M&G startet neues Gebührenmodell mit Mengenrabatt - Fondsnews


09.07.19 11:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Das Traditionshaus M&G stellt die Gebührenordnung für seine britischen Fonds um, so die Experten von "FONDS professionell".

Dabei würden die meisten einzelnen Aufwendungen zu einer einheitlichen Jahresgebühr zusammengefasst. Dies gehe aus einem Leitfaden hervor, den die Gesellschaft an Vertriebspartner verschickt habe. Abgesehen von den Transaktions- sowie außerordentlichen Rechts- und Steuerkosten decke die neue Pauschale alle bisherigen Einzelposten ab. Dazu würden beispielsweise die Verwaltungs- und Verwahrstellengebühren oder die Aufwendungen für Wirtschaftsprüfer zählen.

"Viele dieser Kosten variieren von einem Berichtszeitraum zum nächsten. Dies führt zu einer gewissen Unvorhersehbarkeit der Anlagekosten", begründe das Haus in dem Leitfaden den Schritt. Mit der neuen Struktur würden die einzelnen Posten zu einer einheitlichen Jahresgebühr zusammengerechnet. "Dadurch werden die derzeit variablen Gebühren effektiv festgelegt und begrenzt."

Die neue Gebührenordnung solle zum 1. August 2019 in Kraft treten, gelte aber vorerst nur für die in Großbritannien beheimateten Fonds. Ob das neue Tarifmodell auch bei dem Luxemburger Sortiment eingeführt werde, habe das Haus auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE noch nicht verraten wollen. Der Schluss liege jedoch nahe, dass die Gesellschaft darüber nachdenke, die neue Preistabelle auch für andere Regionen zu übernehmen.

Angesichts steigender Kosten und der zunehmenden Konkurrenz, etwa durch günstige, börsengehandelte Indexfonds (ETFs) sowie der strikteren Überwachung durch Aufseher und Verbraucherschützer, würden die Gebühren im Asset Management unter Druck geraten. Die Anbieter würden daher emsig nach Auswegen suchen. Einige hätten alternative Preismodelle entwickelt. So habe Fidelity die sogenannte Fulcrum Fee eingeführt. Bei dieser steige und falle die Vergütung des Portfoliomanagements je nach dem erwirtschafteten Investmentertrag. Ein ähnliches Modell habe das österreichische Haus Spängler IQAM eingeführt, auch Allianz Global Investors teste es.

Obendrein räume M&G eine Art "Mengenrabatt" ein. Bei Portfolios mit mehr als einer Milliarde Pfund an verwaltetem Vermögen sinke die Jahresgebühr um 0,02 Prozentpunkte. Für jede weitere Milliarde Volumen ermäßige sich die Gebühr um weitere 0,02 Prozentpunkte, also um insgesamt 0,04 Prozentpunkte. Die Rabatt-Staffelung reiche bis zu einem Volumen von sechs Milliarden Pfund und einer Ermäßigung um 0,12 Prozentpunkte.

Die Begrenzung auf die Sechs-Milliarden-Marke begründe das Haus damit, dass es derzeit unwahrscheinlich sei, dass Fonds ein höheres Volumen erlangen würden. Sollte dieser Fall jedoch eintreten, würde über eine Fortsetzung der Staffelung nachgedacht. Der "Mengenrabatt" sei M&G zufolge per Ende April für zwölf der in Großbritannien angesiedelten Fonds in Frage gekommen. Dies entspreche zwar nur jedem vierten Portfolio im Sortiment, aber diese Fonds hätten fast 63 Prozent des Wertes der Anlagen in der gesamten britischen Fondspalette ausgemacht.

Ob für einen Fonds eine Ermäßigung gelte, werde vierteljährlich geprüft. Dabei räume das Haus einen Puffer von 100 Millionen Pfund ein. Ein Beispiel: Falle das Volumen eines Portfolios zum Stichtag unter die Milliardenmarke, jedoch nicht unter 900 Millionen Pfund, bleibe die Ermäßigung bestehen. Aber: Der Puffer gelte nicht nach oben. Sobald das Fondsvolumen zu den vierteljährlichen Stichtagen eine Milliardenhürde genommen habe, sinke die Jahresgebühr entsprechend. Bei Fonds mit fünf und sechs Milliarden Euro Volumen betrage der Puffer 200 Millionen Pfund.

"Ermäßigungen werden an Anleger weitergegeben, bei denen sich Kosteneinsparungen aus der Größe eines Fonds ergeben", würden die Briten den Rabatt begründen. "Je höher der Wert eines Fondsvermögens ist, desto geringer ist der relative Anteil der Fixkosten für dessen Verwaltung und Management." Schrumpfe das Volumen jedoch wieder, "ergeben sich geringere Kosteneinsparungen durch Skaleneffekte, die M&G in Form von Ermäßigungen weitergeben kann".

Aus diesem Grund sollten Ermäßigungen auf Jahresgebühren eher als vorübergehende denn als dauerhafte Vergünstigung angesehen werden, rate das Haus. Andere Gesellschaften hätten bei steigendem Fondsvolumen ebenfalls die Gebühren gesenkt, so etwa der Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz bei seinen Phaidros-Fonds oder bereits im Jahr 2015 J.P. Morgan Asset Management. Perfektioniert habe das Modell, die Skaleneffekte über sinkende Gebühren an Anleger weiterzugeben, der US-Indexfondsgigant Vanguard, der genossenschaftlich organisiert sei und daher keinen Gewinn erwirtschaften müsse.

M&G hebe in dem Leitfaden hervor, dass die einheitliche Jahresgebühr und die Ermäßigung bei hohen Volumen keine durchgängige Gebührensenkung darstelle. "Nicht bei allen Anteilsklassen werden Änderungen vorgenommen - die Gebühren bleiben in einigen Fällen unverändert", heiße es. Manchmal seien die Einsparungen auch nur marginal. Dennoch würden viele Anleger von deutlich niedrigeren Kosten profitieren. Die Gesellschaft betone zudem: "Die neuen Jahresgebühren werden nicht höher sein als die bisherigen Gebühren. Dies bedeutet, dass keinem Anleger dadurch Nachteile entstehen." Eine Liste mit den neuen Gebührensätzen für alle Fonds habe das Haus auf seiner Internetseite veröffentlicht.

Mit der bisherigen Begrenzung auf britische Fonds würden hierzulande praktisch nur die Altanleger des M&G Global Themes, früher als Global Ressources bekannt, in den Genuss der neuen Tarifstruktur kommen. M&G habe als Vorkehrung für einen harten oder ungeregelten Brexit kontinentaleuropäische Anleger in eine neue Luxemburger Fondspalette umgehoben. Auch beim Global Themes lotse M&G Neuanleger mittlerweile in einen im Großherzogtum beheimateten Fonds. Das Traditionshaus habe zu den wenigen Asset Managern gezählt, die im großen Stil britische Vehikel auf dem europäischen Kontinent vertrieben hätten. (09.07.2019/fc/n/s)





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