Darum hinken europäische Asset Manager der US-Konkurrenz hinterher - Fondsnews


07.10.19 11:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Laut den Experten von Moody's ringen die auf dem alten Kontinent beheimateten Fondsgesellschaften mit strukturellen Nachteilen, die amerikanischen Anbieter werden ihnen daher enteilen - und auf lange Sicht ihre Dominanz wahren, so die Experten von "FONDS professionell".

Europas Fondsgesellschaften würden auf absehbarer Zeit langsamer wachsen und eine geringere Profitabilität erreichen als ihre amerikanischem Mitbewerber. Zu diesem Ergebnis komme eine Analyse der Ratinggesellschaft Moody's. US-Asset-Manager würden weltweit den Vermögensverwaltungsmarkt dominieren. Dies werde sich auf absehbare Zeit auch nicht ändern, würden die Experten meinen.

Die Bonitätswächter würden mehrere Gründe nennen, warum Europas Anbieter der US-Konkurrenz strukturell im Nachteil seien. Zwar seien die Erlöse auch auf dem alten Kontinent durchaus stark. Allerdings würden die Vertriebskosten deutlich höher ausfallen als bei den Mitbewerbern jenseits des Atlantiks. Die dadurch geringeren Gewinne würden dazu führen, dass Europas Fondshäuser nicht so vehement in Produktinnovationen und neue Technologien investieren könnten wie ihre US-Pendants.

Als wichtige Ursache für die höheren Vertriebskosten wiederum würden die Ratinganalysten die größere Fragmentierung des europäischen Marktes anführen. Die vielen Ländergrenzen würden für Fondsanbieter nach wie vor den Vertrieb ihrer Produkte jenseits des Heimatmarktes umständlich und teuer machen. Weiterhin lägen die meisten großen Gesellschaften in den Händen von Banken und Versicherungen. Bei den Asset-Management-Töchtern würden damit die hauseigenen Vertriebskanäle dominieren - was zwar ein stabile Geschäftsbasis sichere, den Schritt in neue Kundensegmente aber erschwere.

Viele der großen amerikanischen Asset Manager seien hingegen unabhängige Unternehmen. Zudem laufe der Fondsvertrieb im Retail-Segment in den USA weniger über Banken und Versicherungen, sondern stärker über Finanzplaner und Broker. Der institutionelle Vertrieb stütze sich wiederum stärker auf Consultants. Insgesamt sei der Wettbewerb damit lebhafter, würden die Moody's-Experten urteilen.

Weiterhin sei zwar die volkswirtschaftliche Bedeutung der USA und Europas ähnlich, allerdings sei der amerikanische Kapitalmarkt weitaus breiter und tiefer. Das deutlich größere Volumen an Aktien und Anleihen eröffne weitaus mehr Investmentmöglichkeiten als in Europa, würden die Analysten argumentieren. All diese Faktoren führten dazu, dass die hiesigen Fondsgesellschaften sich schwertun, so eine Größe wie ihre US-Pendants aufzubauen und damit einhergehende Skaleneffekte einzustreichen, so die Experten von "FONDS professionell".

Einige Gesellschaften hätten jedoch begonnen, diese Wettbewerbsnachteile anzugehen: Über Fusionen und Übernahmen. So habe die französische Gesellschaft Amundi der italienischen Großbank UniCredit die Fondstochter Pioneer abgekauft. Auf der britischen Insel wiederum hätten sich Aberdeen Asset Management und Standard Life zusammengeschlossen. Das Versicherungsgeschäft gebe der Konzern ab und konzentriere sich auf Investmentdienste. Dies seien gute Ansätze die nötige Größe zu sichern, um international wettbewerbsfähig zu bleiben, hätten die Analysten von Moody's geurteilt. (07.10.2019/fc/n/s)