Flossbach-Manager: "Prozyklisches Investieren ist der totale Killer" - Fondsnews


04.10.19 13:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die Renditen an den Rentenmärkten fallen nur noch mager aus - so lautet ein verbreitetes Vorurteil, so die Experten von "FONDS professionell".

Weit gefehlt, meine Frank Lipowski, der den milliardenschweren Flossbach von Storch Bond Opportunities lenke. Er verrate, wie er trotz Niedrigzinsen mit Anleihen erkleckliche Erträge erziele.

Portfoliomanager und professionelle Investoren erlägen allzu häufig weit verbreiteten Gewohnheiten und Trugschlüssen, kritisiere Frank Lipowski, Manager des Flossbach von Storch Bond Opportunities, im Interview mit "FONDS professionell". Insbesondere Profi-Anleger hätten den Blick stur darauf gerichtet, dass am Jahresende eine positive Zahl auf dem Papier stehe. "Einige steigen auf der Bonitätsleiter deshalb sogar herunter, um die Rendite hoch zu halten", führe Lipowski aus. "Unserer Meinung nach sollte man die Anlagestrategie nicht nach Kalendertagen auslegen."

Diese Denke habe etwa den Ausverkauf im Oktober 2018 befeuert, als viele Anleger ihre Gewinne retten oder Verluste eindämmen wollten, so die Experten von "FONDS professionell". "Dabei hatte sich fundamental oder an der Bonität der Emittenten rein gar nichts geändert." Solche Phasen der Volatilität würden antizyklischen Investoren - zu denen Lipowski sich selbst zähle - wiederum Chancen eröffnen. "Prozyklisches Investieren ist im Rentenbereich der totale Killer."

Auch das Argument, dass aufgrund des Niedrigzinsumfelds ein Investment in Anleihen nicht mehr lohne, lasse Lipowski nicht gelten. "Der Instrumentenkasten, bei dem ich mich bedienen kann, ist sehr groß", so der Manager des rund 1,6 Milliarden Euro schweren Flossbach-Fonds. "Gerade ein globaler, flexibler Ansatz wie unserer eröffnet viele Möglichkeiten. Mir stehen übrigens sogar mehr Instrumente zur Verfügung als meinen Aktienkollegen."

So habe er nicht nur die Wahl zwischen verschiedenen Emittenten, sondern auch Laufzeiten, Schuldnerrangfolgen oder Währungen. Er könne die Duration rasch hoch- und runterfahren sowie diese zwischen den Zinsstrukturkurven anderer Währungen hin- und herschieben. "Für wirklich aktive Anleger sind Anleihen längst nicht so langweilig, wie das Vorurteil besagt", folgere Lipowski.

Vor allem seien die Kursbewegungen viel dominierender als die eigentliche jährliche Rendite. So habe er für den flexiblen Bondfonds Anfang des Jahres eine 100-jährige Anleihe des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen gekauft. "Manch einer mag sich fragen: Warum sollte ich mir ein Problem für 100 Jahre an den Hals binden?", sage Lipowski. "Wenn aber das Zinsniveau wie im Frühjahr und Sommer deutlich fällt, ziehen die Kurse von lang laufenden Anleihen besonders stark an. Solche Titel können in bestimmten Marktphasen eine Versicherung gegen sinkende Zinsen sein."

Frank Lipowski, Manager des Flossbach von Stroch Bond Opportunities, erläutere im "FONDS professionell"-Interview, warum Anleihe-Investments längst nicht so langweilig und die Erträge nicht so niedrig seien, wie das Vorurteil besage.

"Ich möchte keine klagende Ente sein, die schnatternd am Boden rumläuft und verzweifelt jeden Brotkrumen aufpickt. Ich möchte vielmehr der Adler sein, der oben kreist und alles im Blick hat."

"Die Anleihe einer Immobilienfirma brachte eine Rendite von drei Prozent - und da brauchen Sie noch nicht mal einen Hausmeister dafür."

"Wir sind nur mit offenem Verdeck im Cabrio gefahren, weil die Sonne schien. Das heißt aber nicht, dass wir das Dach - wenn Regenwolken aufziehen - nicht wieder schließen." (04.10.2019/fc/n/s)





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