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Mehr Fonds, mehr Geld: ESG-Welle rollt rasend weiter - Fondsnews


24.11.21 12:57
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Wie eine Auswertung der Fondsratinggesellschaft Morningstar zeigt, ist das weltweit in nachhaltigen Investmentfonds verwaltete Vermögen per Ende September auf 3,9 Billionen Dollar (3,5 Billionen Euro) geklettert, so die Experten von "FONDS professionell".

Gleichzeitig sei auch die Zahl der Portfolios, die Morningstar in das Nachhaltigkeitsuniversum einsortiere, kräftig angestiegen. Allein im Verlauf des dritten Quartals seien rund um den Globus etwa 270 entsprechende Fonds hinzugekommen, sodass die Gesamtzahl mittlerweile stolze 7.486 Sammeltöpfe betrage. Im bisherigen Jahresverlauf zähle Morningstar rund um den Globus 801 ESG-Produkt-Neuauflagen.

Das Wachstum gehe im Wesentlichen auf die Europäische Union zurück. 88 Prozent des nach ökologischen und ethischen Kriterien verwalteten Vermögens entfalle auf den Staatenbund. Die USA lägen abgeschlagen auf Platz zwei mit einem Marktanteil von mageren 8,5 Prozent. Als ein Grund für die herausragende Entwicklung auf dem alten Kontinent führe Morningstar die Regulierung an. Denn in der EU sei im März 2021 die Offenlegungsverordnung in Kraft getreten.

"Die Verordnung hat die Offenlegung von Umwelt-, Sozial- und Corporate-Governance-Informationen europäischer Fonds wesentlich verbessert", erläutere Morningstar-Analystin Hortense Bioy. "Das wiederum hat zu einer deutlichen Zunahme von Produkten geführt, die unsere Kriterien für 'nachhaltige Investments' erfüllen." Zudem seien zahlreiche Strategien umgewidmet oder umbenannt worden. Innerhalb der ökologischen, sozialen und ethischen Anlagekriterien würden Klimafonds die größte Beliebtheit erfahren.

Mit Blick auf das Nettomittelaufkommen in ESG-Fonds sei das dritte Quartal hinter dem Vorquartal zurückgeblieben. Die Nettomittelzuflüsse hätten sich auf 141 Milliarden Dollar (125 Mrd. Euro) beziffert, elf Prozent weniger als per Ende Juli. Vor allem in Europa und den USA hätten sich die Zuflüsse etwas abgeschwächt. Dafür sei per Ende September in Asien und insbesondere in China und Japan die Nachfrage nach ESG-Fonds deutlich angestiegen.

Zudem habe Morningstar gesondert für die EU ausgewertet, wie sich die in der Region zum Vertrieb zugelassenen Fonds in die verschiedenen Stufen der Offenlegungsverordnung in herkömmliche, "hellgrüne" und "dunkelgrüne" Ansätze einsortieren würden. So hätten per Ende September 21,7 Prozent der Vehikel reklamiert, Umwelt- und/oder sozial Aspekte (Artikel 8) zu berücksichtigen, 2,8 Prozent würden für sich in Anspruch nehmen, "nachhaltige Ziele" zu verfolgen (Artikel 9). "Zusammen machen die beiden Kategorien rund ein Viertel des gesamten Fondsuniversums in der EU aus", halte Morningstar-Analystin Bioy fest. Dies bestätige erste Analysen des Hauses nach Inkrafttreten der Verordnung.

Zuletzt deutlich zugenommen hätten die Nettozuflüsse in Fonds nach Artikel 8 und 9. Sie hätten per Ende September fast 57 Prozent aller Zuflüsse im untersuchten Universum ausgemacht. Im Vergleich dazu habe ihr Anteil im zweiten Quartal bei 44 Prozent gelegen. Die Anbieter würden auf den Trend reagieren. Sie würden verstärkt Fonds auflegen, welche die Transparenz-Anforderungen nach den beiden Artikeln erfüllen würden oder bestehende Produkte entsprechend umklassifizieren, zeige die Morningstar-Analyse.

Die Entwicklung in Deutschland folge diesem Trend. Einer Auswertung des Branchenverbands BVI zufolge hätten nachhaltige Publikumsfonds per Ende September ein Vermögen von 339 Milliarden Euro für ihre Anleger verwaltet, das entspreche 24 Prozent des gesamten deutschen Publikumsfondsvermögens. Spezialfonds seien auf 113 Milliarden Euro gekommen. Inzwischen sei mehr als jeder achte Euro, den deutsche Kunden in Fonds investieren würden, nach nachhaltigen Kriterien angelegt, melde der Verband. (News vom 23.11.2021) (24.11.2021/fc/n/s)