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Morningstar: Was ist bloß bei Fidelity los? - Fondsnews


07.06.18 12:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Vor 25 Jahren war Fidelity Investments noch der unbestrittene Marktführer der US-Investmentbranche - doch diese Zeit ist vorbei, so die Experten von "FONDS professionell".

Die "New York Times" habe Ende Mai die These aufgestellt, das Unternehmen sei "in der Vergangenheit hängen geblieben". Ein US-Branchendienst habe sogar geschrieben, Fidelity stecke "in einer existenziellen Krise", berichte die Ratingagentur Morningstar.

Deren Analyst John Rekenthaler möge sich diesem harschen Urteil nicht anschließen. Es stimme zwar, dass Fidelity nicht mehr das "Kraftpaket der US-Investmentbranche" sei. "Doch das ist nicht neu. Fidelity verlor den Titel des größten US-Vermögensverwalters schon vor dem Ende des vergangenen Jahrtausends."

Im Wesentlichen sei das auf einen Leistungseinbruch der Fonds zurückzuführen. "Bei Fidelity hielt sich zunächst die Hoffnung, den Titel mit einer Erholung der Fonds wiederzuerlangen. Das ging nicht auf. Im Jahr 2005 war das Rennen im Grunde gelaufen", schreibe der Morningstar-Analyst.

Fidelity habe damals drei Optionen gehabt. Das Unternehmen hätte seine Energie darauf verwenden können, immer günstigere Indexfonds anzubieten - so wie der Rivale Vanguard. "Obwohl Fidelity Indexfonds lancierte und förderte und an mehreren Preiskämpfen teilnahm, setzte man in Boston nicht alles auf diese Karte", erinnere sich Rekenthaler. Die zweite Option sei gewesen, alles auf die Karte des aktiven Asset Managements zu setzen, so wie die Capital Group. Doch auch das sei nicht geschehen.

Stattdessen habe sich Fidelity für eine Diversifizierung des Geschäftes entschieden. So habe das Unternehmen seine Gewinne aus der Investment-Management-Einheit genutzt, um unter anderem eine große Discount-Brokerage-Plattform aufzubauen. Fidelity administriere darüber 4,4 Billionen Dollar. Hinzu würden weitere 2,4 Billionen Dollar kommen, die die Firma selbst manage. "Letztere Assets bleiben die Goldmine - sie erwirtschaften den größten Teil der Einnahmen von Fidelity und einen noch größeren Anteil am Gewinn", betone Rekenthaler.

Dennoch seien die neueren Geschäfte profitabel und wüchsen deutlich schneller als das traditionelle Asset Management. "Daher würde ich Fidelity nicht im Zustand des Übergangs betrachten und auch nicht in einer schweren existenziellen Krise", so sein Fazit. "Ziel der Unternehmensführung ist es, mehr als ein aktiver Fondsmanager zu sein. Natürlich wäre es für Fidelity angenehmer gewesen, diese Diversifikation aus einer Position der Stärke zu erreichen. Aber man versuchte das Beste aus der Situation zu machen, das Leben ist schließlich kein Wunschkonzert."

Für Leser aus Deutschland und Österreich sei wichtig zu wissen, dass sich die Analysen von "New York Times" und Morningstar auf Fidelity Investments beziehen würden, das US-amerikanische Stammhaus des Fondsanbieters. Hierzulande sei Fidelity International tätig, ein Schwesterunternehmen des Originals.

Doch auch bei Fidelity International laufe nicht alles wie geschmiert. So sei der Investmentstatistik des deutschen Fondsverbands BVI zu entnehmen, dass Anleger aus Deutschland im vergangenen Jahr unter dem Strich 276,3 Millionen Euro aus Publikumsfonds des Anbieters abgezogen hätten. Allein im ersten Quartal dieses Jahres seien weitere 332,9 Millionen Euro aus den Fidelity-Portfolios abgeflossen. In Deutschland hätten jüngst zudem der Umbau des Sales-Teams und später der Abgang des Vertriebsleiters Schlagzeilen gemacht. (07.06.2018/fc/n/s)