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Mifid-Debatte: Flossbach von Storch findet Fremdresearch verzichtbar - Fondsnews


01.09.17 11:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Wie Vorstand Dirk von Velsen dem Branchendienst "Citywire" sagte, will Flossbach von Storch die Kosten für Research auf die eigene Bilanz nehmen, so die Experten von "FONDS professionell".

Damit habe sich eine weitere wichtige Fondsgesellschaft entschieden, auf welche Art sie die Aufwendungen für Analysen in Zukunft abrechnen wolle. Erst gestern sei bekannt geworden, dass die Dekabank die Kosten den Fonds auferlegen werde. Zuvor habe Union Investment, der institutsübergreifende Asset Manager der deutschen Genossenschaftsbanken, den gleichen Weg eingeschlagen wie die Kollegen der Sparkassen.

Zur Erinnerung: Mit Einführung der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II 2018 müssten die Kosten für Analysen von Drittanbietern genau ausgewiesen werden. Bislang finanziere sich das Research fast ausschließlich über Gegengeschäfte. Investmentbanken und Broker würden Zugang zu ihren Studien gewähren, dafür würden ihnen die Asset Manager lukrative Handelsaufträge zuschieben. Die neuen Regeln sollten ab 2018 diese Praxis beenden und einen klaren Überblick über die tatsächlichen Kosten geben.

Flossbach-Vorstand von Velsen zweifele jedoch grundsätzlich an dem Nutzen von externem Research, das meist von Investmentbanken oder Brokern stamme. "Ich würde die Vielfalt der kursierenden Studien und Analysen nicht zwingend als Voraussetzung für gute Investmententscheidungen betrachten", habe Velsen "Citywire" zufolge gesagt. "Ich bin sogar geneigt zu sagen, es ist genau umgekehrt: Das Überangebot an Einschätzungen verstellt nicht selten den Blick auf das Wesentliche und verhindert gute Investmententscheidungen."

Von Velsen erwarte eine Konsolidierung bei den Research-Anbietern. Die Abnehmer würden künftig genauer auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achten und in Summe weniger Analysen beziehen. Für die Kunden von Flossbach werde sich hingegen nichts ändern. "Sie werden weiterhin von unserem erstklassigen, hauseigenen Research profitieren. Das ist uns wichtig", habe Velsen betont. "Hauseigene Analysen helfen uns dabei, erstklassige Investmententscheidungen zu treffen."

Der Kölner Vermögensverwalter stelle sich mit seiner Entscheidung, die Kosten auf die eigene Bilanz zu nehmen, auf die Seite vieler anderer Asset Manager auf internationaler Ebene. So hätten PIMCO, J.P. Morgan AM oder M&G sowie Jupiter angekündigt, die Gebühren für Studien selbst zu tragen.

In Deutschland zeichne sich hingegen der Trend ab, den Aufwand für Studien den Anlegern aufzubürden. Das Kalkül dahinter: Zwar entstehe ein neuer Kostenblock für Research, dafür sollten aber die Transaktionskosten entsprechend sinken. Denn künftig sollte hier der Preis für Studien nicht mehr enthalten sein.

Die Frage sei natürlich, ob dies tatsächlich so eintrete. Auf der anderen Seite sei aber auch klar, dass die Researchkosten womöglich nicht in der Bilanz der Fondsanbieter verbleiben würden, sondern über höhere Managementgebühren doch an die Kunden weitergereicht würden. (News vom 31.08.2017) (01.09.2017/fc/n/s)