Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen: "Manche Wette war einfach zu riskant" - Fondsnews


01.10.19 12:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Mitten in die Finanzkrise von 2008 hinein aufgelegt, entwickelte sich der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen vom ursprünglichen Geheimtipp schnell zu einem der Topseller der Fondsbranche, so die Experten von "FONDS professionell".

Zu Recht, wie dessen Portfoliomanager Frank Fischer durch überdurchschnittliche Performanceergebnisse über die unterschiedlichsten Zeiträume mehrfach unter Beweis gestellt habe. Noch heute gehöre der bei Morningstar in der Peergroup "Mischfonds Euro flexibel" geführte Fonds zu den besten drei, was die längerfristige Performance über zehn Jahre angehe.

Was den Fonds und seinen Manager auszeichne, sei das unbeirrbare Festhalten an einem valueorientierten Managementansatz, der von einer tiefen Überzeugung geprägt sei. Frank Fischer selbst gehöre zu den Pilgern von Omaha, die jedes Jahr zur Hauptversammlung der von Value-Legende Warren Buffett gemanagten Berkshire Hathaway reisen würden, um ihrem Vorbild wenigstens einmal im Jahr so nah wie möglich zu sein.

Seit Anfang 2018 leide Fischers Fonds allerdings unter einer merklichen Performanceschwäche. Während der Fondsmanager in nahezu jedem Jahr davor nicht nur die Benchmark, sondern auch seine Peergroup hinter sich gelassen habe, hinke der Fonds auch im laufenden Jahr deutlich hinterher. Das habe auch beim verwalteten Fondsvolumen Spuren hinterlassen, das von seinen Höchstständen bei 3 Milliarden Euro auf inzwischen noch 1,8 Milliarden Euro zurückgegangen sei.

Die Experten von "FONDS professionell" hätten wissen wollen, wie es dazu habe kommen können, und hätten Frank Fischer zu einem gemeinsamen Analysegespräch mit Detlef Glow, Head of EMEA Research bei Refinitiv Lipper, gebeten. Einige ausgewählte Zitate aus dem Hintergrundgespräch mit Frank Fischer:

"Die vergangenen drei Jahre waren durchaus von einer ganzen Reihe von Verwerfungen geprägt. Angefangen von der Brexit-Entscheidung über die Wahl von Donald Trump bis hin zu immer noch weiter anhaltenden Zinssenkungen durch die Notenbanken. Fast schon typisch für uns ist der Impuls, genau in solchen Phasen die eine oder andere attraktiv bewertete Aktie zu kaufen. Wir haben solche Phasen in der Vergangenheit immer wieder gut nutzen können, eben weil wir in der Regel eine relativ hohe Cashposition halten. Das hat uns in den letzten zehn Jahren ausgezeichnet, und das hat uns auch den hohen Zuspruch gebracht, den wir über weite Strecken gehabt haben. Im vergangenen Jahr haben wir das nicht gut gemacht."

"Wir sind bis in den September 2018 hinein durchaus positiv für die Aktienmärkte geblieben, unter anderem weil die Sentiment-Indikatoren, die wir nutzen, uns signalisiert haben, dass die Anleger tatsächlich mehr Aktien haben wollten angesichts der schon damals extrem niedrigen Zinsen. Entsprechend sind wir im Oktober vergangenen Jahres regelrecht auf dem falschen Fuß erwischt worden, als es mit den Kursen nach unten ging an den Märkten. Ich habe an anderer Stelle gesagt: Wir haben richtig eins auf die Mütze bekommen. Was wir falsch eingeschätzt haben: Es fehlte die Marktbreite für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung. Von daher war sicher manche Wette, die wir eingegangen sind, zu riskant."

"Der wichtigste Titel, den wir im Bereich unserer aktivistischen Ideen umgesetzt haben, war das Investment in die Telecom Italia. Wir waren von der Idee durchaus begeistert und hatten auf eine Abspaltung des wertvollen Glasfasernetzes in Italien gesetzt. Allerdings hatten wir den Ausgang der Parlamentswahlen so nicht auf dem Zettel. Die Kombination aus einer linkspopulistischen und einer rechtsradikalen Regierung hat schließlich dazu geführt, dass aus der Abspaltung bisher nichts geworden ist. Dadurch konnte das Unternehmen weder seine Schulden reduzieren noch die von uns erhoffte Dividende zahlen. Inzwischen ist die Position fast vollständig verkauft, denn die Entscheidung hat sich letztlich als Fehler herausgestellt."

"Eine Idee, die ich von der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway aus Omaha mitgebracht habe, basiert auf einem Sparringsgespräch, wie es Warren Buffett beispielsweise mit seinem Partner Charlie Munger oder auch mit seinen beiden jüngeren Investment Managern, Todd Combs oder Ted Weschler, regelmäßig führt. Wie in einer Art Pro und Contra-Gespräch argumentiert der eine für ein Investment in eine Aktie, der andere versucht, möglichst viele und gute Argumente zu finden, die gegen dieses Investment sprechen. Das hat bei uns nicht auf die gleiche Weise funktioniert, aber wir haben es jetzt in etwas anderer Art umgesetzt." (01.10.2019/fc/n/s)





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