Morningstar: Vorsicht bei Giga-Fonds! - Fondsnews


12.10.20 11:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Immer wieder gibt es Fonds, deren Namen fast jeder Anleger kennt, so die Experten von "FONDS professionell".

Templeton Global Bond, Carmignac Patrimoine, Fidelity European Growth: All diese Portfolios seien bei Investoren zeitweise so beliebt gewesen, dass sie zu wahren Riesen angeschwollen seien. Am Sternenhimmel seien Riesen allerdings oft im Verglühen begriffen - und auch die einstigen Stars des Fonds-Universums hätten längst nicht mehr so hell wie früher geleucht. Sobald ein Fonds zu den größten am Markt aufgestiegen sei, hätten Anleger gut daran getan, ihre Anteile abzustoßen. Darauf deute jedenfalls eine Untersuchung von Morningstar hin.

Das Analysehaus habe sich angeschaut, wie sich der Wert bekannter Fonds entwickelt habe, bevor sie zu Marktriesen aufgestiegen seien, und auch, wie es danach um ihre Performance bestellt gewesen sei. Dabei hätten die Experten die relative Wertentwicklung im Vergleich zum Markt, nicht die absolute Rendite betrachtet. Das Ergebnis sei eindeutig: "Bis auf einen Fonds schnitten alle aktiv verwalteten Produkte in der Phase, nachdem sie zu Europas größten Fonds avancierten, deutlich schlechter ab als in der Phase zuvor", sage Morningstar-Experte Ali Masarwah.

Besonders dramatisch falle der Vorher-Nachher-Vergleich beim BlackRock-Fonds BGF World Mining aus. In den fünf Jahren, bevor er 2007 zum ersten Mal der größte Fonds in Europa gewesen sei, habe er den S&P Global Natural Resources um knapp zwölf Prozentpunkte pro Jahr schlagen können. In den fünf Jahren danach habe er dagegen jedes Jahr fast fünf Punkte hinter dem Index gelegen.

"Auch in jüngerer Zeit waren die Unterschiede bei Top-Fonds eklatant, und zwar nicht nur bei volatilen Sektorfonds, sondern auch bei herkömmlichen Mischfonds", berichte Masarwah. Zum Beispiel beim Carmignac Patrimoine: In den fünf Jahren bis Mai 2009 habe er seinen Vergleichsindex pro Jahr um 7,7 Prozentpunkte übertreffen können. In den fünf Jahren, nachdem er zum Supertanker avanciert sei, sei er dagegen deutlich zurückgefallen: Zwischen März 2011 und Februar 2016 sei er der Benchmark gut sechs Punkte pro Jahr hinterhergehinkt.

Der einzige Fonds, der auch nach seinem Aufstieg in die Riege der Mega-Portfolios seinen Vergleichsindex übertroffen habe, sei der Pictet Global Utilities Equity. Er habe nach dem kritischen Aufstiegsjahr jährlich 2,2 Prozentpunkte besser abgeschnitten als ein Branchenindex von MSCI. "Die Ironie der Geschichte: Diese beachtliche Outperformance fand ohne europäisches Publikum statt", sage Masarwah. Der Fonds sei ein Exportprodukt, er sei ausschließlich in Japan vertrieben worden.

Für die jüngsten Gipfelstürmer, darunter der AP7 Aktienfonds und der Pimco GIS Income, liege naturgemäß noch keine Fünfjahresperformance vor. Auch sie seien allerdings laut Morningstar hinter ihre Benchmarks zurückgefallen, nachdem sie zu den größten Fonds Europas gehört hätten. "Dass die Zahlen eine derart klare Sprache sprechen, ist bemerkenswert", sage Masarwah.

Was seien die Gründe dafür, dass Aufsteiger plötzlich schlecht abschneiden würden? Morningstar zufolge würden sich für dieses Phänomen zwei Erklärungen anbieten: Erstens könnte es sein, dass manche Fondsmanager so sehr in ihre Wertpapier-Favoriten verliebt seien, dass sie nicht rechtzeitig aussteigen würden. Einige Studien würden diese Theorie stützen. Zweitens könnte es sein, dass ein enorm gewachsenes Fondsvolumen Anlageprofis die Arbeit erschwere. Hätten sie bisher etwa in illiquide Wertpapiere investiert, sei das ab einer gewissen Größe nicht mehr ohne Weiteres möglich, weil die Fonds sonst selbst den Markt bewegen würden - was viele Asset Manager aus guten Gründen nicht wollten.

Investmentgesellschaften sollten erfolgreiche Fonds öfter für Neuanleger schließen, würden die Morningstar-Experten fordern. In den USA und Großbritannien sei ein solches Vorgehen bereits üblich, um die Fondsstrategie nicht zu verwässern. Bis dahin sollten europäische Investoren im Hinterkopf behalten, dass Supertanker auf Grund laufen, Wale stranden und Sterne verglühen könnten. (News vom 09.10.2020) (12.10.2020/fc/n/s)






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