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Deutschland auf dem Weg zur Nation von Fondsbesitzern - Fondsnews


07.03.19 11:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Mit enormer Verzögerung scheint die hartnäckige Minizinsphase das Anlageverhalten des Durchschnitsdeutschen nun doch zu beeinflussen, so die Experten von "FONDS professionell".

Immer mehr Bundesbürger würden ihr Geld in Aktien anlegen. Das sei das Ergebnis einer Studie des Deutschen Aktieninstituts (DAI), die auf Daten beruhe, die durch Umfragen von Kantar TNS unter 28.000 Anlegern zustandegekommen seien.

Demnach sei die Zahl der Aktienbesitzer im vergangenen Jahr um rund 250.000 auf mehr als zehn Millionen gestiegen - den höchsten Wert seit 2007. Damit seien mittlerweile rund 16 Prozent der Gesamtbevölkerung über 14 Jahre im Besitz eines oder mehrerer Aktienprodukte. Dabei würden Dividendenpapiere überwiegend von Gutverdienern im Alter von 40 bis 60 Jahren gehalten, zunehmend aber auch von Rentnern.

Einen regelrechten Schub hätten erneut Investmentfonds erfahren. Besonders beliebt seien laut der DAI-Studie Aktienportfolios. Rund 617.000 Deutsche hätten sich 2018 für ein solches Produkt entschieden, insgesamt würden rund zwölf Prozent der Bevölkerung einen oder mehrere Aktienfonds halten. Rund sechs Millionen Bundesbürger würden gar ausschließlich auf diese Anlageform setzen. Damit habe sich der Aufwärtstrend der Vorjahre fortgesetzt.

Auch Mischfonds hätten in der Gunst der renditesuchenden Bundesbürger zugelegt: Knapp 3,4 Millionen Personen hätten ihr Geld dieser Anlage anvertraut. Vor einem Direktinvestment in Unternehmen dagegen seien zuletzt viele Investoren zurückgeschreckt: Hier sei die Zahl 2018 um 373.000 im Vergleich zum Vorjahr gesunken.

Eine ermutigende Notiz am Rande: Zwar sei die Zahl der Fondsbesitzer mit insgesamt 7,79 Millionen Personen immer noch weit entfernt von den einstigen Höchstständen zuzeiten der allgemeinen Börseneuphorie rund um das Jahr 2001. Dennoch hätten die DAI-Experten 2018 "nur" rund 20 Prozent weniger Fondsfans gezählt. Die Zahl der Direktanleger in Aktien sei gegenüber dem einstigen Rekord indes um knapp 27 Prozent - also deutlich stärker - gesunken.

"Ob diese Anleger lediglich von der Direktanlage auf Fonds umgestiegen sind oder dies der Anfang vom Ende des positiven Trends der vergangenen Jahre ist, muss abgewartet werden", sage DAI-Chefin Christine Bortenlänger. Sie gebe sich allerdings zuversichtlich, dass der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre weiter anhalten werde.

Potenzial sei weiterhin vorhanden: Die große Mehrheit der Deutschen stehe mit Aktien nach wie vor auf Kriegsfuß. Noch immer liege das meiste Geld auf Girokonten und nahezu zinslosen Sparbüchern. Generell bestünden bei vielen Nicht-Aktienbesitzern "erhebliche Vorbehalte, Missverständnisse und auch ein gewisses Maß an Gleichgültigkeit" in Bezug auf die Aktienanlage, konstatiere Bortenlänger. Sie seien nicht bereit, sich überhaupt mit der Aktie als Alternative zu Girokonto und Sparbuch zu beschäftigen. "Um die Deutschen zu einem Volk von Aktionären zu machen, ist und bleibt der größte Hebel, die Aktie im System der Altersvorsorge stärker zu berücksichtigen", fordere die DAI-Geschäftsführerin. (07.03.2019/fc/n/s)