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Morningstar: Aktive Fonds enttäuschen beim Crashtest - Fondsnews


23.03.20 12:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Viele Verantwortliche aktiver Fonds schaffen es auch in der Krise nicht, besser als ihre Vergleichsbarometer abzuschneiden, so die Experten von "FONDS professionell".

Zu diesem Schluss komme die Ratinggesellschaft Morningstar in einer Analyse der Performance-Kennzahlen wichtiger Fondskategorien. Demnach habe es das Gros der Aktien-, Renten- und Mischfondsmanager in dem seit Ende Februar andauernden Kursverfall nicht geschafft, die Verluste einzudämmen und dadurch besser als die Benchmarks dazustehen.

Dabei hätten die Turbulenzen zur Sternstunde aktiver Manager werden sollen. So erkläre die Branche Morningstar-Chefredakteur Ali Masarwah zufolge ihr zumeist eher bescheidenes Abschneiden gerne damit, dass in Bullenmärkten fundamental investierende Fonds quasi automatisch hinter der Benchmark lägen, weil in solchen Marktphasen in den Indices typischerweise undifferenziert alle Boote noch oben getragen würden. Also auch solche, die von minderer Qualität und für kennzahlenorientierte Fondslenker somit tabu seien. In Zeiten der Krise jedoch zeige sich die wahre Qualität des aktiven Managements.

"Diese vermeintliche Weisheit wird typischerweise in jeder Krise als Mythos entlarvt", erläutere Masarwah. "Nimmt man die Fonds einer Kategorie zusammen, dann liegt die große Masse nicht nur in der Hausse, sondern auch in der Baisse hinter der Benchmark, egal, ob man die bloße oder die risikoadjustierte Performance als Maß verwendet." Gleichwohl gebe es gewiss einzelne Portfolios, die gegen den allgemeinen Trend besser abschnitten.

Der Morningstar-Analyse zufolge habe auf Euro-Basis die Untergruppe der flexiblen Mischfonds im Corona-Crash besonders schwach abgeschnitten, gefolgt von den aggressiven Mischfonds. Das ausgewogene Feld habe etwas besser abgeschnitten. Doch selbst die defensive Gruppe habe höhere Verluste aufgetürmt als ihr Vergleichsbarometer. Diese würden sich aus einem Mix von Aktien- und Anleihenindices zusammensetzen, je nach Kategorie mit unterschiedlichem Mischungsverhältnis.

Allerdings stelle sich die Frage, ob Anleger in ihrem Portfolio solche Bondbarometer tatsächlich ihr eigen genannt hätten. Diese würden häufig eine relativ hohe Duration aufweisen, was in der jüngeren Vergangenheit eigentlich nicht im Sinne der Anleger habe sein können. Zudem seien hier mitunter Emittenten extrem stark vertreten, um die viele auf Sicherheit Investoren wohl eher einen großen Borgen machen würden.

So würden etwa beim Bloomberg Barclays Euro Aggregate Bond, den Morningstar heranziehe, Frankreich und Deutschland zwar das größte Gewicht einnehmen, dichtauf würden aber Italien mit gut 15 Prozent und Spanien mit zehn Prozent Anteil folgen. Demgegenüber hätten augenscheinlich viele Mischfondslenker einen hohen Aktienanteil aufgebaut - der ihnen nunmehr hohe Verluste eingebrockt habe.

Daneben hätten auch globale Aktien- und US-Standardwertefonds deutlich höhere Verluste eingefahren als ihre jeweiligen Vergleichsbarometer. Aktive Manager mit Fokus auf amerikanische Large-Cap-Titel würden sich schon seit geraumer Zeit schwer tun, die Messlatten zu übertreffen. Etwas besser hätten sich Emerging-Market-Aktienfonds geschlagen. Lediglich den europäischen Large-Cap-Fonds sei es im Schnitt gelungen, wenigstens keine höheren Verluste als die Benchmark einzufahren.

Auch bei Rentenfonds zeige sich ein sehr unterschiedliches Bild. So hätten etwa Manager mit Fokus auf US-Hochzinsanleihen ihre Verluste im ähnlichen Rahmen halten können wie ihre Benchmark, ebenso bei Euro-Unternehmensanleihen. Schlechter hätten dagegen die Portfoliolenker der Gruppe "Euro Renten diversifiziert" abgeschnitten. Diese Gruppe habe stärker in Unternehmensanleihen sowie in Papiere schwächerer Bonität investiert als ihre Benchmark - in Felder also, die in Niedrigzinszeiten noch etwas höhere Erträge abwerfen würden.

"Interessanterweise fiel der maximale Verlust bei den Kategorien Euro Renten diversifiziert und Staatsanleihen geringer aus als bei den relevanten Indizes", berichte Masarwah. "Das lässt darauf schließen, dass Fonds auf der Durationsseite 'kürzer' aufgestellt waren als die Benchmarks." Dies habe sich zwar bereits bei vergangenen Korrekturen positiv bemerkbar gemacht. Angesichts des sich beschleunigenden Renditerückgangs der vergangenen Jahre hätten sich aber auf der Performance-Seite keine Vorteile ergeben. (News vom 20.03.2020) (23.03.2020/fc/n/s)