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Fondsbranche steuert auf bestes Absatzjahr zu


17.11.21 14:02
BVI

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die deutsche Fondsbranche erzielte bis Ende September Zuflüsse in Höhe von 167,9 Milliarden Euro, berichten die Experten vom BVI.

Damit steuere sie auf ein Rekordjahr zu. Bisher sei 2015 das beste Absatzjahr, als den Fondsgesellschaften von Anfang Januar bis Ende Dezember 186,6 Milliarden Euro zugeflossen gewesen seien. Offene Publikumsfonds würden beim Neugeschäft in diesem Jahr mit 85,9 Milliarden Euro bereits ihre Rekordmarke aus 2000 übertreffen. Damals hätten sie von Anfang Januar bis Ende Dezember Zuflüsse von 74,6 Milliarden Euro erzielt. Offenen Spezialfonds seien aktuell 79,9 Milliarden Euro zugeflossen und geschlossenen Fonds 4,4 Milliarden Euro. Aus Mandaten hätten Anleger 2,3 Milliarden Euro abgezogen. Das Neugeschäft der Fondsbranche entspreche über vier Prozent des Vermögens zu Beginn des Jahres (3.852 Milliarden Euro). Ende September hätten die Fondsgesellschaften ein Vermögen von 4.183 Milliarden Euro verwaltet.

Bei den offenen Publikumsfonds seien Aktienfonds der Absatztreiber. Ihnen seien 42,9 Milliarden Euro zugeflossen. Davon würden 25,2 Milliarden Euro auf aktiv gemanagte Fonds und 17,7 auf Aktien-ETFs entfallen. Bei den Anlageschwerpunkten würden Fonds dominieren, die weltweit investieren würden (21,7 Milliarden Euro). Aktienfonds hätten Ende September ein Vermögen von 586 Milliarden Euro verwaltet. Das seien 28 Prozent mehr als zu Jahresbeginn (459 Milliarden Euro).

Mischfonds stünden mit Zuflüssen von 29,6 Milliarden Euro auf Platz zwei der Absatzliste. Davon würden 16,4 Milliarden Euro auf Fonds entfallen, die zu gleichen Teilen in Aktien und Anleihen investieren würden. Mischfonds mit Schwerpunkt auf Aktien oder Anleihen seien jeweils 6,6 Milliarden Euro zugeflossen. Insgesamt würden Mischfonds ein Vermögen von 379 Milliarden Euro verwalten.

Rentenfonds seien 6,7 Milliarden Euro zugeflossen. Die Hälfte des Neugeschäfts stamme von Fonds mit Schwerpunkt auf Unternehmensanleihen. Diese Fondsgruppe habe zur Jahresmitte die Rentenfonds, die überwiegend in Euro-Anleihen mit kurzer Restlaufzeit investieren würden, als volumengrößte Gruppe abgelöst. Auf Unternehmensanleihenfonds entfalle Ende September ein Vermögen von 46 Milliarden Euro. Das sei ein Fünftel des Vermögens aller Rentenfonds in Höhe von 229 Milliarden Euro.

Nachhaltige Fonds hätten bis Ende September Zuflüsse von 41,6 Milliarden Euro verzeichnet. Das entspreche einem Anteil von 25 Prozent am Neugeschäft der Fondsbranche insgesamt. Als nachhaltig würden die von den Mitgliedern als Artikel-8-Fonds (Fonds mit Nachhaltigkeitsstrategie) und Artikel-9-Fonds (Fonds, die zu Nachhaltigkeitszielen beitragen würden) klassifizierten Produkte gemäß der am 10. März 2021 in Kraft getretenen EU-Offenlegungsverordnung gelten. Beim Neugeschäft würden nachhaltige Publikumsfonds mit 38,8 Milliarden Euro dominieren.

Die nachhaltigen Produkte würden somit 45 Prozent der Zuflüsse von Publikumsfonds insgesamt beisteuern. Nachhaltige Spezialfonds hätten hingegen nur Zuflüsse von 2,8 Milliarden Euro verzeichnet. Der Wert unterschätze aber vermutlich die Verbreitung des Nachhaltigkeitsansatzes bei diesen Fonds für institutionelle Investoren wie zum Beispiel Kirchen, Stiftungen und Altersvorsorgeeinrichtungen.

Da die Anlagestrategien bei Spezialfonds ohnehin oft individuell ausgestaltet würden, gebe es kaum einen Anreiz für die Fondsgesellschaften, sie formal als nachhaltig gemäß Artikel 8 oder 9 der Offenlegungsverordnung zu klassifizieren. Die Branche habe Ende September insgesamt 452 Milliarden Euro in nachhaltigen Fonds verwaltet. Davon würden 339 Milliarden Euro auf Publikumsfonds und 113 Milliarden Euro auf Spezialfonds entfallen.

Das verwaltete Netto-Vermögen der Immobilienfonds sei in den letzten zwölf Monaten von 238 Milliarden Euro (Ende September 2020) auf 267 Milliarden Euro gestiegen. Das entspreche einem Wachstum von 12 Prozent. Auf offene Spezialfonds würden 129 Milliarden Euro, auf offene Publikumsfonds 124 Milliarden Euro und auf KAGB-konforme geschlossene Fonds 14 Milliarden Euro entfallen.

Eine Auswertung der offenen Immobilienfonds zeige, dass sie in den letzten zehn Jahren ihren Schwerpunkt auf Immobilien in Deutschland ausgebaut hätten. Bei Publikumsfonds sei der Anteil - gemessen an den Verkehrswerten - von 30 auf 38 Prozent gestiegen, bei Spezialfonds von 49 auf 72 Prozent. Besonders stark sei der Anteil von US-Immobilien in Publikumsfonds gewachsen. Er habe sich verdoppelt von 4 auf 8 Prozent. Verringert hingegen hätten Immobilienfonds insbesondere den Anteil von Immobilien in Frankreich. (17.11.2021/fc/n/s)