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Morningstar: Hektik macht Fondsanleger ärmer - aber nicht immer - Fondsnews


06.01.20 12:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Eine Studie des Analysehauses Morningstar zeigt, dass in der Börsenweisheit "Hin und her macht Taschen leer" ein wahrer Kern steckt, so die Experten von "FONDS professionell".

Fondsanleger würden meist besser fahren, wenn sie ihre Investments einfach liegen lassen würden. Doch die Experten hätten Ausnahmen gefunden.

Anleger würden sich schwer tun damit, den perfekten Ein- und Ausstiegszeitpunkt für ein Investment abzupassen. Da seien Fondskäufer keine Ausnahme, zeige eine Studie der Ratinggesellschaft Morningstar. Demnach hätten Anleger, die in europäische Publikumsfonds ein- und ausgestiegen seien, zwischen 2010 und 2018 eine um 53 Basispunkte pro Jahr niedrigere Rendite als Investoren erwirtschaftet, die ihr Geld einfach in den Vehikeln belassen hätten.

Konkret würden die Morningstar-Analysten in der Studie die Differenz zwischen der zeitgewichteten Rendite, also der "offiziell" ausgewiesenen und auch "Total Return" genannten Perfomance, und der sogenannten geldgewichteten Rendite, dem "Investors Return" messen. Dieser berücksichtige zusätzlich die Mittelzu - und-abflüsse einzelner Fondsunterketagorien.

Ein Beispiel veranschauliche die Berechnung der letztgenannten Performance: Im ersten Halbjahr erziele ein fiktiver Fonds ein Plus von 100 Prozent, im zweiten Halbjahr dann ein Minus von 50 Prozent. Für das Gesamtjahr stehe also eine Rendite von null Prozent auf dem Papier - der Total Return.

Für Anleger, die erst in der zweiten Jahreshälfte in den Fonds eingestiegen seien, würden aber die Verluste voll zu Buche schlagen. Die Morningstar-Analysten würden nun anhand des Mittelaufkommens der Vehikel ermitteln, welcher Anteil des im Fonds gesammelten Anlegergelds in die Phase der Gewinne gefallen sei und wieviel investiertes Vermögen die Verluste mitgenommen habe. Daraus würden die Experten dann die Renditelücke zwischen Total und Investors Return kalkulieren.

Diese Differenz liege bei Aktienfonds bei 34 Basispunkten für den betrachteten Zeitraum. "Einigermaßen überraschend ist, dass die Lücke bei Rentenfonds höher war", stelle Matias Möttölä, Co-Autor der Studie fest. Der Abstand habe sich hier auf 41 Basispunkte beziffert - deutlich mehr als bei einer früheren Morningstar-Untersuchung des europäischen Fondsmarktes aus dem Jahr 2016. Damals hätten die Analysten bei Anleihen eine Renditelücke von nur 20 Basispunkten pro Jahr gemessen. Bei Aktien habe die Differenz damals 39 Basispunkte betragen.

"Die dramatischen Veränderungen am Rentenmarkt seit 2010 können als Erklärungsansatz für die unterdurchschnittliche Anlegerrendite helfen", deute Möttölä die Ergebnisse. "Etliche Rentenbereiche hatten mit einer erhöhten Volatilität zu kämpfen." Weiterhin sei erstaunlich, dass bei alternativen Fonds der Investors Return besser ausgefallen sei als der Total Return. "Hier hat das Timing-Verhalten also zu einer besseren Anlegerrendite geführt", halte der Analyst fest. Allerdings sei die jährliche Rendite mit einem Prozent in diesem Feld ohnehin nur gering ausgefallen.

Auch bei europäischen Mischfonds hätten Fondsinvestoren zwischen 2010 und 2018 mit Timing jedes Jahr einen um 32 Basispunkte besseren Ertrag erwirtschaften können. Hier stehe auch immerhin eine jährliche Rendite von gut vier Prozent zu Buche.

"Auffällig ist auch, dass Anleger, die teure Fonds halten, schlechtere Renditen erwirtschafteten als Anleger in günstigen Fonds", führe Möttölä weiter aus. Das gelte nicht nur für die zeitgewichtete, sondern auch für die geldgewichtete Rendite. "Mit anderen Worten: Wer in teuren Fonds angelegt hat, hat offenbar mehr gehandelt als Anleger in günstigen Fonds - und dabei schlechtere Ergebnisse erzielt." Der Experte ziehe als Fazit der Auswertung für den europäischen Markt, dass die Anlegerrendite bei breit diversifizierten, günstigen und weniger riskanten Fonds besser ausgefallen sei als in volatilen und teuren Fonds.

Die Morningstar-Analysten hätten sich obendrein die Renditelücken in anderen Fondsmärkten angeschaut. In den USA beziffere sich die Differenz über alle Kategorien hinweg im Schnitt auf 45 Basispunkte. In Südkorea und Australien lägen die geldgewichteten hingegen über den zeitgewichteten Renditen.

Generell gesehen hätten die Experten einen Rückgang der Renditedifferenz im Vergleich zur letzten weltweiten Auswertung aus dem Jahr 2017 beobachtet. Investoren entgehe durch das An- und Verkaufen von Anteilsscheinen also weniger Rendite. Grund dafür könnte aber einfach nur die meist gute Marktlage gewesen sein, würden die Experten einschränken. (06.01.2020/fc/n/s)