Loys-Starfondsmanager Bruns: "Ich mag den Value-Begriff nicht" - Fondsnews


13.06.19 12:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Christoph Bruns managt bei der Investmentboutique Loys den Aktienfonds Loys Global und den Mischfonds Loys Global MH, so die Experten von "FONDS professionell".

Im Interview erkläre er, warum Aktiensparen für ihn alternativlos sei und in Deutschland gefördert werden sollte - und weshalb er sich nicht als Value-Investor sehe.

Loys-Starfondsmanager Christoph Bruns glaube nicht daran, dass die Europäische Zentralbank in absehbarer Zeit den Leitzins erhöhen werde und halte Aktiensparen für alternativlos als Altersvorsorgelösung. Daher, so seine Meinung, müsste diese Anlageform hierzulande dringend gefördert werden. "Fakt ist, dass Deutschland durch die Fehlallokation in festverzinsliche Geldanlagen verglichen mit anderen Ländern in der Vermögensstatistik schlecht dasteht und weiter zurückfällt", erkläre Bruns im Interview mit "FONDS professionell". "Damit wir nicht direkt in eine Krise der Altersversorgung schlittern, müsste die Bundesregierung in dieser Situation Anreize für das Aktiensparen setzen, aber das ist nicht zu erwarten", so Bruns.

In der Bundespolitik herrsche offenbar kein Bewusstsein für dieses Problem. "Ich habe kürzlich den langjährigen CDU-Bundestagsabgeordneten und Rechtsexperten Wolfgang Bosbach getroffen und ihn gefragt, ob in Berlin denn niemand sieht, dass wir eine Fehlallokation des Volksvermögens haben", berichte Bruns. "Darauf bekommt man keine Antwort, das ist offensichtlich nicht von Interesse." Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) messe dem Thema keine Bedeutung bei. "Und wir haben ja gesehen, wie die Reaktionen auf die Vorschläge von Friedrich Merz zur Förderung einer Aktienkultur ausgefallen sind", sage Bruns. "Mit solchen Ideen können Sie hierzulande keinen Stich machen."

Bruns selbst halte eine Abkehr von Zinspapieren aber nicht nur für wichtig. Er habe auch konkrete Vorstellungen davon, wie sie sich bewerkstelligen ließe. "Ändern wir doch das Steuergesetz so, dass Verluste aus Aktiengeschäften mit anderen Einkunftsarten verrechnet werden dürfen", schlage er vor. "Wenn es an der Börse nach unten geht, wären Verluste etwa vom Einkommen abzusetzen. Wenn es hoch geht, fällt es Anlegern leichter, Steuern zu zahlen", sei er überzeugt. Auf diese Weise könnte den Bundesbürgern die "Angst vor der Aktie" genommen werden. Und weil die Unternehmen im Lauf der Zeit wertvoller würden, wäre der Staat der größte Nutznießer.

Der Loys-Starmanager habe noch ein zweites Konzept parat: "Sobald der DAX mal um 30 Prozent fällt, legt die Bundesregierung sofort Staatsanleihen in Höhe von 500 Milliarden Euro auf und investiert das Kapital in Aktien, am besten weltweit", sage er. Was in Norwegen funktioniere, könnte hierzulande zumindest in ähnlicher Form schließlich auch klappen. Die dritte Überlegung von Bruns: "Wenn es nicht der Staat richten soll, könnte man den Bundesbürgern die genannten Steueranreize bieten, sie aber gleichzeitig dazu verpflichten, in Aktien- oder Mischfonds anzulegen", finde er. Jeder dürfte sich selbst ein Portfolio aussuchen. "Es gibt Tausende von Fonds am Markt, da ließe sich schon für jeden etwas finden", sage der Loys-Mann.

Seinen eigenen Aktienfonds, den Loys Global MH, habe Bruns im März dieses Jahres für neue Anleger wieder geöffnet, nachdem er im Herbst 2017 in den Soft Close gegangen sei. "2018 hatten wir eine Korrektur, die uns die Gelegenheit bot, gute Titel günstig zu kaufen", sage Bruns. Wer in dieser Zeit den Mut gehabt habe, habe mit Aktien jetzt wirklich Freude. Der Loys Global MH habe 2018 zwar kräftig gelitten, obwohl er im Vergleich zum Markt deutlich konservativer aufgestellt sei. 19,9 Prozent habe der Fonds verloren. "Aber die Aktienzukäufe sorgen dafür, dass wir 2019 eine sensationelle Performance erzielen werden. Rund 21 Prozent hat der Fonds seit Jahresbeginn schon erreicht", sage Bruns.

Als Value-Investor verstehe sich der Fondsmanager nicht. "Ich mag den Value-Begriff gar nicht und möchte auch nicht in diese Schublade gesteckt werden", erkläre Bruns. "Wir gehen viel pragmatischer vor. Aber wenn Sie fragen, ob wir auf den Zusammenhang zwischen Preis und Wert achten: Ja, das machen wir."

Christoph Bruns, Loys: "Mitunter ist zu lesen, die Deutschen fühlten sich durch die Nullzinspolitik enteignet. Das ist natürlich Unsinn. Bei einer Enteignung bestünde der Zwang, Eigentum abzugeben. Wer aber Geld auf einem Bankkonto hat, ist nicht gezwungen, es dort zu lassen."

"Für Zinsschritte nach oben gibt es keine Chance. Damit sind Aktien für die Altersvorsorge alternativlos."

"Aktien werden in den nächsten Jahrzehnten in etwa das Gleiche machen wie in den vergangenen 50 Jahren. Heute gibt es aber so gut wie keine Zinsen mehr, damit ist der Spread, der Abstand zwischen Aktien- und Anleihenrenditen, viel größer. Das kann die Aktienmärkte ja nur weiter treiben."

"Eine Abkehr von Zinspapieren wäre nicht nur wichtig, sie ließe sich auch relativ leicht bewerkstelligen. Ich könnte sofort einige Konzepte vorlegen."

"Ändern wir doch das Steuergesetz so, dass Verluste aus Aktiengeschäften mit anderen Einkunftsarten verrechnet werden dürfen." (News vom 12.06.2019) (13.06.2019/fc/n/s)





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