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Fondsbarometer: IT und Gesundheit geben nochmals Gas


06.06.18 15:26
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Der seit vielen Jahren anhaltende Höhenflug von Wachstumsbranchen wie Technologie und Biotechnologie lässt in letzter Zeit immer mehr Zweifel daran aufkommen, ob das gute alte Value-Konzept im Fondsmanagement noch eine Berechtigung hat, so die Experten von "FONDS professionell".

Wer auf der Suche nach "günstig" bewerteten Substanztiteln sei, werde in den Branchen IT und Biotech in aller Regel nicht fündig. Hier habe man es häufig mit Unternehmen zu tun, die kaum Gewinne erzielen würden, keine Dividende ausschütten würden, dafür aber im Erfolgsfall märchenhafte Kursgewinne liefern würden. Wenn dann noch bekannt werde, dass jemand wie Warren Buffett groß bei Apple einsteige, könnten auch hartgesottene Value-Anleger ins Grübeln geraten.

Aktuell würden die historischen Ergebnisse traditioneller Value- beziehungsweise Growth-Branchen eine klare Sprache sprechen: Während die Zehn-Jahres-Performance der Branchen "Technologie" und "Gesundheit/Pharma" bei mehr als 185 Prozent liege, habe man im selben Zeitraum mit der Value-Sparte "Versorger" 2,04 Prozent, mit "Infrastruktur" 36 Prozent und mit "Telekommunikation/Medien" rund 81 Prozent verdient.

Technologie und Gesundheit seien übrigens noch im Vormonat die Schlusslichter des Fondsbarometers gewesen. Anfang Mai berichteten die Experten von "FONDS professionell" im Fondsbarometer: "...bisher erwiesen sich aber alle Absturz-Prognosen für die FAANG-Aktien als verfrüht. Und auch die jüngsten Ergebnisdaten dieser Unternehmen deuten nicht auf ein baldiges Ende ihres Höhenflugs hin."

Aber welchen Schluss solle man daraus ziehen? Aus Value auszusteigen und auf den Wachstumszug aufspringen, wäre eine Jagd nach historischer Performance, und die gelte zurecht als klassischer Investmentfehler. Wer das Wachstums-Jahrzehnt verpasst habe, dürfte angesichts der Stimmung der Jahre 2008 und 2009 vermutlich kein Einzelfall sein. Daran lasse sich nun aber nichts mehr ändern.

Auch in den späten 90er Jahren sei das Value-Konzept angesichts des Höhenflugs der Technologieunternehmen vielfach totgesagt worden. Ab dem Jahr 2000 sei es dann zu einer mehrjährigen Renaissance des Value-Investments gekommen. Value-Aktien würden sich erfahrungsgemäß in schwierigen Konjunkturphasen besser als Wachstumstitel halten. Spätestens, wenn sich die nächste Rezession ankündige, könnte sich das Blatt daher wenden.

Die einzig sinnvolle Schlussfolgerung laute daher: in jeder Marktphase möglichst breit diversifiziert anlegen. Nur, wer das Markt-Timing im Griff habe, könne auf Streuung verzichten.

Bei großen Emerging Markets wie Russland, Indien, China und Brasilien (BRIC) falle auf, dass sie in den Monatsstatistiken der Experten häufig entweder sehr weit oben oder sehr weit unten auftauchen würden. Den Mai hätten China und Russland unter den Top 10 beendet, während Fonds, die in Indien (42 Fonds) und Brasilien (sieben Fonds) anlegen würden, zu den zehn schwächsten Länderfonds gezählt hätten, wobei der Monatsverlust in Brasilien mit fast 14 Prozent extrem hoch ausgefallen sei. Sehe man sich die aktuellen Einschätzungen für das Wirtschaftswachstum des Landes an, werde diese Anlegerflucht verständlich. Bis vor kurzem seien noch 2,5 bis drei Prozent BIP-Plus für 2018 erwartet worden. Nach den landesweiten Streiks der LKW-Fahrer hätten nun manche Beobachter diesen Wert auf zwei Prozent gesenkt - für ein Investment in ein riskantes Schwellenland sei das vielen Investoren scheinbar zu wenig.

Ob die mit dem Land verbundenen Risiken in Russland besser vergütet würden, sei schwer einzuschätzen. Der steigende Ölpreis habe aber bei den in dieser Statistik erfassten 23 Fonds, die schwerpunktmäßig in Russland investieren würden, für einen durchschnittlichen Monatsgewinn von mehr als 4,7 Prozent gesorgt. Und dieser Aufwärtstrend sei auch nicht neu: Blicke man drei Jahre zurück, habe man mit Russland-Fonds mehr verdient als mit Produkten, die deutsche Standardaktien kaufen würden. Dies liege daran, dass russische Aktien seit Anfang 2016 den DAX hinter sich lassen würden. Daher gelte für Regionen dasselbe wie für Branchen: möglichst stets in alle investieren. (06.06.2018/fc/n/s)