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ESG-Faktoren dürften laut NGAM maßgeblich zur Verbesserung des Sparverhaltens beitragen


16.06.17 12:29
Natixis Global AM

Paris (www.fondscheck.de) - Die zunehmende Bedeutung von Investments, die ökologische und soziale Aspekte ebenso berücksichtigen wie Fragen der Corporate Governance (ESG), könnte entscheidend dazu beitragen, dass generationenübergreifend eine immer größere Zahl von Privatanlegern mehr in ihre Altersvorsorge investiert oder überhaupt damit beginnt. Dafür sprechen zumindest die Ergebnisse des aktuellen ESG-Berichts von Natixis Global Asset Management für das Jahr 2017.

Im Zuge dieses Berichts seien 7.100 Privatanleger aus 22 Ländern und vier Investorengruppen (Entscheidungsträger bei institutionellen Investoren, Finanzberater, Privatanleger und Teilnehmer an beitragsorientierten US-Vorsorgeplänen) befragt worden.

Dave Goodsell, Executive Director des Durable Portfolio Construction Research Center bei Natixis Global Asset Management, erkläre: "Privatanleger geben uns unmissverständlich zu verstehen, dass sich ihre persönlichen Wertvorstellungen auch in ihren Investments widerspiegeln sollten." So spiele die ökologische, soziale und ethische Historie der Unternehmen, die in den Investmentportfolios der Anleger vertreten seien, für diese eindeutig eine wichtige Rolle, so Dave Goodsell. "Darüber hinaus könnten Strategien, die ESG-Kriterien berücksichtigen vor allem jüngere Anleger verstärkt für betriebliche Altersvorsorge-Programme gewinnen. Mit 84% geben mehr als acht von zehn befragten "Millennials" aus den USA an, dass sie mehr für ihre Altersvorsorge tun würden, wenn ihnen eine ESG-konforme Anlageoption angeboten würde. Unserer Meinung nach besteht seitens der Investoren also ein konkreter Wunsch, mit ihrem Geld Gutes zu tun."

Weltweit würden es drei Viertel der Anleger für wichtig halten, in Unternehmen zu investieren, die ihren persönlichen Wertvorstellungen Rechnung tragen würden. Diese Meinung ziehe sich - unabhängig vom Geschlecht, vom Alter oder vom Wohlstand - durch die gesamte Gruppe der Befragten.

Die Umfrageergebnisse würden auch zeigen, dass es eine große Mehrheit für bedeutsam halte, in Unternehmen zu investieren, die eine solide Umweltbilanz aufweisen (70%) und als sozial verantwortungsbewusst eingestuft würden (71%). Außerdem seien die meisten Befragten der Meinung, dass man Investitionen tätigen sollte, die zu einer Verbesserung im Gesundheits- oder Bildungswesen beitragen würden (71%). 78% der Umfrageteilnehmer würden ferner angeben, dass man sich in ethisch geführten Firmen engagieren sollte.

Allerdings würden Männer und Frauen die ESG-Faktoren sowie deren Rolle auf Portfolioebene leicht unterschiedlich beurteilen. So beschäftige sich im Vergleich zu den Männern (72%) ein etwas größerer Prozentsatz der Frauen (76%) mit den ESG-Faktoren. Insgesamt würden die Meinungen der beiden Geschlechtergruppen bei allen Kriterien zwischen 3% und 5% voneinander abweichen.

Angesichts der aktuellen Beispiele (Volkswagen, Mylan und Theranos), die seit 2015 die Schlagzeilen bestimmen würden, würden die Befragten größeren Wert darauf legen, in ethisch geführte Unternehmen zu investieren. Von den Frauen würden 81% diesen Aspekt für wichtig halten, 31% davon sogar für sehr wichtig.

Auf Länderebene zeige sich der konkrete Wunsch der US-Anleger, bei ihren Investitionen ESG-Faktoren zu berücksichtigen. Dabei gebe es jedoch eine Differenz von 17% zwischen Anlegern, die von Beratern betreut würden (76%), und jenen, die eigenständig investieren (59%) würden.

Der Natixis-Bericht illustriere außerdem, dass in der Finanzdienstleistungsbranche ein immer größeres Augenmerk auf die Berücksichtigung von ESG-Faktoren gerichtet werde, obwohl diese Vorgehensweise den Finanzberatern möglicherweise noch nicht so vertraut sei wie traditionelle Anlagestrategien. So würden derzeit bereits 40% der Finanzberater weltweit auf ESG-Faktoren zurückgreifen, um auf diese Weise Governance- und soziale Risiken zu begrenzen. Darüber hinaus würden die befragten Institutionen erwarten, dass die ESG-Kriterien in Zukunft sogar eine noch größere Rolle spielen würden. So würden sechs von zehn Befragten davon ausgehen, dass die Berücksichtigung von ESG-Faktoren in den nächsten fünf Jahren in ihren jeweiligen Organisationen gängige Praxis werden werde.

Was das Portfoliomanagement betreffe, so böten die ESG-Faktoren nach Einschätzung von 55% der Umfrageteilnehmer Alpha-Chancen, während 57% die Auffassung vertreten würden, dass ESG dazu beitragen könne, das Risikoniveau insgesamt zu verringern.

Jörg Knaf, Executive Managing Director - DACH Countries bei Natixis Global AM ergänze: "Investments, die ökologische und soziale Kriterien ebenso berücksichtigen wie Aspekte der Corporate Governance (ESG), sind in den letzten Jahren immer facettenreicher geworden. So geht dieser Ansatz inzwischen weit über den eindimensionalen, negativen Filterprozess des sozial verantwortungsbewussten Investierens (SRI) hinaus. Vielmehr dient dieses Verfahren mittlerweile dazu, das Portfoliorisiko proaktiv zu steuern und neue Anlagechancen zu identifizieren".

Trotzdem stehe die Anlegergemeinde auch weiterhin vor großen Herausforderungen, wenn es um die erfolgreiche Integration von ESG-Kennzahlen gehe. Das Reporting zur finanziellen sowie zur nicht-finanziellen Performance werde von Institutionen dabei als größte Hürde angesehen, während Finanzberater vor allem den Mangel an geeigneten historischen Daten als Problem anführen würden.

Die wachsende Zahl von Ratingagenturen für Fonds sowie Researchhäusern, die Instrumente zur Überwachung und Bewertung von ESG-Faktoren anböten, helfe jedoch, das Problem im Zusammenhang mit dem Performance-Reporting in den Griff zu bekommen.

Obwohl sich die Diskussion über die ESG-Faktoren auch auf den schlichten Ausschluss von Anlagechancen konzentrieren könnte, würden Institutionen ihr Augenmerk aber auf den Faktor Nachhaltigkeit als Investmentthema richten. Auf die Frage, welche Sektoren des Private Equity-Marktes im Jahr 2017 vermutlich die besten Anlagechancen bieten würden, hätten 34% das Segment Infrastruktur genannt, direkt hinter Technologie, Medien und Telekommunikation. Nach Einschätzung von über drei Vierteln der Befragten würden institutionelle Investoren bei der Finanzierung von Infrastrukturprojekten zukünftig eine größere Rolle spielen.

"Wir müssen uns endgültig von dem Gedanken verabschieden, dass es bei den ESG-Kriterien nur darum geht, einzelne Unternehmen mittels negativer Filterprozesse auszuschließen. Vielmehr bieten die ESG-Faktoren sogar beträchtliche Anlagechancen. Deshalb werden Privatanleger ebenso wie institutionelle Investoren zustimmen, dass demografische Entwicklungen, Boom-Branchen und Initiativen für nachhaltiges Wachstum nicht nur attraktive Investmentopportunitäten eröffnen, sondern auch in gesellschaftlicher Hinsicht hochinteressant sind. Wenn man Anleger durch die Berücksichtigung von ESG-Elementen dazu bringen kann, mehr zu sparen, und dies der Katalysator für die Bewältigung der Sparkrise ist - dann müssen wir darüber nachdenken, wie wir ESG-Faktoren nachhaltig integrieren können", so Knaf. (16.06.2017/fc/n/s)