Jupiter-Chef Formica: "Wir sind sehr demütig, wenn Leute zurückkommen" - Fondsnews


03.12.19 12:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Andrew Formica hatte über ein Dutzend globaler Angebote, Chef einer Fondsgesellschaft zu werden, so die Experten von "FONDS professionell".

Im Gespräch mit "FONDS professionell" erzähle er, warum er Jupiter AM gewählt habe. Gemeinsam mit Karl Banyai, dem neuen Verantwortlichen für Österreich und Deutschland, spreche er über hohe Ziele.

Beim britischen Vermögensverwalter Jupiter habe ein neues Management die Ärmel hochgekrempelt. Seit März diesen Jahres sei Andrew Formica Vorstandsvorsitzender. Der neue Wind, den der lebhafte Australier bringe, sei deutlich spürbar, wie sich im Gespräch mit "FONDS professionell" zeige, das in voller Länge in der aktuellen Heftausgabe 04/2019 erschienen sei.

Zum Beispiel würden die Länderverantwortlichen mehr Autonomie bekommen. Außerdem treffe man in der Branche wohl selten einen CEO, der so unablässig die Leistungen einzelner Fondsmanager namentlich herausstreiche. Das hänge sicher auch damit zusammen, dass Formica selbst einst im Fondsmanagement tätig gewesen sei. Die Botschaft sei aber klar: Aktives Management gelinge nur, wenn Investoren Portfoliomanagern vertrauen würden - gerade wenn es um kontroversielle Meinungen gehe.

So sei Formica etwa als neuer Chef mit hohen Abflüssen konfrontiert, die unter anderem 2018 im Dynamic Bond Fund entstanden seien, den Ariel Bezalel mit einer starken Überzeugung gesteuert habe. "Er sagte, dass die US-Zinsen sinken und sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt, zu einer Zeit, da alle vom Gegenteil ausgingen. Ein halbes Jahr später war seine Ansicht Konsens. Er managt nun wahrscheinlich den Fonds mit der besten Performance der letzten sechs oder zwölf Monate. Die Kunden kommen zurück. Unserer Reputation hat das geholfen. Das ist, was man von High-Conviction-Managern erwartet, dass sie eine Meinung haben. Wir sind sehr demütig, wenn Leute zurückkommen", so Formica.

Seine Entscheidung für Jupiter sei sehr bewusst gefallen, sage der neue Chef. Er habe sich über ein Dutzend globaler Angebote angeschaut. "Manche haben über aktives Management geredet, es aber nicht gelebt. Viele hatten nicht den Fokus auf den Kunden, eine schwierige Eigentümerstruktur oder nicht die richtigen Leute, um gute Ergebnisse zu erzielen. Manche waren nahe am 'Billionen-Dollar-Club', viel größer als Janus Henderson. Ich habe Jupiter gewählt", sage Formica.

In dem Interview spreche er auch über seinen Ruf als "Dealmaker". Diesen habe er sich bei der Fondsgesellschaft Henderson erworben, deren Chef er bis Mitte 2018 gewesen sei. Sein größter Deal sei die Fusion mit Janus zum Riesen Janus-Henderson im Jahr 2017 gewesen. Bei Jupiter spreche sich Formica entschieden gegen größere Übernahmen aus, da die Gesellschaft gerade wegen ihrer schlanken Struktur sehr gut aufgestellt sei. Jupiter konzentriere sich auf wenige Dinge, die man sehr gut beherrsche. "Wir leben in einer Zeit, in der Komplexität Gesellschaften umbringen kann. Wenn gerade Wendigkeit deine Stärke ist, solltest du keine Übernahmen machen, die dich nur verlangsamen", so Formica. Allerdings halte man nach kleineren Teams oder Talenten Ausschau.

Einer der Schwerpunkte von Formica sei der Ausbau des institutionellen Geschäfts. Es mache derzeit nur zehn Prozent aus. "Ich strebe in den kommenden drei bis fünf Jahren ungefähr 25 Prozent an", sage der neue Jupiter Chef. Die Struktur sei in den vergangenen Jahren bereits dafür vorbereitet worden.

Er wolle mit Qualität punkten und nicht der billigste Anbieter am Markt sein. Im Fokus stünden High Conviction und ein klares Commitment zum Kunden. "Wenn jemand mit einem 500-Millionen-Euro-Mandat zu Invesco, BlackRock oder Schroders geht, sagen die, das ist nett, aber nicht so gewichtig", so Formica. Für Jupiter seien solche Mandate hingegen ein großer Gewinn. "Unsere Zusage an Investoren ist, dass sie etwas ­Besonderes sind. (...) Wir sehen das als echte Partnerschaft. Viele große Konkurrenten hatten Probleme, dieses Level der Partnerschaft aufrechtzuerhalten", so Formica.

Dass der vormalige Österreich-Chef Karl Banyai nach dem Abgang von Andrej Brodnik seit kurzem auch das Büro in Frankfurt leite, sei eine Anerkennung dessen, was Banyai aufgebaut habe, sage Formica. Banyais Ziele: "Wir haben sehr hohe Erwartungen. Angesichts der neuen Manager und unserer ausgebauten Kapazitäten wäre ich nicht überrascht, wenn wir in fünf Jahren die Assets under Management verdoppelt haben".

In Österreich solle das Wholesale-Geschäft ausgebaut werden: "Vermögensverwalter, Dachfonds und Pensionskassen sind hier die wichtigsten Kunden, die unsere Publikumsfonds in der institutionellen Anteilsklasse kaufen können". In Deutschland hingegen wolle Jupiter gezielt auch im klassischen Mandate-Bereich wachsen. "Wir haben gerade ein größeres Mandat gewonnen, das sehr gut läuft, und erwarten uns weitere Kunden", so Banyai.

Andrew Formica: "Ich gebe den Länderverantwortlichen mehr Freiheit. Sie hatten vorher eher die Rolle, zentrale Vorgaben zu kontrollieren und durchzuführen."

"Wir sehen eine Welt, in der es nur um Größe zu gehen scheint. Manche stellen in Frage, ob Jupiter überleben kann. Meine Antwort ist: 'Absolut!' Groß bedeutet nicht, dass man automatisch die Kundenbedürfnisse trifft oder die regulatorischen Erfordernisse. Kleinere Firmen können in Wirklichkeit recht wendig sein".

"Die jüngst rekrutierten Portfoliomanager - Talib Sheikh, Mark Nichols, Mark Heslop oder Alejandro Arevalo - kennen nicht nur das Retailsegment, sondern haben einen starken institutionellen Hintergrund. Das gibt uns die Chance, dieses Geschäft auszubauen. Wir haben außerdem in den vergangenen Jahren viel in unsere Systeme und Technologie investiert, sodass wir segregierte Mandate nun einfach betreuen können."

Karl Banyai leite seit kurzem Österreich und Deutschland: "Die neuen Fondsmanager Mark Heslop und Mark Nichols decken zum Beispiel die Themen europäische Aktien, KMU und European Growth ab. Die beiden hatten davor bei Columbia Threadneedle viele sehr zufriedene Kunden, die jetzt bei Jupiter wieder in diese Strategie investieren wollen. Das gibt uns einen guten Auftrieb für 2020".

Formica sehe ein herausforderndes Umfeld für die Fondsbranche: "Wir haben einen zehnjährigen Bullenmarkt. Eigentlich müsste man da als Entscheider glücklich sein. Aber ich fühle genau das Gegenteil: Der Wind der Veränderung ist einfach so stark. Wir müssen sehr agil sein. Bis jetzt hat die Finanzindustrie immer nur einen Schritt nach dem anderen getan. Diesmal müssen wir wahrscheinlich in viele verschiedene Richtungen laufen, bevor wir eine Entscheidung treffen." (News vom 02.12.2019) (03.12.2019/fc/n/s)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
10,62 € 10,63 € -0,01 € -0,09% 28.01./00:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
LU0459992896 A0YC40 10,87 € 10,10 €