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Französischer Fondsriese peilt Übernahmen und Börsengang an - Fondsnews


03.11.21 13:15
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Der Vorstandschef der französischen Investmentbank Natixis will die Fondssparte seines Hauses durch Zukäufe stärken, so die Experten von "FONDS professionell".

Um eine Übernahme zu finanzieren, wäre auch ein Börsengang der Einheit eine Option, habe Nicolas Namias der Wirtschaftszeitung "Financial Times" (FT) gesagt. Natixis Investment Managers verwalte ein Vermögen von rund 1,2 Billionen Euro und zähle damit zu den Branchenriesen in Europa. Zum Vergleich: Der größte Anbieter des Kontinents Amundi verwalte gut 1,8 Billionen Euro.

"Wir sind eindeutig die Konsolidierer in dieser Branche", gebe sich Namias selbstbewusst. Zudem habe er konkretisiert, dass "Asien sicherlich ein Gebiet für die Expansion ist". Der Natixis-Chef betone, dass er "strategischen Spielraum" habe und "die Vermögensverwaltungssparte an die Börse bringen könne, um ein großes M&A-Projekt zu finanzieren".

Doch bis es dazu komme, seien ein paar Altlasten zu schultern. Die Größte von ihnen heiße H2O. Die als Dachgesellschaft für Investmentboutiquen agierende Natixis Investment Managers sei durch riskante Engagements der Tochter in Turbulenzen geraten. H2O-Starmanager Bruno Crastes und sein Team hätten in zum Teil illiquide Wertpapiere investiert, die dem Umfeld des schillernden deutschen Finanziers und Hertha-BSC-Sponsors Lars Windhorst zuzurechnen seien. Als die Verquickung bekannt geworden sei, hätten Anleger Milliarden aus den H2O-Fonds abgezogen. In der Folge des Corona-Crashs habe das Haus einige Fonds zeitweilig einfrieren und illiquide Teile der Portfolios abwickeln müssen.

Nach den imageschädigenden Vorfällen habe Natixis beschlossen, die Beteiligung an H2O zu verkaufen. Geplant sei gewesen, dass das Management um H2O-Gründer Crastes die Anteile übernehme, doch diese Transaktion sei immer noch in der Schwebe, wie die "FT" berichte. Offenbar gebe es heftige Bedenken der Aufseher. Details dazu habe Natixis-Chef Namias gegenüber der Zeitung nicht kommentieren wollen. Er verweise lediglich darauf, dass H2O den Fondsvertrieb selbst übernommen habe und die Finanzergebnisse der Boutique bilanziell nicht mehr der Dachgesellschaft zugerechnet würden.

Neben den Wirren um H2O leide die Investmentbank Natixis auch unter herben Verlusten aus dem Handel mit Aktienderivaten. In der Folge habe die Muttergesellschaft, die französische Genossenschaftsbank BPCE, das Institut im Frühjahr von der Börse genommen. Zuvor sei der damalige Vorstandschef gegen Nicolas Namias ausgetauscht worden. Dieser versuche nun, das Haus in ruhigeres Fahrwasser zu lenken.

Trotz der Wirren um H2O verteidige Namias die Aufstellung der Fondseinheit als Boutiquendach. Bei diesem Modell übernehme Natixis Investment Managers Mehrheitsanteile an kleineren Investmentgesellschaften. Diese würden Zugang zu dem nach eigener Darstellung weitreichenden Marketing- und Vertriebskanal der Franzosen erhalten, könnten aber ihre Anlagestrategie weitgehend selbstständig weiterverfolgen.

Natixis sei derzeit der größte Investmentmanager der Welt, der diese Art von dezentraler Geschäftsstruktur habe, betone Namias gegenüber der "FT". Dies ermögliche es dem Unternehmen, von verschiedenen Anlagestrategien und Talenten zu profitieren, solange es gute Systeme zur Einhaltung der Vorschriften gebe. Nach den Vorgängen bei H2O habe Natixis zwar eine interne Überprüfung des Risiko-Managements und der Compliance-Kontrolle eingeleitet, den daraus folgenden Bericht aber unter Verschluss gehalten. (03.11.2021/fc/n/s)