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Morningstar: Aktive Fonds bekommen neue Chance - Fondsnews


27.07.20 13:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Anleger haben sich von passiven Indexfonds zwar nicht abgewandt, sie zeigten zuletzt aber wieder vermehrt Interesse an klassischen gesteuerten Portfolios, wie Morningstar-Absatzdaten zum ersten Halbjahr 2020 zeigen, so die Experten von "FONDS professionell".

Das Interesse an passiv gemanagten Indexfonds sei unverändert groß, Anleger hätten im ersten Halbjahr 2020 jedoch auch aktiv gemanagten Portfolios - trotz bescheidener Erfolgsausweise während des Corona-Crashs - wieder für sich entdeckt. Dies gehe aus dem Absatzbericht von Morningstar für Fonds in Europa per Ende Juni 2020 hervor. Demnach sei bei den Nettomittelzuflüssen in aktiv verwaltete Aktienfonds sogar eine Trendumkehr zu verzeichnen gewesen.

"In einer bemerkenswerten Wende erreichten die Zuflüsse in aktiv verwaltete Aktienfonds im Juni ein 29-Monats-Hoch", schreibe Morningstar-Experte Ali Masarwah. Global anlegende Growth-Portfolios, Technologie-Fonds und Vehikel, die auf globale Standardwerte setzen würden, seien seiner Beobachtung zufolge besonders begehrt gewesen. Mischfonds hätten von der hohen Nachfrage nach global anlegenden moderaten, aggressiven, defensiven und flexiblen Euro-Fonds profitiert.

Insgesamt hätten sich die Mittelzuflüsse in aktiv verwaltete Fonds (ohne Geldmarktfonds) im Juni 2020 auf 48 Milliarden Euro nach 41 Milliarden Euro im Mai belaufen. Die Zuflüsse in Indexfonds seien von 11,4 Milliarden Euro im Mai auf satte 15 Milliarden Euro im Juni gestiegen. Der europaweite Marktanteil von Indexfonds habe sich zum Halbjahr damit leicht auf 19,7 Prozent nach 19,6 Prozent per 31. Mai erhöht.

Und welche Kategorien hätten sich am besten behaupten können? "Fonds für festverzinsliche Wertpapiere waren im Juni weiter von allen Fondsgattungen am stärksten nachgefragt", so Masarwah. Sie hätten Zuflüsse in Höhe von 37 Milliarden Euro angezogen. Im gesamten zweiten Quartal hätten sich die Netto-Neugelder auf 105 Milliarden Euro belaufen. Auch für das erste Halbjahr 2020 sei die Absatzbilanz bei Rentenfonds mit 22 Milliarden Euro positiv gewesen.

Aktienfonds hätten im Juni netto 19 Milliarden Euro eingenommen, im zweiten Quartal seien es 51 gewesen. Damit hätten die Abflüsse in Höhe von 41 Milliarden Euro aus dem ersten Quartal vollständig kompensiert werden können. Mischfonds hätten im Juni eine Rückkehr zu alter Stärke gezeigt und mit zehn Milliarden Euro den höchsten Absatz in einem Monat seit Februar 2018 verzeichnet.

"Dass Goldfonds für viele Anleger die Funktion eines sicheren Hafens einnehmen, zeigen die Rekordzuflüsse von 14 Milliarden Euro in Rohstofffonds im ersten Halbjahr", erkläre Masarwah. Allerdings hätten sich die Zuflüsse im Juni merklich verlangsamt. Dies sei laut dem Morningstar-Experten ein klares Anzeichen dafür, dass die Angst vor einer scharfen globalen Rezession das Investment-Verhalten von Privatanlegern in jüngster Zeit nicht mehr ganz so entscheidend präge.

Auch offene Immobilienfonds würden sich im Vertrieb weiterhin wacker schlagen. In Deutschland beheimatete Sondervermögen dieser Art hätten nach den Zahlen von Morningstar im Juni die höchsten Zuflüsse unter allen europäischen Immobilien-Vehikeln erzielt. Diese Entwicklung lasse sich auch für das gesamte erste Halbjahr 2020 erkennen. Geldmarktfonds hätten weiterhin eine hohe Nachfrage verzeichnet und im Juni Mittelzuflüsse von 45 Milliarden Euro verbucht, im zweiten Quartal seien es 138 Milliarden Euro gewesen. Dies werte Masarwah als Indikator dafür, dass einige Anleger vorsichtig gestimmt seien.

"Insgesamt profitierte die europäische Fondsindustrie im Juni von der bemerkenswerten Aufwärtsbewegung der Märkte", schreibe der Experte. Das in langfristigen Fonds verwaltete Vermögen sei nach seinem Halbjahresbericht von neun Billionen Euro per Ende Mai auf 9,197 Billionen Euro per 30. Juni gestiegen. Geldmarktfonds mit eingerechnet sei das Vermögen im Berichtszeitraum von 10,385 Billionen auf 10,614 Billionen Euro geklettert. (27.07.2020/fc/n/s)