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Fidelity-Chefin: Fondsbranche schießt bei Researchkosten am Ziel vorbei - Fondsnews


10.10.17 12:36
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die Fondsbranche fokussiert sich bei der Umsetzung der Finanzmarktrichtlinie Mifid II zu sehr auf den Umgang mit den Kosten für externes Research, so die Experten von "FONDS professionell".

Dies meine die Chefin des Asset Management-Hauses Fidelity, Abigail Johnson, in einem Gastbeitrag für die Wirtschaftszeitung "Financial Times". "Ich unterstütze vollkommen die Ziele neuer Regelwerke wie Mifid II", schreibe die Präsidentin des US-Anbieters. "Aber unsere Industrie verfehlt diese Ziele, indem sie sich fast völlig darauf fokussiert, wie die Kosten für externe Analysen abgerechnet werden."

Eine der Neuerungen der Finanzmarktrichtlinie sei, dass die Fondsanbieter künftig die Ausgaben für Studien Dritter genau aufschlüsseln müssten. Bislang würden Investmentbanken und Broker die Analysen im Gegenzug für Handelsaufträge herausgeben. Solche Gegengeschäfte erschienen den Regulierern aber zu undurchsichtig, so die Experten von "FONDS professionell". Künftig müssten daher Asset Manager die Kosten für Wertpapiertransaktionen und Research gesondert ausweisen.

"Asset Manager sollten ganzheitlich auf den Geist der Regulierung reagieren", plädiere die Enkelin des Firmengründers Edward C. Johnson II. Die Familie Johnson halte 49 Prozent der Anteile von Fidelity, 51 Prozent lägen bei den Mitarbeitern. Die Managerin mache zwei Stoßrichtungen der neuen Regeln aus: Einerseits sollten die Kosten für Anleger transparenter werden und sinken, andererseits der wirtschaftliche Erfolg der Investmenthäuser an die für die Kunden erwirtschafteten Renditen gekoppelt werden.

Die bisher überwiegende, pauschal an das Volumen eines Fonds gekoppelte Gebühr mache die Branche angreifbar für Vorwürfe, zu viel Geld für eine schwache Leistung einzunehmen, argumentiere Johnson, die Ende vergangenen Jahres komplett die Führung von ihrem Vater übernommen habe. In einer Welt, in der immer mehr börsengehandelte Indexfonds einen günstige Zugang zur Entwicklung an den Märkten eröffnen würden, sei dieses Modell nicht mehr zu rechtfertigen. Performance-Gebühren nenne die Fidelity-Chefin gar "noch unerhörter".

Stattdessen verweise Johnson auf die "Fulcrum Fee", die der weltweite Unternehmensteil Fidelity International bei einigen Fonds einführen wolle. Dabei würden sich die Einnahmen des Managers danach richten, ob das jeweilige Portfolio seinen Vergleichsindex übertreffe oder nicht. Im Gegensatz zu herkömmlichen Performance-Fees schmelze bei der Fulcrum-Variante aber die Management-Gebühr, sollte die Benchmark nicht übertroffen werden. Die Kostenhöhe sei zudem nach oben wie unten begrenzt.

Mit Blick auf die Kosten für externes Research warne die Managerin davor, dass Anleger am Ende teuer dafür bezahlen könnten - gerade wenn ihre Fondsmanager die Gebühren auf die eigene Bilanz nehmen würden. Denn dies könnte zu Einsparungen bei den Analysen führen, was den Investmentprozess und letztendlich die Fondsperformance beeinträchtige. Fidelity weise die Ausgaben für Research den Anlegern zu und habe sich damit gegen den Trend in der Branche gestellt. Neben der Research-Frage hätten die Aufseher aber auch verlangt, die Transaktionskosten zu senken. Transparenz sei hier der Schlüssel zum Erfolg, mahne die Fidelity-Chefin.

Schließlich warne Johnson, dass zu viele Asset Manager jede Herausforderung des Marktes und der Regulierer einzeln angehen würden. "Es ist entscheidend, dass wir einen Schritt zurück treten und das ganze Bild betrachten", appelliere Johnson. "Nur die Gesellschaften, die den Mut aufbringen und auf die Wünsche ihrer Kunden eingehen sowie eine langfristige Perspektive einnehmen, werden sich verändern können. Und verändern müssen wir uns." (10.10.2017/fc/n/s)