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Fondssparer müssen Tiefschläge wegstecken - Fondsnews


07.02.19 13:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Das turbulente Börsenjahr 2018 hat auch manche Anleger, die Fonds besparen, schlimm erwischt, so die Experten von "FONDS professionell".

Das zeige ein Vergleich der jüngsten Sparplanstatistik des BVI mit den Daten von Ende 2017. Dennoch seien Fondssparer gegenüber anderen Vorsorgern im Vorteil - meistens jedenfalls.

Man solle ja immer das Positive suchen, gerade wenn es schwer falle. Sollte das nervenaufreibende Anlagejahr 2018 zu irgendetwas gut sein, dann zu der Erkenntnis, dass auch Fondssparer beziehungsweise ihre Berater irgendwann daran denken sollten, den Investorenlohn einzufahren - sprich: Das Ende des Sparplans ins Auge zu fassen, vor allem, wenn das angesammelte Vermögen demnächst verzehrt werden solle. Denn ähnlich wie bei Einmalanlagen gebe es auch hierfür Termine, die optimal seien - und weniger gute.

Welchen immensen Unterschied gerade mal zwölf Monate machen könnten, selbst wenn man dosiere und zeitlich gestreckt Kapital an die Märkte gebe, hätten viele Fondssparer 2018 leidvoll erfahren müssen - oder würden es von ihren Ansprechpartnern bei Banken und unabhängigen Vermögensverwaltern in den kommenden Wochen mehr oder weniger schonend mitgeteilt bekommen. Ein Vergleich der aktuellen BVI-Wertentwicklungsstatistik für Fondssparpläne per Ende 2018 mit jenen Daten, die der Bundesverband Investment und Asset Management vor einem Jahr herausgegeben habe, zeige: Neben Durchhaltevermögen aufseiten der Anleger sei bei Finanzprofis jetzt vor allem Einfühlungsvermögen gefragt. Doch der Reihe nach.

Auf den ersten Blick biete sich das gewohnte Bild. Wie schon Ende 2017 seien auch per Ultimo 2018 jene Fondssparer besonders fürstlich belohnt worden, die sich für die in den vergangenen zehn Jahren unverändert lukrativste Portfoliogruppe "Aktienfonds Europa Nebenwerte" entschieden hätten: Alle zwischenzeitlich anfallenden Fondskosten und Ausgabeaufschläge miteingerechnet, hätten sie im Schnitt 6,1 Prozent per annum verdienen können.

Überhaupt würden die lohnenswertesten Sparplankategorien erneut allesamt aus dem Aktiensegment stammen, und auch der Umstand, dass die Zehn-Jahres-Renditen der Spitzengruppe über den entsprechenden 20-Jahres-Performances lägen, sei Stammlesern von FONDS professionell ONLINE nicht neu und zudem leicht erklärt: Der letztgenannten Gruppe stecke sozusagen immer noch der Millenniums-Crash "in den Knochen". So weit, so vertraut - aber alles andere als beruhigend.

Auf dem Weg abwärts im Performance-Ranking würden aufmerksame Finanzprofis stutzig: Wer im ungünstigsten Fall seit Anfang 2009 einen global streuenden, anleihebetonten Mischfonds bespart habe, habe sich nicht nur mit einem "Wertzuwachs" von kaum messbaren 0,1 Prozent und damit satten sechs Prozentpunkten weniger pro Jahr als der Nebenwerte-Fan von ganz oben begnügen müssen. Sein Investmentlohn sei sogar karger ausgefallen, als hätte er sein Kapital zeitgleich auf ein Sparbuch gelegt, das im Schnitt der zurückliegenden Dekade immerhin noch 0,3 Prozent an Zinsen eingebracht habe.

Schon an dieser Stelle zeige sich, welche tiefen Kerben das vergangene "Horrorjahr" in der Performancebilanz einiger Fondssparer hinterlassen habe. Doch es gehe noch schlimmer. "FONDS professionell" habe ins Archiv geschaut und die BVI-Sparplanstatistik von Ende 2017 hervorgekramt. Ein Abgleich mit den aktualisierten Daten fördere teilweise bedrückende Fakten zutage.

In Euro ausgedrückt werde der Kahlschlag, den das Verlustjahr 2018 in den Anlagedepots vieler Fondssparer hinterlassen habe, noch deutlicher: Wer zehn Jahre lang Monat für Monat je 100 Euro - also in Summe 12.000 Euro - in einen Fondssparplan gesteckt habe, der zur zweitplatzierten Kategorie "Aktienfonds global" zähle, habe mit einem durchschnittlich guten Portfolio laut der neuesten BVI-Auswertung zum Stichtag 31. Dezember 2018 auf ein Gesamtergebnis von rund 15.380 Euro kommen können.

Klinge nicht schlecht, doch wer ein Jahr früher - also Anfang 2008 - mit einem solchen Sparplan auf international investierende Aktienfonds angefangen und Ende 2017 wieder damit aufgehört hätte, wäre besser gefahren - und zwar viel besser! Ende 2017 seien aus den über die Zeit angelegten 12.000 immerhin rund 18.050 Euro geworden - also satte 2.670 Euro oder 17 Prozent mehr.

Noch krasser sei der Unterschied für Anleger, die mit einem Fondssparplan auf deutsche Aktien Vermögen aufzubauen gehofft hätten: Statt der Ende 2017 angesammelten rund 19.680 Euro hätten Ende 2018 nur noch 14.570 Euro zu Buche gestanden, also 26 Prozent weniger. In sämtlichen relevanten Sparplankategorien sei das bis Ende 2018 angesammelte Vermögen im Vergleich zum Resultat ein Jahr zuvor geschrumpft - mit einer Ausnahme: Besser hätten sich nur Sparplaner gestellt, die auf offene Immobilienfonds gesetzt hätten.

Bei aller Ernüchterung sollten die Ergebnisse nicht überdramatisiert werden. Denn noch etwas belege die Gegenüberstellung: Ausrutscher wie jene vom vergangenen Jahr würden weniger hart ins Kontor schlagen, wenn die Sparplanfristen länger seien. Wie wichtig der Faktor Zeit bei der Geldanlage sei, zeige sich, wenn 20 statt nur zehn Jahre Anlagedauer veranschlagt würden.

Zugegeben: Selbst derart langmütige Sparplaner hätten im Vergleich zu Ende 2017 niedrigere Anlageergebnisse verschmerzen müssen, doch in sämtlichen Kategorien würden die prozentualen Unterschiede kleiner ausfallen als bei jenen, die erst Anfang 2009 mit dem Fondssparen begonnen hätten. Weiterer Pluspunkt: Im Vergleich zur Einmalanlage würden regelmäßige Sparer ebenfalls im Vorteil bleiben - zumindest in der 20-Jahres-Frist und auf Basis von Aktienportfolios.

Und noch etwas stimme: Bevor man beim Fondssparen ans Aufhören denke, müsse man erst einmal damit anfangen. Viele Bundesbürger würden sich trotz mikroskopischer Tages- und Festgeldzinsen bekanntermaßen immer noch schwer tun, ihr Geld rentabel für sich arbeiten zu lassen. Hier müssten Berater reichlich Aufklärungsarbeit leisten, denn an den grundsätzlichen Vorteilen von Fondssparplänen ändere die miserable Saison 2018 wenig.

Fondssparer würden - anders als beispielsweise Inhaber einer Kapitallebensversicherung - finanziell beweglich bleiben und seien stets Herr ihrer Geldanlage. Ohne großen Aufwand würden sich die wiederkehrenden Sparraten aufgrund vorübergehender finanzieller Engpässe reduzieren oder auch mal ganz aussetzen, später wieder aufstocken oder - eine häufig in ihrer Wirkmächtigkeit unterschätzte Variante - von Beginn an dynamisieren lassen, um so einen eingebauten Inflationsausgleich zu erreichen. Bei vielen Banken gehe es schon ab 25 Euro monatlich los, und dank des Zinseszins- und des Durchschnittskosteneffekts, der Kursdellen an den Kapitalmärkten in der langen Frist ausgleiche, könnten selbst aus solch überschaubaren Monatsraten längerfristig kleine Vermögen oder zumindest solide "Notgroschen" entstehen.

Außerdem weise die BVI-Performancestatistik für Fondsgruppen schlichte arithmetische Durchschnitte aus. Solle heißen: Leistungsschwache, vom Volumen her jedoch eher unbedeutende Fonds könnten die ansonsten vielleicht durchaus ansehnliche Wertentwicklung vieler Flaggschiffportfolios nach unten verzerren. Oder anders herum ausgedrückt: Selbst in eher mittelmäßigen Vergleichsgruppen würden sich einzelne Fonds finden, mit denen geduldige Monatseinzahler in den vergangenen zehn Jahren überdurchschnittlich gut gefahren seien.

Welche das seien, würden die Experten in loser Folge für die gängigsten - sprich vertriebsrelevanten - Portfoliokategorien in einer siebenteiligen Serie in den kommenden Tagen verraten. (07.02.2019/fc/n/s)