vermögensverwalter, hätten das zwar durchaus zur Kenntnis genommen und lautstark gegen diese "Marktmanipulation" polemisiert, erinnere sich der Morningstar-Fachmann. "Aber sie haben offenbar nicht zu Ende gedacht und die Folgen dieses massiven Eingriffs ignoriert."

Viele Manager seien zu der Überzeugung gelangt, dass die Rentenmärkte überbewertet seien. Zu dieser Schlussfolgerung könne man kommen, meine Masarwah. "Doch die Bewertungen basierten nicht auf einem irrationalen Überschwang fehlgeleiteter Investoren, sondern auf einer gezielten Strategie der Notenbanken, die in der Ultima Ratio der massiven Bond-Kaufprogramme einmündete. Solange die Zentralbanken ihre Bond-Kaufprogramme aufrechterhalten, gab es keinen Grund, aus dem Phänomen der tiefen Renditen einen baldigen Renditeanstieg abzuleiten." Dabei habe die EZB, vor allem unter der Führung von Mario Draghi, nie einen Hehl daraus gemacht, dass die Anleihekäufe durchaus von Dauer sein dürften. "Dass sich viele Fondsmanager weigerten, das 'Oma-Blatt' auszuspielen, das ihnen die EZB austeilte und beleidigt den Spieltisch verließen, darf man rückblickend als schwerwiegenden anlagepolitischen Fehler bezeichnen - ein Fehler, der Anleger viel Performance gekostet hat", kritisiere Masarwah.

Die grundsätzlichen Zweifel an der Schuldentragfähigkeit der Euro-Südstaaten Italien, Spanien und Portugal dürften viele Fondsmanager obendrein in Richtung bonitätsstarker, aber renditearmer Bonds aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden oder Finnland getrieben hätten.

"Ideologische Verblendung"

Man dürfe den Managern von Euro-Bond-Fonds, die nach dem Jahr 2010 prinzipiell nur auf solche Titel gesetzt hätten, demnach durchaus eine gewisse ideologische Verblendung vorwerfen, finde Masarwah: "Sie haben mit Null-Spread-Nicht-Wetten den von ihnen verwalteten Fonds beziehungsweise ihren Anlegern ein Performance-Problem beschert. Sie hätten es besser wissen müssen." (06.06.2018/fc/n/s)