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Disput um angeblich geschönte Rentenportfolios entflammt - Fondsnews


26.03.20 11:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Zwischen der Fondsratinggesellschaft Morningstar und drei amerikanischen Finanzprofessoren hat sich eine Kontroverse entsponnen, so die Experten von "FONDS professionell".

Diese habe im November 2019 begonnen, als die drei Wissenschaftler Lauren Cohen, Umit Gurun und Huaizhi Chen ein Diskussionspapier veröffentlicht hätten. Das Werk trage die provokante Überschrift: "Don't Take Their Word For It: The Misclassification of Bond Mutual Funds", übersetzt also in etwa: "Trau' ihnen nicht: die Fehlklassifizierung von Anleihenpublikumsfonds".

Die drei Hochschullehrer würden in ihrer Studie die freiwilligen Meldungen von 1.294 US-Rentenfonds an Morningstar aus den Jahren 2003 bis 2019 mit den Portfoliodaten der Finanzaufsicht SEC abgleichen. Die Fondsmanager müssten per Pflichtmitteilung quartalsweise die Bestände bei der Behörde einreichen. Cohen, Gurun und Chen würden zu dem Schluss kommen, dass gut 30 Prozent der untersuchten Rentenfonds Anleihen mit schlechterer Bonität beinhalten würden, als sie an die Ratinggesellschaft gemeldet worden seien. Dadurch erscheinen die Portfolios besser, als sie sind, so die Experten von "FONDS professionell".

Denn die falsch klassifizierten Fonds würden mit Konkurrenten verglichen, die geringere Risiken eingehen und damit auch geringere Renditen erzielen würden, so die drei Forscher. Daraus resultiere eine scheinbare Outperformance je Quartal von im Schnitt 10,3 Basispunkten gegenüber den Mitbewerbern.

Vergleiche man hingegen die fehlsortierten Fonds mit der richtigen Vergleichsgruppe, würden sie sich als allenfalls mittelmäßige Performer entpuppen. In der Folge erhielten diese Fonds ein besseres Morningstar-Sterne-Rating, so die Forscher. Dieses messe das Abschneiden eines Fonds im Vergleich zu seiner Konkurrenz anhand des Verhältnisses von Risiko und Wertentwicklung.

Die Analysten von Morningstar hätten sich der Kritik des Professoren-Trios angenommen und die Datenlage daraufhin eingehend durchleuchtet. Die Ratingexperten würden zu dem Schluss kommen, dass Cohen, Gurun und Chen falschlägen. Sie würden die Ergebnisse der Studie zurückweisen und festhalten, dass die gemeldeten Portfoliodaten weitgehend korrekt seien. Demzufolge würden die Sterne-Ratings von Morningstar absolut angemessen das Rendite- und Risikoverhältnis der Bondfonds korrekt widerspiegeln.

Drei Argumente würden die Experten ins Feld führen. Erstens bezögen sich die Fehlklassifizierungen, die die drei Akademiker bemängeln würden, meist auf Anleihen ohne Rating. Oftmals verfüge jedoch der Emittent über eine Bonitätsnote. Diese sei bei den Meldungen der Asset Manager auch den einzelnen Anleihen zugeordnet, bei den SEC-Portfoliodaten hingegen nicht.

Zweitens hätten die Autoren falsch interpretiert, wie das Morningstar-Sterne-Rating funktioniere. Und drittens: Selbst wenn es vereinzelt doch zu Fehlklassifizierungen gekommen wäre, hätten diese statistisch gesehen nahezu keine Auswirkungen auf die Sterne-Vergabe gehabt.

Auf diese Replik hätten die Studienautoren ihrerseits wiederum mit einem Nachtrag geantwortet: Die Finanzwissenschaftler würden an ihren Schlüssen festhalten. Auch wenn sie etwa alle Anleihen ohne Rating ausklammern würden, kämen sie immer noch zu den gleichen Ergebnissen. Dies sei einstweilen der letzte Stand der Diskussion.

Beide Seiten würden betonen, dass sie in einem konstruktiven Austausch miteinander stünden. Morningstar meine zudem: "Wir begrüßen jede Debatte, welche die Informationslage für Investoren verbessert, gerade in so komplizierten Feldern wie Anleihen." Cohen, Gurun und Chen wiederum würden klarstellen: "Unser Ziel für dieses Projekt war von Beginn an: die immer komplexeren Entscheidungswege der Investoren und die daraus resultierende wachsende Rolle von Informationsintermediären auszuloten, die diese spielen." (News vom 25.03.2020) (26.03.2020/fc/n/s)