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Fidelity führt erfolgsabhängige Gebühren ein - Fondsnews


04.10.17 13:15
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die Fondsgesellschaft Fidelity International plant, bei ihren Aktienfonds neben der pauschalen auch eine erfolgsabhängige Gebühr einzuführen, so die Experten von "FONDS professionell".

Dies habe das Unternehmen mitgeteilt. Demnach wolle das Haus bei seiner Aktien-Produktpalette die Managementgebühr senken und eine variable Vergütungskomponente einführen. Deren Höhe richte sich danach, ob es dem jeweiligen Manager gelinge, seinen Vergleichsindex zu übertreffen.

Der Schritt des US-Unternehmens erfolge in einem immer schwieriger werdenden Umfeld für aktive Fondsmanager. Diesen falle es schwer, sich von ihren Vergleichsbarometern abzusetzen. Insbesondere bei US-Standardwerten gelinge es auf lange Sicht kaum einem Manager mehr, seine Benchmark zu schlagen. Zudem setze die stark wachsende Konkurrenz durch börsengehandelte Indexfonds (ETFs) die traditionelle, aktive Industrie unter Druck.

"Wir wollen mit der Neuregelung demonstrieren, dass wir bei unseren aktiv gemanagten Strategien unser Bestes geben", habe Brian Conroy, Präsident von Fidelity International gesagt. "Daher werden wir dort keine fixe Gebühr mehr erheben, sondern entsprechend unserer Leistung für unsere Kunden entlohnt." Das neue Gebührenmodell werde zusätzlich zum bereits bestehenden System eingeführt, habe das Haus mitgeteilt. Damit hätten die Fidelity-Kunden künftig die Wahl zwischen zwei Tarifen. Für Anleger, die keine Gebühr für aktives Management zahlen wollten, plane das Haus zudem den Ausbau seiner ETF-Palette.

Im Detail habe sich Fidelity für die sogenannte "Fulcrum Fee" entschieden. Demnach erhalte Fidelity einen Anteil am Mehrertrag, wenn der jeweilige Manager seinen Vergleichsindex aussteche. Entwickele sich der Fonds gleich oder schwächer als die Benchmark, sinke hingegen die Managementgebühr. Dabei bewege sich der Kostensatz insgesamt innerhalb einer definierten Höchstgrenze und einem Mindestniveau, heiße es von Fidelity.

"Im Unterschied zu erfolgsabhängigen Gebührenregelungen bei anderen Anbietern zeichnet sich unser Modell dadurch aus, dass bei einer Underperformance die Gebührenbelastung für den Kunden verringert wird", erläutere Conroy. Bei einer herkömmlichen Performance-Fee bleibe die Managementgebühr hingegen unangetastet. Die Fulcrum-Fee falle aber auch an, wenn der Fonds Verluste einfahre - solange er dabei noch seinen Vergleichsindex übertreffe.

Die Einführung der Anteilsklassen mit dem neuen Tarifsystem betreffe zunächst nur die Aktienfonds des Fidelity-Geschäfts außerhalb der USA und solle Anfang 2018 beginnen. Auch Allianz Global Investors (AGI) habe angekündigt, einige in den USA vertriebene Fonds auf ein erfolgsabhängiges Vergütungsmodell umzustellen.

AGI-Chef Andreas Utermann habe zuvor in einem Pressegespräch erklärt, dass seiner Ansicht nach generell in der Branche der Anteil volumenabhängiger Gebühren sinken, der von erfolgsabhängigen Vergütungsmodellen hingegen zunehmen werde. In den USA habe Alliance Bernstein ebenfalls die Fulcrum Fee eingeführt.

Zugleich habe Fidelity angekündigt, die Kosten für externes Research an Kunden weiterzureichen. Mit Inkrafttreten der Finanzmarktrichtlinie Mifid II müssten Fondsanbieter die Ausgaben für Analysen von Drittanbietern genau aufschlüsseln. Bislang würden diese Aufwendungen mit den Transaktionsgebühren der Investmentbanken und Broker verrechnet. Fidelity stelle sich damit gegen den Trend in der Branche, wonach die Asset Manager die Researchkosten überwiegend auf die eigene Bilanz nehmen würden. Zuletzt habe die Fondssparte von Goldman Sachs angekündigt, die Gebühren auf die eigene Gewinn-und-Verlust-Rechnung zu nehmen.

Klar sei aber auch, dass die Kosten am Ende auf verschlungenen Pfaden doch bei den Anlegern landen könnten: In Gestalt höherer Managementgebühren. Hinter der Entscheidung, die Kosten jeweils den Portfolios zuzuweisen, stecke das Kalkül, dass die Transaktionskosten sinken sollten. Da die Researchgebühren künftig gesondert anfallen würden, müssten die Anleger unter dem Strich also nicht mehr bezahlen, so die Hoffnung. (04.10.2017/fc/n/s)