Erweiterte Funktionen

Morningstar: "Augen zu und durch"-Taktik ist keine gute Idee - Fondsnews


21.07.20 09:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Der Corona-Crash dürfte Investoren schmerzhaft in Erinnerung gerufen haben, dass eine Neujustierung des Portfolios nach Plan mehr ist als nur eine lästige Pflicht, so die Experten von "FONDS professionell".

Morningstar habe untersucht, welche Rebalancing-Strategien am besten abschneiden würden.

Im Kern klinge die Idee charmant: Beim "Rebalancing" würden Anleger ihr Portfolio aus Streuungssicht nach gegebener Zeit wieder in die Ausgangslage bringen, also hinsichtlich der Assetgewichtung zurück zur Startaufstellung. Performancestarke und damit übergewichtig gewordene Assets würden zum Stichtag verkauft und statt ihrer von der Wertentwicklung zurückgebliebene Wertpapiere aufgestockt. Der Vorteil liege auf der Hand: Die ursprünglich als richtig erkannte Mischung bleibe erhalten, und man gehe mit dem gleichen Risikoprofil in die nächste Saison. Der Nachteil: Würden bisherige Renditerenner - etwa Aktien - auch weiterhin gut laufen (und Nachzügler würden zusehends den Anschluss verlieren), entgehe beim automatischen Glattstellen Rendite. Obendrein würden für die Umschichtungen Gebühren anfallen.

Dennoch: Rebalancing sei so ähnlich, wie Zahnseide zu benutzen, stelle Morningstar fest: Man wisse eigentlich, dass es wichtig sei, und trotzdem lasse man die lästige Pflicht gerne schleifen. Die Quittung habe es im Februar und März gegeben, als die Börsen im Zuge der Covid-19-Krise massiv eingebrochen seien und insbesondere Investoren mit einem hohen Aktienengagement enorme Verluste verzeichnet hätten. Buy-and-Hold-Portfolios hätten in diesen Wochen und Monaten am meisten gelitten, zeige eine Analyse der Fondsratingagentur für ein Musterportfolio, dessen Startausstattung zu 60 Prozent aus US-Aktien und zu 40 Prozent aus Anleihen bestehe. Ergebnis: Sie hätten vom 19. Februar bis zum 23. März im Schnitt rund 27,8 Prozent an Wert verloren.

Wer sein Portfolio dagegen regelmäßig, also nach festem Zeitplan, neu ausrichte, sei weitaus glimpflicher davon gekommen. Bei vierteljährlicher und jährlicher Neugewichtung habe der durchschnittliche Verlust bei 20,67 Prozent gelegen, bei täglicher Neugewichtung seien es 21,34 Prozent gewesen. Das etwas schlechtere Ergebnis auf Tagesbasis würden sich die Analysten damit erklären, dass Anleger in Zeiten anhaltender Verluste wie im Fall des Corona-Crashs wiederholt "die Baisse gekauft" hätten. Wie es um die Verlustvermeidung stehe, wenn der Portfoliomix generell nach Erreichen einer fünfprozentigen Ober- respektive Untermarke korrigiert werde, sei ebenfalls ermittelt worden.

Rebalancing habe demnach nicht nur die Verluste begrenzen können. Es habe auch die grundsätzliche Volatilität des Portfolios, also das Risiko reduziert. Die durchschnittlichen Standardabweichungen seien laut Morningstar um 15 Prozent niedriger als beim Buy-and-Hold-Ansatz gewesen. Am besten seien Investoren gefahren, die ein jährliches Rebalancing durchführen würden. Sie würden rückgerechnet bis zum Jahresanfang 1994 laut Morningstar auf eine annualisierte Standardabweichung von 8,55 Prozent in den letzten 15 Jahren kommen.

Auch die Wertentwicklung könne sich sehen lassen: Rebalancing sei zwar vom Grundgedanken her nicht dazu gedacht, die Erträge zu steigern, aber dank der Verlustbegrenzung habe es dennoch bemerkenswerte Unterschiede in der Performance gegeben. Wer sein Depot einmal jährlich zurücksetze, habe in den vergangenen 20 Jahren eine annualisierte Rendite von 6,13 Prozent einstreichen können. Wer gar nichts getan habe, habe dies mit einer Minderperformance von jährlich 0,34 Prozentpunkten (5,79 Prozent Rendite) bezahlt. (News vom 20.07.2020) (21.07.2020/fc/n/s)