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Legg Mason Global Investment Survey: Persönliche Beratung schlägt Computer


03.08.17 12:45
Legg Mason

Baltimore (www.fondscheck.de) - Kapitalanlage und Technik scheint für deutsche Investoren nicht unbedingt zusammen zu passen, so die Experten von Legg Mason.

Das bestätige einmal mehr die diesjährige Global Investment Survey des internationalen Vermögensverwalters Legg Mason. Für die jährlich durchgeführte Umfrage des Multi-Boutiquen-Hauses seien insgesamt 15.300 Anleger in 17 Ländern befragt worden, darunter 900 Deutsche.

Nur 53 Prozent der Deutschen würden das Internet nutzen, um ihre persönlichen Finanzen zu regeln oder um Zugang zu einem Broker oder einer Investmentgesellschaft zu erhalten. Weltweit seien es 59 Prozent. Auf die Frage, ob Finanz-Apps zum Einsatz kommen würden, hätten dies lediglich 19 Prozent der in Deutschland befragten Investoren bejaht. Im globalen Vergleich würden 35 Prozent der Anleger Finanz-Apps benutzen. Und auch der Internetzugang über Smartphones werde von den Deutschen vergleichsweise wenig genutzt. Nur 43 Prozent der Befragten hierzulande würden von unterwegs aus ihr Smartphone täglich nutzen, um ins Internet zu kommen, weltweit seien es 56 Prozent.

"Über die Jahre etablierte Verhaltensmuster ändern sich nur sehr langsam. Entsprechend vorsichtig öffnen sich Anleger in Deutschland gegenüber neuen Technologien. Die Kapitalanlage ist für Investoren nicht selten mit Vertrauen zum Berater verbunden. Daher halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass Menschen künftig ausschließlich über Computer oder Smartphone investieren", interpretiere Klaus Dahmann, Niederlassungsleiter und Country Head Deutschland & Österreich bei Legg Mason, die Ergebnisse der Global Investment Survey. "Das Modell der Zukunft wird eine Mischung aus Mensch und Maschine sein, gerade weil das Vertrauen bei der Kapitalanlage eine so große Rolle spielt."

Man könnte auch meinen, dass die Zurückhaltung etwas mit dem Alter der befragten Anleger zu tun habe und die Generation derer, die zwischen 1980 und 2000 geboren seien, die so genannten Millennials, dem technischen Fortschritt bei der Kapitalanlage deutlich offener gegenüber stünden. Ein Trugschluss, wie die Legg Mason-Studie nun belege. Grundsätzlich würden mit 57 Prozent tatsächlich mehr Millennials das Internet nutzen, um ihre persönlichen Finanzen zu regeln, als die 49 Prozent in ihrer Elterngeneration - die so genannten Baby-Boomer. Und auch bei den Apps seien es mit 36 Prozent viermal mehr Millennials als Baby-Boomer (neun Prozent). Doch selbst in dieser jungen Generation würden die Deutschen mit ihrer Technologie-Aufgeschlossenheit deutlich hinter dem weltweiten Durchschnitt zurückliegen. Im globalen Vergleich würden nämlich 65 Prozent der Millennials und 52 Prozent der Baby-Boomer das Internet nutzen, während 50 Prozent der Millennials und 21 Prozent der Baby-Boomer Apps zum Management der persönlichen Finanzen oder zum Kontakt mit Brokern und Investmentgesellschaften einsetzen würden.

Deutsche Millennials würden sich hingegen überwiegend an Freunde und Familie wenden, um Informationen über langfristige Spar- und Anlagemöglichkeiten zu erhalten. Das hätten nahezu zwei Drittel (63 Prozent) aller deutschen Millennials und damit deutlich mehr als im weltweiten Schnitt der jüngeren Generation (51 Prozent) gesagt. Zudem würden nur 16 Prozent der deutschen Millennials Online-Portale zur Durchführung von Finanzgeschäften nutzen - im Vergleich zu 23 Prozent im globalen Durchschnitt der jüngeren Generation. Dieses offensichtliche Desinteresse an Online-Dienstleistungen im Finanzbereich ziehe sich auch durch die Generationen fort und zeige sich bei den älteren Befragten entsprechend stark ausgeprägt. Lediglich 13 Prozent der deutschen Generation X (36 bis 52-Jährige) und nur acht Prozent der Baby-Boomer würden Online-Finanzportale nutzen. Auch diese Angaben würden deutlich unter den weltweiten Durchschnittswerten von 17 beziehungsweise zwölf Prozent liegen.

"Eine mögliche Erklärung für die Zurückhaltung deutscher Anleger gegenüber digitalen Finanzprodukten und -dienstleistungen: die geringe Zufriedenheit mit dem derzeitigen Angebot - zumindest legen das die Ergebnisse unserer diesjährigen Global Investment Survey nahe", glaube Dahmann. Der Zufriedenheitswert deutscher Investoren mit digitalen Produkten oder Finanzdienstleistungen, welche sie von ihren Finanzberatern erhalten würden, liege bei nur 3,29. Das sei deutlicher unter dem weltweiten Schnitt von 3,68 und auch im europäischen Vergleich am niedrigsten (Frankreich 3,31, Spanien 3,35, Italien 4,07, Belgien 3,65, Schweiz 3,57, Schweden 3,49).

Vor allem das Fonds-Research sowie die Internet-basierten Handelssysteme würden von deutschen Anlegern kritisiert. Lediglich 18 beziehungsweise 17 Prozent würden Produkte in diesen beiden Kategorien als zufriedenstellend bewerten. Da wundere es nicht, dass insgesamt lediglich 21 Prozent der Deutschen Online-Instrumente und Apps als Ersatz für eine persönliche Finanzberatung ansehen würden. Weltweit seien es doppelt so viele der Befragten. Deutsche Millennials seien auch hier keine Ausnahme, auch wenn der Wert mit 31 Prozent deutlich höher sei als im deutschen Durchschnitt. Im weltweiten Vergleich seien für 49 Prozent der befragten Millennials die Online-Instrumente und Apps ein Ersatz für die persönliche Beratung.

"Der persönliche Kontakt mit einem Berater vor Ort wird in Deutschland ein wesentlich stärkeres Element der Spar- und Anlageprozesse bleiben, als es vielleicht in anderen Ländern der Fall sein wird", laute daher das Fazit des Legg Mason-Deutschlandchefs Dahmann. (03.08.2017/fc/n/s)