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Fondskategorien: Die überraschende 20-Jahres-Bilanz - Fondsnews


05.02.19 12:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die besten Anlageergebnisse über die vergangenen 20 Jahre ließen sich mit Fonds erzielen, die auf Schwellenländeraktien setzen. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Wertentwicklungsstatistik des deutschen Branchenverbandes BVI, so die Experten von "FONDS professionell".

Demnach hätten die vom BVI erfassten Aktienfonds mit Schwellenländerfokus in den 20 Jahren bis Ende 2018 im Schnitt eine annualisierte Rendite von 7,1 Prozent abgeliefert, was kumuliert fast einer Vervierfachung des eingesetzten Kapitals entspreche. Publikumsfonds, die in Anleihen aus den aufstrebenden Volkswirtschaften investieren würden, würden demnach auf ein Plus von 6,4 Prozent per annum kommen - bei Einmalanlage nach Kosten inklusive Ausgabeaufschlag, aber ohne Inflation und Steuern. Keine andere Fondskategorie habe ähnlich gute Resultate erzielt.

Allzu überraschend seien diese Ergebnisse nicht, schließlich würden Schwellenländerinvestments zwar als volatil, auf lange Sicht aber auch als lukrativ gelten. Auch am unteren Ende des Wertentwicklungs-Rankings würden sich keine Ausreißer finden: Dort seien die Geldmarktfonds zu finden, die das Kapital ihrer Sparer wie zu erwarten gewesen sei kaum hätten mehren können.

Einige andere Ergebnisse würden aber durchaus überraschen: So habe sich mit Publikumsfonds, die auf langlaufende Euroanleihen setzen würden, im Betrachtungszeitraum genauso viel verdienen lassen wie mit global investierenden Aktienfonds. Zudem seien ausgewogene Mischfonds, die weltweit anlegen würden, deutlich lukrativer (+3,7 Prozent p.a.) als ihre aktienbetonten Pendants (+2,3 Prozent p.a.) gewesen - entgegen der Erwartung, dass sich eine hohe Aktienquote langfristig auszahlen sollte.

Noch verwirrender sei die Erkenntnis, dass die Kategorie "Aktienfonds Europa" auf Sicht von 20 Jahren im Schnitt nur zwei Prozent per annum abgeworfen habe - kein Ruhmesblatt für ihre Manager. Portfolios, die auf kurzlaufende Euroanleihen gesetzt hätten, hätten genauso gut abgeschnitten, ohne ihren Investoren in dieser Zeit den Schlaf zu rauben. Hinzu komme: Ausgerechnet die als spießig geltenden offenen Immobilienfonds seien im Schnitt deutlich rentabler gewesen: Sie lägen mit einer annualisierten Rendite von 3,5 Prozent auf Rang acht von insgesamt 20 untersuchten Kategorien.

Obwohl sich die Ergebnisse auf einen vergleichsweise langen Zeitraum beziehen würden, dürften sie nicht überbewertet werden. Das ernüchternde Abschneiden der meisten Aktienkategorien sei zumindest zum Teil damit zu erklären, dass der 20-Jahreszeitraum gleich zwei große Crahs enthalte: Das Platzen der Internetblase nach der Jahrtausendwende und die Finanzmarktkrise nach der Lehman-Pleite 2008. Hinzu komme der Kursabsturz Ende 2018, der einen guten Teil der Hausse der vergangenen Jahre weggewischt habe. Anleihenfonds hätten dagegen von der sagenhaften Rally am Rentenmarkt profitiert, die mittlerweile jedoch ihr Ende gefunden habe. Die Ergebnisse würden sich so daher keineswegs in die Zukunft fortschreiben lassen.

Außerdem seien in der Statistik nur die Fonds der BVI-Mitglieder enthalten, die schon seit mindestens 20 Jahren am Markt seien, was die Stichprobe recht klein mache. Zudem werde der schlichte arithmetische Durchschnitt gezeigt: Ein einziger schlechter, kleiner Fonds könne also die Top-Performance einiger Flaggschiffportfolios ausradieren.

Trotz dieser Einschränkungen seien die Zahlen jedoch keineswegs nutzlos: Sie könnten Beratern dabei helfen, die teils übertriebenen Renditeerwartungen ihrer Kunden einzubremsen. (05.02.2019/fc/n/s)