Europas größter Fonds: Eine Geschichte in sieben Akten - Fondsnews


01.10.20 10:45
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Früher dominierten Namen wie Fidelity, Carmignac, BlackRock oder PIMCO das Ranking der milliardenschweren Investmentprodukte, so die Experten von "FONDS professionell".

Mittlerweile stehe ein hierzulande fast unbekannter Fonds ganz oben auf dem Podest. FONDS professionell ONLINE lasse die vergangenen Jahre Revue passieren.

In der Asset-Management-Branche spiele Größe seit jeher eine wichtige Rolle, denn das Geschäft lebe von Skaleneffekten. Zudem erfülle es natürlich jeden Portfoliomanager und seinen Arbeitgeber mit Stolz, wenn Kunden ihm mehr Geld anvertraut hätten als allen anderen Wettbewerbern.

Das Analysehaus Morningstar habe nun recherchiert, welcher europäische Fonds wann das meiste Geld verwaltet habe. Vor 15 Jahren habe sich der Fidelity European Growth diese Medaille anheften dürfen, vor zehn Jahren sei es der Carmignac Patrimoine gewesen. Und heute? Sei es der hierzulande nicht zum Vertrieb zugelassene AP7 Aktiefond, der vom schwedischen Staat gemanagt werde und Teil des nationalen Pensionssystems sei. Wie habe es dazu kommen können?

Wer sei der Größte? Eine Zeitreise durch 15 Jahre europäische Fondsgeschichte:

An diesen Fonds erinnere sich jeder, der schon um die Jahrtausendwende herum etwas mit dem Finanzvertrieb zu tun gehabt habe: Unter Anthony Bolton und später Graham Clapp sei der Fidelity European Growth zu Europas größtem Fonds herangewachsen. Die beiden hätten nicht nur das Platzen der New-Economy-Blase besser als zahlreiche Wettbewerber gemeistert, auch beim darauf folgenden Aufschwung sei der Fonds vorne dabei gewesen.

Kein Wunder, dass Fidelity mit seinem Flaggschiffprodukt Milliarde um Milliarde eingesammelt habe. Im Januar 2006 - so weit reiche die Morningstar-Recherche zurück - habe der Fonds knapp 24 Milliarden Euro verwaltet. Danach habe das Management allerdings sein glückliches Händchen verloren, das Volumen sei dahin geschmolzen. Außerdem hätten viele Anleger plötzlich andere Themen spannender gefunden - beispielsweise den Aufschwung der Schwellenländer. Aktuell verwalte der Fidelity European Growth "nur" noch 6,2 Milliarden Euro.

Einer der Profiteure des eben erwähnten Emerging-Markets-Booms seien Rohstoffinvestments und mithin der BGF World Mining gewesen, der damals, vor der Übernahme durch BlackRock, von Merrill Lynch Investment Managers verwaltet worden sei. Das von Evy Hambro verantwortete Portfolio habe das Fidelity-Produkt im Juli 2007 an der Spitze der Rangliste mit Europas größten Fonds abgelöst. Den Morningstar-Zahlen zufolge habe das Sondervermögen damals 16,5 Milliarden Euro auf die Waage gebracht, auf dem Höhepunkt des Rohstoff-Hypes im August 2008 seien es sogar 23,7 Milliarden Euro gewesen. Doch die globale Finanzkrise habe diese sagenhafte Story abrupt beendet: Rohstoffaktien seien im Crash besonders böse unter die Räder gekommen. Aktuell verwalte Hambro in seinem Fonds noch gut vier Milliarden Euro.

"Zwischen August 2008 und Mai 2009 brachte die Finanzkrise ein verwirrendes Intermezzo an der Spitze der Fonds-Rankings mit sich", analysiere Ali Masarwah aus dem Frankfurter Research-Team von Morningstar. Portfolios wie der BGF Global Allocation, der Pictet Global Utilities und der Invesco UK Equity High Income hätten sich oben auf dem Podest abgewechselt. "Ab Mai 2009 wurde dann ein neuer Star auf die Bühne geschoben: Der Carmignac Patrimoine", meine Masarwah.

Edouard Carmignac habe das Kunststück vollbracht, sein Portfolio unbeschadet durch das Horrorjahr 2008 zu manövrieren, was ihm sagenhafte Mittelzuflüsse beschert habe. Vor der Finanzkrise habe der Fonds noch rund vier Milliarden Euro verwaltet, danach seien es zeitweilig rund 30 Milliarden Euro gewesen. "Zwischen Mai 2009 und Februar 2011 war der Carmignac der unumstrittene Star am europäischen Fondshimmel", schreibe Masarwah. Doch dann habe den französischen Vermögensverwalter bekanntlich die Fortune verlassen. In den vergangenen Jahren habe die Performance zeitweise sehr zu wünschen übrig gelassen, mittlerweile verwalte der Fonds gerade noch 10,8 Milliarden Euro.

Im März 2011 sei der Carmignac Patrimoine von einem neuen Star abgelöst worden, und zwar durch Michael Hasenstab und seinen Templeton Global Bond Fund, der seinerzeit 28,2 Milliarden Euro auf die Waage gebracht habe. "Mit einer mutigen Makro-Wette auf die Erholung Irlands in der Eurokrise machte sich Hasenstab einen Namen", erinnere Masarwah. An seine früheren Erfolge habe der Fonds zuletzt allerdings nicht mehr anknüpfen können. Aktuell verwalte Hasenstab in der europäischen Variante seiner Flaggschiffstrategie rund 7,7 Milliarden Euro.

Im Februar 2014 habe Hasenstab seinen Platz an der Spitze der europäischen Fondsgiganten für Dennis Stattman von BlackRock räumen müssen. Dessen BGF Global Allocation Fund, der gut durch die volatilen Märkte der Vorjahre gekommen sei, habe damals schon 29,2 Milliarden Euro verwaltet. Bis Februar 2017 sei das Vermögen auf fast 35,8 Milliarden Euro gewachsen. "Allerdings hatte die Performance da bereits nachgelassen", berichte Masarwah. "Die Folge waren auch hier hohe Mittelabflüsse - allein fünf Milliarden Euro gingen dem Fonds 2016 verloren, und auch seither haben Investoren in jedem Jahr Geld aus dem Fonds abgezogen." Aktuell lägen rund zwölf Milliarden Euro in diesem Portfolio.

Bereits im März 2017 habe kurz der staatlich gemanagte AP7 Aktiefond aus Schweden die Spitze der Rangliste erklommen, er sei aber schon im Juni 2017 vom PIMCO GIS Income abgelöst worden, der damals 38,5 Milliarden Euro auf die Waage gebracht habe. "Im Zuge des Anleger-Runs auf riskante Bonds sammelte der Fonds Neugelder in schwindelerregendem Tempo ein", habe Masarwah beobachtet. Im Februar 2020 habe das Vermögen die Marke von 70 Milliarden Euro überschritten. Doch der Corona-Crash habe das von PIMCO-Chefanleger Daniel Ivascyn und seine Kollegen gesteuerte Portfolio hart getroffen. Morningstar zufolge hätten Anleger alleine im März dieses Jahres 16,2 Milliarden Euro aus dem Fonds abgezogen. Hinzu seien Kursverluste bei riskanten Anleihen gekommen, die das Fondsvermögen um weitere 6,5 Milliarden Euro hätten abschmelzen lassen. Zwar hätten sich die Papiere schnell erholen können, und auch die Anleger seien zurückgekehrt. Mit einem Vermögen von aktuell 57,7 Milliarden Euro sei der Fonds von seinem alten Höchststand jedoch ein gutes Stück entfernt. Und dennoch...

...sei es so, dass Ende August 2020 erneut der AP7 Aktiefond die Spitzenposition habe übernehmen können. Mit 57,8 Milliarden Euro liege er aktuell einen Hauch vor dem PIMCO GIS Income. Schwedische Arbeitnehmer müssten generell 2,5 Prozent ihres Einkommens in Vorsorgefonds investieren, erläutere Masarwah. "Diese 2,5 Prozent des Bruttoeinkommens werden in individuelle Fondslösungen investiert, um einen Kapitalstock aufzubauen, der Arbeitnehmern ab dem Renteneintritt zur Verfügung steht." Dabei könnten sich die Vorsorger auch für Produkte bekannter Anbieter wie Fidelity, Schroders oder BlackRock entscheiden. Wer keine Wahl treffe, lande allerdings automatisch bei den AP7-Portfolios. So komme es, dass rund vier Millionen schwedischer Arbeitnehmer regelmäßig Geld in den AP7 Aktiefond pumpen würden. Doch das alleine erkläre den Aufstieg nicht, meine der Morningstar-Experte. Hinzu komme die "fantastische Performance" des streng systematisch verwalteten Portfolios. (News vom 30.09.2020) (01.10.2020/fc/n/s)





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