Erweiterte Funktionen

Finanzmarktforscher zerpflücken BaFin-Richtlinie zu "grünen" Fonds" - Fondsnews


08.11.21 13:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Bereits der deutsche Fondsverband BVI ist mit der geplanten Richtlinie der Finanzaufsicht BaFin für nachhaltig ausgerichtete Investmentvermögen hart ins Gericht gegangen, so die Experten von "FONDS professionell".

Nun würden sich Experten des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung (SAFE) der Kritik anschließen.

Die Experten des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung (SAFE) in Frankfurt würden vor einer überbordenden Bürokratie zur Verhinderung von Greenwashing bei Anlageprodukten warnen. Dies würden diverse Medien berichten, darunter die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). In der Kritik stehe auch die geplante Richtlinie für nachhaltig ausgerichtete Investmentvermögen der Finanzaufsicht BaFin. Einen überarbeiteten Entwurf für das Regelwerk habe die Behörde Anfang August vorgelegt.

Der Vorschlag habe bereits beim deutschen Fondsverband BVI für Unmut gesorgt. Dieser fürchte, die strengen Vorgaben könnten dazu führen, dass ESG-Sondervermögen künftig verstärkt in Ländern wie Luxemburg aufgelegt würden.

Der Kritik an einem nationalen Alleingang hätten sich nun auch die SAFE-Forscher angeschlossen, wie die FAZ schreibe. "Wenn die deutsche Finanzmarktaufsicht sicherstellen will, dass als nachhaltig vermarktete Anlageprodukte diese Bezeichnung auch verdienen, ist dies zu begrüßen", zitiere die Zeitung Tobias Tröger, Direktor der SAFE-Einheit "Law & Finance". Die vorgeschlagene nationale Richtlinie sei dafür jedoch nicht erforderlich und auch in der Ausarbeitung nicht überzeugend.

Nach Ansicht der SAFE-Forscher verfüge die BaFin bereits heute über genügend Kontrollmöglichkeiten, um Greenwashing entgegenzuwirken. Eine eigene Richtlinie mit Vorgaben für die Benennung nachhaltiger Investmentvermögen würde der ohnehin unübersichtlichen europäischen Rechtslage lediglich ein weiteres "grünes" Qualitätssiegel hinzufügen, seien die Forscher überzeugt. Einen Mehrwert an Informationen könnten sie darin nicht erkennen.

Wesentliche Ziele des Regelwerks seien auf europäischer Ebene bereits verankert. Daher sei eine nationale Richtlinie zur Erreichung der Regulierungsziele verzichtbar. Zahlreiche europäische Gesetzgebungsinitiativen, vor allem das Ecolabel-Projekt der EU-Kommission, hätten sichergestellt, dass als nachhaltig beworbene Investmentprodukte auch tatsächlich als nachhaltig anzusehen seien. Die geplante deutsche Richtlinie sorge nur dafür, dass sich die Rechtslage weiter verkompliziere. Sie stifte eher noch mehr Verwirrung als für Klarheit zu sorgen, würden die Forscher mahnen. (08.11.2021/fc/n/s)