Jeder dritte Kunde plant, seinen Wealth Manager zu wechseln - Fondsnews


10.09.19 13:15
e-fundresearch.com

Wien (www.fondscheck.de) - Jeder dritte vermögende Privatkunde in Deutschland (33 Prozent) ist bereit, innerhalb der nächsten drei Jahre seinen Wealth Manager zu wechseln, so die Experten von "e-fundresearch.com".

Dies entspreche einem Wechselpotenzial von rund 1,5 Billionen Euro Assets under Management (AuM), wie die Ergebnisse des German Wealth Management Research Report 2019 der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) nahelegen würden. Für die Studie seien weltweit 2.000 vermögende Wealth Management Kunden aus 26 Ländern, davon mehr als 150 aus Deutschland, befragt worden. Die Ergebnisse für den deutschen Markt seien heute erstmals vorgestellt worden.

Zwar würden deutsche Kunden im internationalen Vergleich zu den loyalsten gehören: In den vergangenen drei Jahren hätten sich "nur" 37 Prozent für eine Veränderung bei ihrem Wealth Manager entschieden, gegenüber 43 Prozent im europäischen Durchschnitt. Immerhin ein Drittel (33 Prozent) der Befragten sei jedoch bereit, innerhalb der nächsten drei Jahre ihren Wealth Manager zu wechseln (Europa: 39 Prozent). Wechselwillig seien vor allem jüngere Investoren (Millennials und Generation X) sowie diejenigen mit einer höheren Risikobereitschaft bei ihren Investments.

Die Ergebnisse der Studie würden darauf hindeuten, dass niedrige Gebühren und Preistransparenz (57 Prozent) die Hauptgründe dafür seien, einen Anbieterwechsel zu erwägen. Zwei Drittel der wohlhabenden Kunden in Deutschland (66 Prozent) würden Kosten sehr kritisch hinterfragen und verdeckte Gebühren fürchten (Europa: 52 Prozent). Durchschnittlich würden sie - über alle Assetklassen und Strategien hinweg - fixe Entgelte in Höhe von 1,5 bis 1,9 Prozent des betreuten Investmentvolumens (AuM Fee) zahlen.

Im Zusammenhang mit Anforderungen an die Kosteneffizienz dürften Indexfonds (ETF) in den Portfolien der vermögenden Klientel eine weitere Aufwertung erfahren. Dieser Trend zeichne sich im breiten Private Banking- und Vermögensverwalter-Markt ab: Jeweils 31 Prozent der Umfrageteilnehmer hätten bereits fest eingeplant oder würden erwägen, Assets auf Anbieter passiver Investments zu übertragen.

Jenseits dieser Kostenkriterien komme der kundenorientierten Betreuung durch den Wealth Manager in Deutschland weiterhin eine hohe Bedeutung zu. 54 Prozent der deutschen Kunden würden die persönliche Beziehung, vor allem in herausfordernden Marktphasen, für besonders wichtig halten. Im europäischen Schnitt seien es lediglich 45 Prozent.

FinTechs würden in immer mehr Anwendungsbereichen den Weg in die Praxis finden und seien zu ernstzunehmenden Konkurrenten etablierter Anbieter geworden. Auch für technologiegetriebene Firmen, die digitale Wealth Management-Lösungen anbieten würden, sei das Potenzial enorm: Der Anteil an Private Wealth-Kunden, die FinTechs in den kommenden drei Jahren nutzen wollten, steige in Deutschland um 54 Prozent. Dies sei weltweit eine der höchsten Steigerungen (europäischer Durchschnitt: 42 Prozent) und ergebe sich aus den Erwartungen in Relation zum derzeitigen Stand der Nutzung.

"Für FinTechs wie auch etablierte Wealth Management-Anbieter wird es darauf ankommen, die wandelnden technologischen und persönlichen Bedürfnisse der Kunden zu antizipieren", so Sebastian Schaefer, Director und Wealth Management Leader Germany der Financial Advisory Practice von EY. "Angebote sollten entlang etwaiger Lebenseinschnitte - etwa Unternehmensgründungen, berufliche Veränderungen, Erbfälle oder persönliche Vorhaben der Kunden - flexibel ausrichtbar sein. Diese bieten oftmals Anlässe für den Einsatz, aber auch den Wechsel, eines Wealth Managers". EY erwarte, dass im Wealth Management-Markt strategische FinTech-Akquisitionen und Kooperationen stattfinden würden, um digitale Geschäftsbereiche weiter auf- beziehungsweise auszubauen.

Dass die Transformation der Wealth Management-Branche in rasantem Tempo voranschreite, spiegele sich auch in der Nutzung mobiler Applikationen wider. Die Bedeutung dieses Themas sei von den Studienteilnehmern in der Vorgängerbefragung aus dem Jahr 2016 noch weitgehend unterschätzt worden. Damals hätten 15 Prozent der Befragten angegeben, dass sie planen würden, bis 2019 mobile Apps für die Interaktion mit dem Vermögensverwalter zu nutzen. Heute würden mobile Apps von 27 Prozent der deutschen Wealth Management-Kunden als bevorzugter Kanal genutzt. Sebastian Schäfer rechne damit, dass die Nutzung mobiler Technologien im Wealth Management-Sektor weiter steigen werde: "Neben mobilen Apps, die zu einem präferierten Kanal aufsteigen, werden wir zunehmend neue, digitale Assistenten sehen, welche die Kundeninteraktion ergänzen oder teilweise gar komplett übernehmen".

Der Bedarf für die Vermögensberatung sei weiterhin hoch, deren Definition verändere sich jedoch stetig. Deutsche Wealth Manager müssten sich an neue Anforderungen und individuelle Anlegerbedürfnisse anpassen. Um Kunden zu gewinnen oder bestehende Mandanten zu binden, seien Investitionen in entsprechende Omnichannel-Strategien inklusive mobiler Kanäle erfolgskritisch. Preistransparenz und Vertrauen seien für das Arbeitsverhältnis wichtig. Wettbewerbsvorteile würden daher Ansätze versprechen, die digitale Lösungen effizient mit persönlichem Kontakt verbinden würden. (10.09.2019/fc/n/s)