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Fondsbranche atmet auf: EU-Parlament will Priips-Anwendung verschieben - Fondsnews


05.12.18 11:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die Basisinformationsblätter nach der europäischen Priips-Verordnung finden mit hoher Wahrscheinlichkeit erst ab dem Jahr 2022 für Publikumsfonds Anwendung - und nicht schon wie ursprünglich geplant ab 2020, so die Experten von "FONDS professionell".

Der Wirtschafts- und Währungsausschuss im EU-Parlament (Econ) habe eine Beschlussvorlage für das Plenum verabschiedet, wonach zwei wichtige Fristen verlängert würden: Zum einen sollten Fondsanbieter länger als bisher geplant an den bewährten "Wesentlichen Anlegerinformationen" festhalten können, zum anderen solle die Frist für die geplante Überprüfung der Priips-Regeln um ein Jahr bis Ende 2019 verlängert werden. Über eine entsprechende Initiative mehrerer einflussreicher EU-Parlamentarier habe FONDS professionell ONLINE Ende Oktober berichtet. In der Regel folge das Parlament dem Votum des Econ-Ausschusses, eine Zustimmung dürfe daher als wahrscheinlich gelten.

Die Informationsblätter nach der Verordnung für verpackte Anlageprodukte (Packaged retail and insurance-based investment products, Priips) seien hoch umstritten, unter anderem wegen ihrer Methoden zur Berechnung der Transaktionskosten und der Wertentwicklungsszenarien.

Der deutsche Fondsverband BVI spreche daher von einem "Etappensieg für Verbraucher". "Die längeren Fristen geben uns mehr Zeit, die Mängel gemeinsam mit den Regulierern zu beheben", habe BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter gesagt.

Die Überprüfung sollte dabei nicht auf die Detailvorgaben der europäischen Aufsichtsbehörden (ESAs) beschränkt bleiben, fordere der Verband. Auch die Priips-Verordnung selbst müsse an einigen Stellen noch einmal kritisch geprüft werden.

Der BVI sehe nun außerdem keinen Grund mehr für einen sogenannten "Quick Fix" der Mängel, wie ihn die ESAs Anfang November vorgeschlagen hätten. "Das Priips-KID soll 50 Millionen europäischen Privatanlegern als Entscheidungsgrundlage dienen, deshalb gilt der Grundsatz 'Gründlichkeit vor Schnelligkeit' ", so Richter. Die im Konsultationspapier der ESAs enthaltenen Ansätze für einen "Quick Fix" würden laut BVI die wichtigsten Probleme nicht lösen.

Für eine Überarbeitung mache sich auch der Deutsche Derivate Verband (DDV) stark. Er vertrete die Interessen der Zertifikateanbieter, die schon seit Jahresbeginn mit den Priips-KIDs arbeiten müssten. "Wir brauchen ein Basisinformationsblatt, das die Anleger aufklärt und nicht verwirrt", habe DDV-Geschäftsführer Henning Bergmann gesagt. Insbesondere die gesetzlichen Vorgaben zur Berechnung der Performanceszenarien und Kosten hätten teilweise zu "abwegigen Ergebnissen" geführt, so der Verband.

Der DDV begrüße, dass das EU-Parlament Defizite bei der Priips-Regulierung sehe. Diese müssten nun schnell behoben werden. Aber: "Die vorgesehene Verschiebung der Überprüfung um ein Jahr darf auf keinen Fall dazu führen, dass die Überarbeitung auf die lange Bank geschoben wird", betone der Verband. (News vom 04.12.2018) (05.12.2018/fc/n/s)