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Fondsplattformen nehmen H2O-Portfolios aus dem Sortiment - Fondsnews


11.11.20 12:15
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Investments in illiquide Windhorst-Papiere, empfindliche Kursverluste, dann die zeitweilige Schließung und Aufteilung: Die Misere hat nun Folgen für einige H2O-Fonds, so die Experten von "FONDS professionell".

Manche Fondsplattform lasse keine Käufe der betroffenen Portfolios zu, habe FONDS professionell ONLINE erfahren.

Die zeitweilig zugesperrten Fonds der Boutique H2O Asset Management hätten erst jüngst wieder ihre Tore geöffnet. Doch bei manchen Vertriebskanälen seien sie weiterhin gesperrt. So erlaube die Fondsplattform FFB keine Käufe von Fondsanteilen. Kunden könnten diese lediglich verkaufen. Dies gehe aus einer Mitteilung hervor, die FONDS professionell ONLINE vorliege. Das Institut habe auf Anfrage die Entscheidung bestätigt. Die Bank sei damit nicht allein. Dies zeige eine Umfrage der Redaktion unter weiteren deutschen Fondsplattformen.

Hintergrund der Schließung seien massive Investments von H2O-Gründer und Frontmann Bruno Crastes in illiquide Anleihen, die dem Umfeld des schillernden Investors Lars Windhorst zuzurechnen seien. Als diese Verquickung vor einem Jahr durch die "Financial Times" ans Tageslicht gekommen sei, hätten Anleger Milliarden von der Boutique abgezogen. Im Zuge der Coronakrise hätten einige Portfolios empfindlich an Wert eingebüßt - und teilweise die anschließende Erholung an den Finanzmärkten verpasst. In der Folge habe die französische Finanzaufsicht die Schließung von drei Fonds veranlasst. H2O sei Der Aufforderung Ende August 2020 nachgekommen und habe zudem vier weitere Publikumsfonds zugesperrt.

In der Schließungszeit habe H2O die Portfolios aufgeteilt. Die illiquiden Investments seien in sogenannte "Sidepockets" verschoben worden. Diese "Seitentaschen" seien ein erst kürzlich eingeführtes Instrument zur Liquiditätssteuerung bei Publikumsfonds. Diese illiquiden Teile sollten abgewickelt werden und würden bis zur Liquidierung geschlossen bleiben. Die Fonds mit den liquiden Wertpapiere seien hingegen Mitte Oktober wieder für Anteilsausgabe und -rücknahme geöffnet worden.

Kunden der FFB könnten jedoch die liquiden H2O-Fonds nur zurückgeben, aber keine Anteile mehr erwerben. Die zum Asset-Management-Riesen Fidelity International zählende Bank begründe den Schritt mit einem Verweis auf die in der Finanzmarktrichtlinie Mifid verankerte Sorgfaltspflicht. "Als Mifid-reguliertes Unternehmen müssen wir unsere Entscheidungen verantwortungsvoll und im besten Kundeninteresse treffen", teile die zu Fidelity International gehörende Bank mit. "Unserer Ansicht nach kommen wir mit diesem Schritt unserer Pflicht nach."

Andere Institute würden das ähnlich sehen. Der Direktbroker der Commerzbank, die Comdirect, habe ebenfalls Maßnahmen ergriffen - wenngleich nur für das Privatkundengeschäft. "Comdirect hat im B2C-Segment alle Investmentfonds aus dem Hause H2O Asset Management im November 2020 für Neuanlagen bis auf weiteres ausgesetzt", lasse das Institut auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE wissen. Für das Geschäftskundensegment gelte diese Regelung allerdings nicht. "Bisher bei Business Partners handelbare Fonds sind weiterhin handelbar", heiße es von dem Ableger der zweitgrößten deutschen Bank.

Die BNP Paribas habe ebenfalls den Handel eingeschränkt. Der hiesige Direktbroker der Franzosen, die Consorsbank, habe die liquiden H2O-Teile für Käufe gesperrt. Die Fonds seien lediglich zum Verkauf freigeschaltet, teile das Institut auf Anfrage der Redaktion mit. Auch im Geschäftskundenbereich gebe es Einschränkungen. Bei der B2B-Marke DAB BNP Paribas würden Käufe freigeschaltet, "wenn unsere Partner, also insbesondere unabhängige Vermögensverwalter, dies nachfragen", so die Bank. "Einige der Fonds wurden aufgrund von gezielten Anfragen seitens der Vermögensverwalter wieder für den Kauf freigeschaltet", berichte ein Sprecher.

Keine Einschränkungen für H2O-Portfolios nehme hingegen die Fondsdepot Bank vor. "Wir bieten derzeit den Handel für die liquiden Anteilsklassen an." Lediglich die illiquiden Sidepockets könnten bis zur Bereinigung nicht gehandelt werden. Allerdings seien die liquiden Fonds dem Finanzinformationsdienst WM Daten zufolge in der höchsten Risikoklasse eingestuft. "Somit erhält der Kunde die Information über das mit dem Erwerb verbundene Risiko und kann mit seinem Berater darüber sprechen", ergänze die Fondsdepot Bank. Das Institut betone, dass es selbst keine Beratung oder Produktempfehlung anbiete.

Als weitere wichtige Fondsplattform berichte Ebase auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE: "Wir haben keine Fonds von H2O Asset Management bei uns gelistet oder im Bestand." Der Luxemburger Anbieter Moventum teile mit, keine Angaben machen zu können. Die Augsburger Aktienbank schließlich erläutere, "einige H2O-Fonds gelistet" zu haben. "Wenn Fonds unseren internen Richtlinien entsprechen, dann sind diese auch für den Handel offen", heiße es vonseiten des Instituts weiter. Lediglich die Sidepockets könnten bei der AAB nicht gehandelt werden.

H2O gerate wegen der schwachen Performance und der Schließung der Fonds bereits von anderer Seite unter Druck. Der "Financial Times" zufolge nehme die französische Großbank Crédit Agricole bei einer Lebensversicherungstochter die Fonds von H2O aus dem Programm. Demnach sollten keine H2O-Portfolios mehr an Neukunden verkauft werden. Zudem verliere die Boutique ihren Haupteigner. Die Konzernmutter Natixis habe jüngst mitgeteilt, ihren Mehrheitsanteil an H2O verkaufen zu wollen. Die Boutique zähle nicht mehr zum strategischen Kern. (11.11.2020/fc/n/s)